Die größten Wunder der Sport-Geschichte

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Der Titelkampf in der österreichischen Bundesliga ist entschieden.

Quasi. Denn theoretisch hat Rapid Wien mit neun Punkten Rückstand auf RB Salzburg und dem klar schlechteren Torverhältnis noch die Chance, den Titel einzufahren. Wird nicht passieren, dennoch nehmen die „Bullen“ keine verfrühten Glückwünsche an. Das gehört sich einfach nicht.

Denn im Sport geschehen ab und zu Wunder. Schier uneinholbare Rückstände werden gedreht, krasse Außenseiter setzen sich sensationell durch und riesige Vorsprünge werden noch aus der Hand gegeben.

LAOLA1 blickt auf die 15 größten „Wunder“ der Sportgeschichte zurück:

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Champions-League-Finale 1998/99

Jeder, der das Endspiel zwischen Manchester United und Bayern München verfolgt hat, erinnert sich wohl sein Leben lang daran. Die Deutschen führten im Camp Nou dank eines Treffers von Mario Basler in der 6. Minute bis zur Nachspielzeit, ehe die „Red Devils“ die Partie noch drehten. Teddy Sheringham (90+1.) und Ole Gunnar Solskjaer (90+3.) sorgten binnen weniger Sekunden für den verrückten Triumph.

 

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Damen-Finale in Wimbledon 1993

So ein Comeback hat die Tennis-Welt selten gesehen. Außenseiterin Jana Novotna führte im Endspiel des Rasen-Klassikers gegen die haushohe Favoritin Steffi Graf bereits mit 6:7, 6:1 und 4:1 und hatte bei 40:30 Spielball zum 5:1. Ein Doppelfehler der Tschechin brachte Graf wieder ins Spiel, Novotnas Wille war gebrochen. Etwas mehr als zehn Minuten später verwandelte die Deutsche ihrerseits den Matchball zum 6:4 im Entscheidungssatz und feierte ihren 13. Grand-Slam-Titel. Manche Wunder benötigen eben nur wenige Minuten.

 

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WM-Finale 1954

Das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz war so legendär, dass es sogar einen eigenen Namen hat: Das Wunder von Bern. Kaum jemand räumte Deutschland im Vorfeld des Finales Chancen gegen Ungarn ein, nach acht Minuten schienen die Experten recht zu behalten. Puskas (6.) und Czibor (8.) brachten die Magyaren früh in Führung. Doch die Deutschen gaben nicht auf und schafften durch Morlock (10.) und Rahn (18.) den Ausgleich. Letzterer (84.) erzielte in den Schlussminuten sogar noch den Siegtreffer – ein wahres Wunder.

 

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Olympische Spiele 1980

Auch im Eishockey gibt es ein Spiel, das als Wunder eingestuft wird. Als „Miracle on Ice“, übersetzt „Wunder auf dem Eis“, ging eines der Finalspiele der Olympischen Spiele 1980 in die Geschichte ein. Die USA setzte sich in Lake Placid sensationell gegen die Sowjetunion durch, obwohl die US-Amerikaner lediglich mit College-Amateuren antraten. Die UdSSR galt zu diesem Zeitpunkt eigentlich als unschlagbar, in der Finalrunde unterlagen die Sowjets den Amerikanern jedoch mit 3:4 und mussten sich mit Silber begnügen. Die USA jubelten über die Goldmedaille im eigenen Land.

 

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Champions-League-Finale 2004/05

Der Inbegriff eines Fußball-Wunders. Paolo Maldini (1.) und Hernan Crespo (39., 44.) schossen den AC Milan zur 3:0-Pausenführung gegen den FC Liverpool, an eine Wende glaubte kaum noch jemand. Doch die „Reds“ schafften tatsächlich das Unmögliche: Steven Gerrard (54.), Vladimir Smicer (56.) und Xabi Alonso (60.) stellten binnen sechs Minuten den Ausgleich her. Im Elfmeterschießen avancierte Liverpool-Goalie Jerzy Dudek – auch dank seiner Hampelmann-Gestiken – zum Helden und die Engländer gewannen den Pokal. Ein unvergessliches Endspiel!

 

(c) perezloizeau-wordpress

Grand-Prix von Großbritannien 1954

Beim GP von Großbritannien sorgte Roberto Mieres für die größte Aufholjagd in der Geschichte der Formel 1. Vom 32. Platz raste der Argentinier noch auf Rang sechs – 24 Positionen machte er damit gut. Gab es noch nie und wird es so schnell auch nicht mehr geben - es sei denn, die „Königsklasse“ stockt das Fahrerfeld auf.

 

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American League Championship 2004

Die Boston Red Sox lagen in der „best of seven“-Serie gegen die New York Yankees bereits mit 0:3 zurück, ehe sie eine unglaubliche Aufholjagd starteten. Die Red Sox gewannen Spiel vier, fünf, sechs und sieben, um in die World Serie einzuziehen. In der Finalserie der MLB fertigten Manny Ramirez und Co. schließlich die St. Louis Cardinals mit 4:0 ab und holten den ersten Titel seit 86 Jahren.

 

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Deutsche Bundesliga 2000/2001

Man sollte sich nie zu früh freuen. Niemals. Doch genau das taten Anhänger von Schalke 04 nach dem Sieg der „Königsblauen“ am letzten Spieltag der Saison 2000/2001. Denn Tabellenführer Bayern München kassierte beim HSV in der 90. Minute das 0:1 – Schalke sah wie der Meister aus. Während die Gelsenkirchener feierten, erzielte Patrik Andersson in der Nachspielzeit den Ausgleich für den Rekordmeister. Das Remis reichte den Bayern zum Titel – Schalke ist seither der „Vier-Minuten-Meister“. Manch einer mag meinen, es wäre das größere Wunder gewesen, wenn Schalke tatsächlich Meister geworden wäre. Aber das ist ein anderes Thema...

 

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GP von Kanada 2011

Eines der verrücktesten Formel-1-Rennen aller Zeiten. Jenson Button, nur von Rang sieben gestartet, musste bei strömendem Regen ganze sechs Mal an die Box und lag nach 38 Runden auf dem letzten Platz. Nicht mehr viel drin? Falsch! Der Brite setzte im McLaren zur irren Aufholjagd an und gewann das Rennen in Montreal nach über vier Stunden vor Sebastian Vettel (Red Bull Racing).

 

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EBEL-Halbfinale 2009/10

Auch in der EBEL kommt es hin und wieder zu Wundern. Nein, wir sprechen hier nicht davon, dass ein Powerplay fehlerlos aufgezogen wird oder Österreicher in der ersten Linie spielen, sondern von einer furiosen Aufholjagd. Die Vienna Capitals führten in der Halbfinalserie der Saison 2009/10 bereits mit 3:0, ehe die Black Wings Linz die restlichen vier Partien für sich entschieden und in die Finals einzogen. Bis dahin schaffte noch kein Team in den Playoffs der heimischen Liga den Aufstieg nach 0:3-Rückstand, die Oberösterreicher trugen sich somit in die Geschichtsbücher ein.

 

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US Open 1991

Fast 39 Jahre war Jimmy Connors zu Beginn der US Open 1991 alt. Nach zahlreichen Operationen und Verletzungspausen lag der US-Amerikaner nur noch auf Rang 174 der Weltrangliste. Schon in der ersten Runde kam es zum Duell mit John McEnroe, damals Nummer 16 der Welt. Connors lag mit 4:6 6:7 0:3 und 0:40 zurück, ehe ihm doch noch das Comeback gelang. Er kämpfte um jeden Punkt, fightete sich tatsächlich zurück und gewann das Match nach über vier Stunden mit 4:6 6:7 6:4 6:2 6:4.

 

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NFL-Playoffs 1993

US-Amerikaner waren schon immer sehr einfallsreich, wenn es um Namensgebung geht. Das größte Comeback der NFL-Geschichte trägt den Namen äußert ausgefallenen Namen „The Comeback“. Doch was war passiert? Die Houston Oilers führten im Playoff-Spiel bei den Buffalo Bills zur Halbzeit mit 35:3, die Hausherren machten das schier Unmögliche möglich und gewannen noch mit 41:38 nach Overtime. Wo wir auch schon bei der nächsten Lektion wären: Verlasse niemals das Stadion vorzeitig. Zahlreiche Bills-Fans entschieden sich zur Halbzeit, nach Hause zu fahren. Als sie im Radio von der Aufholjagd Wind bekamen, wollten sie plötzlich wieder zurück. Die Tickets waren jedoch nicht für mehrmaligen Eintritt gedacht, also kletterten zahlreiche Menschen über die Absperrungen, bis sich die Verantwortlichen entschieden, die Tore wieder zu öffnen.

 

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Ski-WM 1989

Hansjörg Tauscher sorgte bei der WM 1989 für eine der größten Sensationen der Ski-Geschichte. „Hansjörg wer?“, werden sich jetzt viele Leute fragen. Und das zurecht. Denn großen Teilen der Sport-Welt ist der Deutsche kein Begriff, ja nicht einmal alle Ski-Insider können mit dem Namen etwas anfangen. Aus dem Nichts raste Tauscher zu Abfahrts-Gold, ohne davor im Weltcup auf dem Podest gestanden zu sein. Auch nachher gelang ihm der Sprung aufs Podium nur ein einziges Mal (Platz 3 in Garmisch-Partenkirchen 1992). Möglich machte die Sensation übrigens seine Spezial-Linie in der Doppel-S-Kurve, wo er den anderen Fahrern viel Zeit abnahm.

 

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NBA-Playoffs 1995

Im ersten Spiel der Halbfinal-Serie in der Eastern Conference der NBA zwischen den New York Knicks und den Indiana Pacers schien alles klar zu sein. 105:98 führten die Gastgeber aus dem „Big Apple“ um Superstar Patrick Ewing gegen ihren Rivalen 18 Sekunden vor Schluss. Ein sicherer Sieg, da kann nichts mehr anbrennen. Mag man meinen. Denn Reggie Miller machte an jenem 7. Mai seinem Spitznamen "Killer-Miller" alle Ehre. Mit acht Punkten in nur neun Sekunden stellte er das Spiel völlig auf den Kopf - und verspottete anschließend noch im Kabinengang den Gegner.

 

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Olympische Spiele 2004

Kate Allen sorgte bei den Olympischen Spielen in Athen für eine der größten Sensationen der rot-weiß-roten Sport-Geschichte. Im Triathlon lag sie nach dem Schwimmen an der 44. Stelle des 50-köpfigen Teilnehmerinnenfeldes, nach dem Radfahren war es Rang 29. Doch dann folgten das Laufen und die irre Aufholjagd. Die gebürtige Australierin machte schnell viel Zeit gut und überholte drei Minuten vor dem Ziel die zweitplatzierte US-Amerikanerin Susan Williams. Nur wenige Meter später „schluckte“ sie in der Zielkurve auch die Leaderin und haushohe Favoritin Loretta Harrop (AUS) problemlos und kürte sich zur Olympiasiegerin. Ganz Österreich bejubelte das Wunder!

 

Matthias Nemetz

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