Einer bestellt, andere zahlen

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Kennst du das?

Du nutzt eine öffentliche Einrichtung. Kostenfrei, denn schließlich ist sie ja öffentlich. Im Nachhinein stellt sich jedoch heraus, dass du dafür 107.000 Euro bezahlen sollst.

Zugegeben, das Beispiel mag etwas speziell klingen. Dieses Schauspiel passiert aber gerade tatsächlich – und zwar im Wiener Stadionbad.

In den Hauptrollen: der Österreichische (OSV) sowie der Wiener Schwimm-Verband (WLSV). Zu den traurigen Helden in diesem Drama könnten womöglich schon bald Wiens Schwimmer werden.

An die Endverbraucher weitergereicht

Damit besagte Schwimmer während der Stadthallenbad-Sanierung im Winter nicht auf der Straße stehen, hatte der OSV 2009 beim Bund und der Stadt Wien um den Bau einer Traglufthalle im Stadionbad angesucht.

Wie im Pachtvertrag zwischen OSV und Stadt Wien (liegt der Redaktion vor) festgehalten ist, kommt die öffentliche Hand bis zur Wiedereröffnung des Stadthallenbades für die Betriebskosten auf. Danach müsse diese der Pächter selbst tragen, was nun schlagend wird.

Aufgrund zahlreicher Gerichtsprozesse, Rückzahlung von Fördergeldern sowie ausbleibenden Sponsoren kämpft der OSV derzeit um das nackte Überleben. Es scheint also wahrscheinlich, dass in der aktuellen Situation 107.000 Euro bereits den Unterschied zwischen Weiterbestehen und Insolvenz ausmachen.

Die Kosten werden vom OSV nun an die „Endverbraucher“, sprich an den WLSV, weitergegeben. „Der Wiener Landes-Schwimmverband ist schließlich der einzige Nutznießer der Traglufthalle“, kommentiert OSV-Generalsekretär Thomas Unger diesen Schritt.

Dumm nur, dass der WLSV auf eine Zahlung in einer derartigen Höhe nicht vorbereitet ist bzw. diese nicht stemmen kann. Dessen Präsident, Gregor Almassy, gibt sich gegenüber LAOLA1 dazu dennoch betont diplomatisch: „Wir sind darüber informiert worden, dass Kosten auf uns zukommen. Wie hoch diese sind, haben wir aber nicht gewusst.“ Er wolle mit dem OSV diesbezüglich nun Verhandlungen aufnehmen.

Klinken putzen

Der WLSV ist jedoch nicht die einzige Adresse, an die sich der OSV, der nebenbei erwähnt ebenfalls eine Bahn in der Traglufthalle beansprucht, dieser Tage wendet. Auch der Österreichische Behindertensport-Verband (ÖBSV) sowie der Österreichische Tauchsport-Verband (TSVÖ) bekamen ein Schreiben mit der Überschrift „Verrechnung Traglufthalle Saison 2014/15“, in dem über die 107.000 Euro Betriebskosten informiert wird.

„Wir sind verwundert“, will ÖBSV-Generalsekretär Matthias Bogner beim OSV nachfragen, was es damit auf sich hat. „Wir haben weder einen Vertrag mit dem OSV, noch sind wir ein Endverbraucher. Wenn ich richtig informiert bin, ist ein Behinderten-Sportler dort geschwommen, aber den hat nicht der ÖBSV vermittelt“, sieht Bogner den ÖBSV als falsche Adresse.

Im TSVÖ ist man ebenso überrascht. „Wir müssen eruieren, wie das überhaupt zustande gekommen ist“, weiß Verbands-Präsident Peter Bartl nichts von einer Abmachung mit dem OSV. „Üblicherweise hält man solche Dinge schriftlich fest. Wir sind bei unserem Amtsantritt 2012 die schriftlichen Vereinbarungen durchgegangen. Dabei ist uns nichts in dieser Form untergekommen.“

Dies deckt sich mit dem Inhalt des Pachtvertrags, in dem ÖBSV, TSVÖ und WLSV nicht auftauchen. Von einer Beteiligung an Verhandlungen im Vorfeld der Errichtung können die besagten Funktionäre ebenfalls nichts berichten.

Unger räumt zwar ein, dass es vorranging um die Erstellung eines Nutzungskonzeptes gehe, was jedoch die bereits fälligen 107.000 Euro nicht begleichen würde.

Im WLSV, der als Hauptadressat dieser Forderung gilt, schrillen die Alarmglocken. Auch wenn sich Almassy vor den Verhandlungen noch nicht in die Karten schauen lassen will, räumt er ein, dass dieser Betrag „für jeden Verein oder Verband ein Problem darstellen würde“.

Wie aus dem Sitzungs-Protokoll vom 5. Oktober hervorgeht, tüftelt der WLSV an mehreren Lösungsmodellen. Eines sehe etwa die Übernahme der Kosten durch die Vereine vor, wonach „pro Aktiven 20-30 Euro jährlicher Wasserflächenbeitrag“ zu entrichten wären.

Wie bei den übrigen Ansätzen gibt es dabei jedoch einen Haken. Dadurch könnten nur künftige Kosten gedeckt werden, die bereits schlagenden 107.000 Euro allerdings nicht.

Dies wirft die Frage auf, ob der OSV den WLSV einfach zu spät darüber informierte. Letztlich ist die Sachlage bereits seit 2009 bekannt. Viel Zeit eigentlich, um sich ein Konzept zu überlegen.

LAOLA1 hatte übrigens wegen der Betriebskosten Anfang dieses Jahres beim OSV angefragt. „Wir haben noch keine Rechnung von Seiten der Wiener Sportstättenbetriebs-GmbH erhalten“, hatte Unger knapp auf verschiedene Fragen entgegnet.

Bewusst, dass da etwas kommt, war sich die neue OSV-Führung demnach schon länger.

Reinhold Pühringer

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