Neuer OSV-Präsident zeichnet düsteres Bild

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Exakt ein Jahr nach dem Rücktritt des Unternehmers Stefan Miklauz hat der Österreichische Schwimmverband (OSV) wieder einen Präsidenten.

Der Jurist Arno Pajek wurde am Freitag bei einem Außerordentlichen Verbandstag in Wels am gemäß Statuten letztmöglichen Tag mit seiner Liste mit 135 von 145 Stimmen bei sieben Enthaltungen von den Vereinsdelegierten gewählt. Es gab keine Gegenkandidatur.

"Ich möchte mit diesem Team antreten. Wir vertrauen uns, wir arbeiten gut", hatte Pajek vor der Abstimmung zu den Delegierten gesagt. Seine Vizepräsidenten sind Stefan Opatril, Gerd Lang und Peter Rothbauer.

Schriftführer ist Herbert Schurm, Finanzreferent Werner Kühnert. Als Fachwarte sind nach wie vor Manfred Otte (Schwimmen), Nicole Gamauf (Synchron), Grete Kugler (Wasserspringen) und Gabor Karpati (Wasserball) verantwortlich.

Über 250.000 Euro Bilanzverlust

Der OSV-Wahlvorschlag entsprach dem bisherigen Vorstand, ergänzt durch den bisherigen Rechtsreferenten Pajek. Unmittelbar vor dem Wahlvorgang war der Vorstand geschlossen zurückgetreten, um gemeinsam mit dem Tiroler als Team antreten zu können.

Schwimm-Präsident: Ist Pajek eine gute Wahl?

Gleiches passierte mit den Rechnungsprüfern und den Vertretern des Verbandsgerichts. Hier gab es jeweils kleine Änderungen zu bisher. Alle Funktionsperioden sind nun für vier Jahre angesetzt.

Vor der Wahl des Vorstands waren dessen Mitglieder für die Zeit seit dem Verbandstag vom 29. März 2014 entlastet worden. Keine Entlastung liegt weiter für die Jahre 2012 und 2013 für den damaligen OSV-Vorstand vor, aus dem allerdings auch Mitglieder im aktuellen Vorstand sitzen. Der Bericht von Kühnert wies für 2015 einen Bilanzverlust von 259.000 Euro sowie für die OSV GmbH von 2.500 Euro aus.

Verbandsinterne Opposition angeprangert

Der diesmalige Außerordentliche Verbandstag war mit den vergangenen nicht zu vergleichen, wie etwa dem vor zwei Jahren ebenfalls auf dem Welser Messegelände.

Seit der Ära von Paul Schauer (2004 bis 2012) waren die Wogen auf Verbandstagen stets hochgegangen, im Dezember 2013 in Wien kam es sogar zu einem Abbruch. Die Kritiker der OSV-Funktionäre waren da immer in breiter Front erschienen, diesmal blieben sie aber fast ausschließlich Wels fern.

Vor der Sitzung hatten diese Kritiker - deren Schlüsselfiguren wurden zu Beginn des Verbandstages rund 25 Minuten vom Podium aus angeprangert - jedoch schon auf sich aufmerksam gemacht.

Ein Punkt waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in OSV-Angelegenheiten, wobei Schurm als Beschuldigter geführt wird. Er wurde nun aber eben dennoch wiedergewählt. "Er ist beschuldigt, aber nicht angeklagt und schon gar nicht verurteilt", stellte Pajek klar.

Kein Geld mehr da

Mehr Aufregung verursachte die Absicht, die Mitgliedsbeiträge zu verdoppeln, begründet mit hohen Prozesskosten.

"Wir haben keine finanziellen Ressourcen, es ist Null da. Wir können das Geld derzeit nicht aufbringen", verdeutlichte Pajek die triste OSV-Finanzlage.

Dieser pekuniäre Aspekt war auch der einzige mit einer längeren Diskussion. Das spiegelte sich dann im nicht ganz so klaren Abstimmungsergebnis wider. Doch immerhin 68,3 Prozent waren dafür.

Bisher lagen die Mitgliedsbeiträge für einen Verein je nach Anzahl der aktiven Mitglieder zwischen 200 und 500 Euro, aufgrund der Abstimmung werden die Summen für die Jahre 2016 und 2017 nun verdoppelt.

Insolvenz-Risiko nach wie vor gegeben

"Es kommen damit in den zwei Jahren insgesamt 58.000 Euro mehr herein", erklärte OSV-Generalsekretär Thomas Unger. Da die zusätzlichen Gelder für die Begleichung von Prozesskosten zweckgebunden sind, ist das finanzielle OSV-Risiko hier nun geringer.

Ausgeräumt ist es deswegen aber noch lange nicht. Alleine Schadenersatzforderungen vom Jukic-Klub Austria Wien wegen entgangener Gelder in Folge des im Jänner 2013 vom OSV ausgesprochenen Ausschlusses belaufen sich auf 113.500 Euro.

Bisher gab es für den OSV in der Causa Austria Wien vor Gericht nur Niederlagen. Pajek äußerte sich dennoch zuversichtlich: "Wenn ich nicht seriöse Chancen sehen würde, würde ich den Prozess nicht führen."

Prozess wird weitergeführt

Der 47-Jährige begründete seine Haltung damit, dass Zeljko Jukic als Vertreter Austria Wiens bzw. Anwalt Thomas Krankl das Anfallen des Schadens beweisen müssen.

"Da wird er sich schwertun." Für den Fall, dass der OSV verlieren sollte, malte der Verbandschef aber ein düsteres Bild: "Wenn wir zahlen, müssen wir 125.000 Euro zahlen und Insolvenz anmelden."

Die Weiterführung des Prozesses mit Austria Wien wurde danach ohne Gegenstimme befürwortet.

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