Russland-Ermittler schlägt Alarm

Aufmacherbild

Mit erschreckenden Details lässt Günter Younger aufhorchen.

Der 48-jährige Münchner, der das Drogendezernat von Interpol leitete, war Mitglied der Ermittlungskommission, die systematisches Doping in der russischen Leichtathletik untersucht hat.

Sie sollte klären, was an den von der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" lancierten Vorwürfen tatsächlich dran ist.

"Manchmal hatte ich das Gefühl, die wollen sich selbst entlarven", schildert Younger im Interview mit der "Süddeutsche Zeitung".

Keinerlei Angst vor Verfolgung

"Vereinzelt wurde sogar weiter gedopt, während wir dort waren. An anderer Stelle hat uns ein Befragter ins Gesicht gesagt: Egal, was ihr hier macht, es wird sich eh nichts ändern. Die Verantwortlichen in Russland haben sich nicht wirklich Mühe gegeben, irgendetwas zu vertuschen", führt Younger näher aus.

Es herrsche in Russland eine tief verwurzelte Doping-Kultur vor, die sich geschützt durch Kontrolllabore und staatliche Institutionen vor keiner Aufdeckung mehr fürchte.

Ein dementsprechend gewachsenes Betrugs-System sei laut Younger nicht von heute auf morgen zerstörbar: "Die Betrugskultur zu entwurzeln wird Jahrzehnte dauern. Da muss man auch fair sein und dem Land Zeit geben."

Olympia ohne russische Leichtathleten?

Als Konsequenz hatte der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) seinen russischen Ableger vorerst von allen Wettkämpfen verbannt.

IAAF-Präsident Sebastian Coe machte deutlich, dass tiefgreifende Reformen in Russland für eine Wiederaufnahme notwendig seien.

Sogar ein Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio steht momentan im Raum.

Frage der Glaubwürdigkeit

Younger will in Kenias Leichtathletik ähnliche Indizien ausgemacht haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sprach sich zuletzt allerdings gegen die Bildung einer neuen Untersuchungs-Komission aus. Wohl aus Kostengründen.

"Bei Kenia würde ich als WADA sofort sagen: Das sollte unser nächstes großes Ziel sein. Es steht derzeit die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports auf dem Spiel", so der Ermittler gegenüber dem Blatt.

Erst vor zwei Wochen beugte sich Kenias Regierung der WADA und versprach, eine nationale Anti-Doping-Agentur einzurichten. Dass die Lage im ostafrikanischen Land eine kritische ist, bewies nicht zuletzt die Besetzung des Leichtathetlik-Verbandes durch eine Gruppe Sportler, die damit eine Protestaktion gegen Korruption und Doping setzten.

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare