Österreich verliert eines seiner größten Talente

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Österreich verliert sein derzeit vielleicht größtes Talent im Männer-Judo.

Marko Bubanja, Dritter bei Jugend-WM sowie Youth Olympic Games, wird fortan für sein Geburtsland Montenegro auf die Matte steigen. Ab- und Ummeldung wurden vom Internationalen Verband (IJF) abgesegnet, wodurch er bereits bei der Ende Jänner beginnenden World-Tour-Turnierserie startberechtigt wäre.

Bubanja sorgte für eine von insgesamt drei ÖOC-Medaillen bei den YOG 2014

Vorausgegangen dürfte dem Wechsel eine Meinungsverschiedenheit zwischen Bubanja-Coach Hubert Rohrauer und Hans Paul Kutschera, Präsident des Österreichischen Judo-Verbandes (ÖJV), sein. Die Schilderungen der beiden gehen jedoch auseinander.

Potenzial vorhanden

Trotz seiner 19 Jahre ist Bubanja, der seit seinem vierten Lebensjahr in Wien lebt, bereits zweifacher österreichischer Staatsmeister in der Gewichtsklasse bis 81 kg. Auf dem Weg zu seinem ersten Titelgewinn schaltete er mit Marcel Ott unter anderem jenen Athleten aus, den der ÖJV Richtung Olympia 2016 forciert.

Bei seinem letzten Auftritt unter roter-weiß-roter Flagge zeigte der Wiener bei der Judo-Champions-League im vergangenen Dezember in Schwechat auf, als er alle seine drei Kämpfe in der nächsthöheren Klasse für sich entschied, unter anderem gegen den Dritten der WM 2014 Kirill Voprosov (RUS).

„Er kann 2020 vielleicht um eine Olympia-Medaille kämpfen“, meint mit Rohrauer jener Mann, der schon Claudia Heill 2004 zu Silber geführt hatte. Der als Peitschenknaller bekannte Trainer stand dem ÖJV bislang als sportlicher Berater zur Verfügung. Im Zuge eines Projekt-Entwurfs soll sich Rohrauer jedoch mit Kutschera überworfen haben.

Kutschera muss allmählich erkennen, dass sein System krankt, er führt den Verband wie ein Krankenhaus.

Hubert Rohrauer

„Er hat mir gesagt, dass ich zu alt sei und nichts von Judo verstehe. Aber Hans Paul muss allmählich erkennen, dass sein System krankt, er führt den Verband wie ein Krankenhaus“, so Rohrauer in Richtung des Präsidenten, der im Brotberuf als Mediziner tätig ist.

Trainer Hubert Rohrauer

Auch auf das Betreiben von Bubanjas Vater hin habe der 59-jährige Trainer infolge die Variante eines Nationenwechsels ernsthaft ins Auge gefasst.

Das sportliche Angebot des montenegrinischen Verbandes sei dementsprechend lukrativ gewesen. Unter anderem dürfe Bubanja bereits heuer mehrere Grand-Prix- und Grand-Slam-Turniere bestreiten.

Die andere Seite

Vonseiten des ÖJV liegt die Sachlage etwas anders. Auf Nachfrage von LAOLA1 erklärt Kutschera, dass es zu keinerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Rohrauer gekommen sei.

Besagtes Projekt liege indes sehr wohl auf dem Tisch des Präsidenten. „Aber das ist nur eines von mehreren. Diese werden im Rahmen der Vorstandssitzung in Mittersill besprochen. Allerdings steht dieses Konzept in keinerlei Zusammenhang mit Bubanjas Nationenwechsel“, widerspricht Kutschera der Darstellung Rohrauers.

In Mittersill findet dieser Tage ein Olympic Trainings Camp mit rund 880 teils hochkarätigen Teilnehmern statt, welches zu den größten Judo-Trainingslagern auf dem Planeten zählt.

Der Nationenwechsel Bubanjas ist schon im Herbst Thema gewesen. Kutschera: „Es hat mehrere Gespräche mit ihm gegeben. Wir haben versucht, einen Bundesheerplatz für ihn aufzustellen.“ Letztlich habe dies aber nicht ausgereicht, um Bubanja zu halten. Um dem Athleten eine Sperre zu ersparen, erteilte der ÖJV die Freigabe.

Bubanja selbst folgt indes mehr der Argumentationslinie seines Trainers. "Es stimmt, dass es Treffen mit dem ÖJV gegeben hat, aber einige Dinge, die versprochen worden sind, wurden nicht erfüllt", so der Youngster, der eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzt.

Egal, was letztlich genau hinter dem Nationenwechsel steckt, steht jedenfalls fest, dass Österreich eines seiner hoffnungsvollsten Judo-Talente verliert.

 

Reinhold Pühringer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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