Die Verlierer des Jahres

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Ohne Verlierer, keine Gewinner.

Die Rechnung ist eine einfache.

LAOLA1 hat sich umgesehen und sich einige Parade-Exemplare herausgepickt, die es nicht erwarten können, 2015 endlich hinter sich zu lassen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Fernando Alonso

Im Nachhinein ist man freilich immer gescheiter. Nichtsdestoweniger wird Fernando Alonso seine Entscheidung, vor dieser Saison von Ferrari zu McLaren zu wechseln, bestimmt bereuen. Von einem Team, welche das Jahr als Nummer zwei hinter den dominierenden Silberpfeilen beendete, hin zu einem, welches unter die Kategorie „unter ferner liefen“ fiel. Magere elf WM-Punkte stehen beim stolzen Asturier nach 18 Rennen zu Buche. Das ist eines zweifachen Weltmeisters nicht würdig! Doch nicht genug, dass Alonso wenig zu lachen hatte, die gesamte Rennserie vermochte sich auch heuer dem Vorwurf der „Formel fad“ neuerlich nicht zu erwehren. Einzige Lichtblicke: Mexikanische Euphorie und Sebastian Vettels Debüt-Saison bei Ferrari.

Sepp Blatter und die FIFA

Die Image-Werte der FIFA sind im Jahr 2015 endgültig im zweiten Untergeschoß angekommen, daran konnte auch der heuer erschiene FIFA-Film „United Passion“ nichts ändern, den der „Guardian“ als „Kino-Exkrement“ verriss. Festnahmen hoher Funktionäre rund um Kongresse, Joseph Blatters Rücktritt nach seiner Wiederwahl, bis hin zu seiner Sperre machen klar: Im Weltfußball regiert die Korruption! Korruption, die angesichts der Millionenzahlungen rund um die Vergabe der WM 2006 auch nicht vor dem DFB haltmacht. Dass der von ÖFB-Präsident Leo Windtner als Hoffnungsträger bezeichnete Michel Platini ebenfalls im FIFA-Sumpf versinkt, verdeutlicht die Ohnmacht des Systems, sich selbst zu reformieren. Experten sehen gar in der völligen Zerschlagung der FIFA als einzige Rettung der Organisation des Weltfußballs.

Thomas Diethart

Wenn am Donnerstag in Oberstdorf die 64. Vierschanzen-Tournee beginnt, ist er nur Zuschauer. Dabei hatte Thomas Diethart den traditionsreichen Bewerb vor zwei Jahren noch gewonnen. Damals kam der Niederösterreicher aus dem Nichts. Und nun? Es scheint, als wäre er dorthin wieder verschwunden. Übergangene Knie-Probleme, falscher Ehrgeiz sowie leichte Gewichtsprobleme ("Ich bin drei Kilo schwerer, als bei meinem Tournee-Sieg.") holten den Überflieger unsanft vom Himmel. Die vergangene Weltcup-Saison, war eine zum Vergessen und endete auf dem unschmeichelhaften 43. Gesamtplatz. Über den Umweg des Continental-Cups muss der 23-Jährige nun wieder versuchen, sich heranzukämpfen.

Vincenzo Nibali

Für den Tour-de-France-Sieger des Vorjahres gab es - mit Ausnahme eines Etappensieges auf dem 19. Teilstück der Frankreich-Rundfahrt sowie des italienischen Meistertitels – 2015 nicht viel zu holen. Von Beginn an fuhr er bei der Tour einem Rückstand hinterher, am Ende verpasste als Vierter mit 8:36 Minuten Rückstand das Podest. Bei der Vuelta läutete der 31-Jährige die große Revanche ein – doch bereits am zweiten Tage platzten sämtliche Träume des Astana-Profis. Der „Hai von Messina“ wollte sich nach einem Massensturz wieder ans Peloton herankämpfen und ließ sich dabei von seinem Begleitfahrzeug ziehen. Für diese Unsportlichkeit, die von TV-Bildern einwandfrei belegt wurde, verdiente sich der Italiener seine Disqualifikation redlich.

Kobe Bryant

Kobe Bryant ist eine Legende. Er hätte es nicht nötig, sich mit 37 nach einem Achillessehnen-Riss den halben Tag lang Regenerations-Behandlungen zu unterziehen, nur um sich eine letzte Saison lang zu beweisen. Seine Hingabe zum Spiel verlangt einem Respekt ab. Über zwanzig lange NBA-Jahre hinweg. Die zwanzigste Saison ist auch seine letzte. Eine Abschiedstour, die zum Spektakel wird. Jeder will Kobe noch einmal in seiner Heimhalle bewundern dürfen. Die Fans lieben Bryant, im All-Star-Voting liegt er voran, obwohl seine aktuellen Leistungen weit von einer All-Star-Form entfernt sind. Ist die horrende Feldwurfquote von 34,5 Prozent in seinem Alter ein Grund, ihn zu den Verlierern des Jahres zu zählen? Nein, dies allein sicher nicht. Vielmehr ist es das Spiegelbild seines Egos, das diese Abschiedstour wirft und das ihn und sein Team zu Verlierern macht. Es gibt unzählige Beispiele an anderen alternden Stars, die auf viel Gehalt verzichten und eine reduzierte Rolle akzeptieren, um ihrem Team zu dienen und vielleicht sogar um den Titel zu spielen. Nicht so Bryant. Er nimmt immer noch über 17 Würfe pro Spiel und sieht sich als Go-to-guy der Lakers. Klub und Coach unterstützen ihn dabei, auch wenn er die in sich selbst gesetzten Erwartungen nur noch selten erfüllen kann. Dass L.A. unter 30 NBA-Mannschaft nur das 29.-beste ist, scheint egal. Die einen schütteln den Kopf, die anderen lieben ihn noch immer. Ob als Held mit fünf Meistertiteln oder als Dauer-Verlierer im NBA-Keller: Kobe Bryants Egozentrik ist authentisch. Auch das zementiert seinen Legenden-Status.

Russische Leichtathletik

Es war einmal eine Doku, die vor knapp einem Jahr in der „ZDF“ ausgestrahlt wurde. Eine Doku, welche es nicht nur schaffte, die Glaubwürdigkeit einer ganzen Sportart in den Grundfesten zu erschüttern, sondern auch die Köpfe diverser nationaler sowie internationaler Funktionäre zu fordern. Hajo Seppelts „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ umriss auf erschreckende Art und Weise ein von höchster Stelle gedecktes, gut organisiertes Doping-System. Nach dem Rücktritt von Weltverbands-Präsident Lamine Diack versucht nun Sebastian Coe die internationale Leichtathletik wieder auf Kurs zu bringen. Eine Maßnahme dabei: Der Ausschluss aller russischen Leichtathleten. Dieser könnte sogar bis zu den Olympischen Spielen aufrecht bleiben. Erstaunlich, welche Wirkung eine Doku haben kann.

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