Ein Jubiläum mit Schönheitsfehler

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Stimmig wurde das 200. Länderspiel von Viktor Szilagyi begangen:

  • Der Spielort Krems, der nahe seiner handballerischen Heimat St. Pölten liegt.
  • Die Blumen, die Szilagyi im Anschluss spaßhalber seinem Handball-Freund aus Jugendtagen Werner „Faxe“ Lint überreichte.
  • Und die Lobesrede von ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner, auch wenn sie ein klein wenig nach einem auswendig gelernten Muttertags-Gedicht klang...

Nein, ganz ohne Flachs: Es stimmte viel am Donnerstagabend in der Kremser Sporthalle. Nur halt nicht das Ergebnis.

Im vorletzten Test vor dem im Juni stattfindenden WM-Quali-Playoff unterlag die ÖHB-Sieben einer tschechischen Mannschaft ohne Barca-Star Filip Jicha 26:27 (Spielbericht). Dabei mimten die Gäste aber weniger die großen Partycrasher, als dass viel mehr die Fehleranfälligkeit des österreichischen Spiels einen vollends runden Abend verhinderte.

200. Länderspiel von Viktor Szilagyi! Jetzt live auf ORF Sport Plus

Posted by Handball AUSTRIA on Donnerstag, 7. April 2016

Nicht dort, wo man sein will

„Wir sind mit unserem Anspruchsdenken eigentlich schon viel weiter“, meinte Szilagyi mit Blick auf den mit Superstars gespickten Playoff-Gegner Dänemark, der im Juni eine ganz andere Hausnummer darstellen wird als Tschechien.

Dabei gelang es den Österreichern gerade Anfang zweiter Halbzeit sehr wohl, das Spiel an sich zu reißen. Hatte gegen Deutschland noch Alex Hermann als Topscorer geglänzt, war es diesmal Zwillingsbruder Max mit sieben Toren. „Aber mit den vielen Ungenauigkeiten haben wir uns selbst das Leben schwer gemacht“, so Szilagyi. Vom Taktischen her könne er sich und seinen Teamkollegen indes keinen Vorwurf machen. „Da haben wir unser Spiel soweit aufgezogen.“

Doch hinten den Torhüter einige Male im Stich gelassen, vorne etliche Missgeschicke und Fehlwürfe, plus die Schwierigkeiten auf der Kreisläufer-Position – Teamchef Patrekur Johannesson ließ Romas Kirveliavicius und Willi Jelinek einander abwechseln – brachten Szilagyi zu dem Urteil, dass es momentan „viele Baustellen“ gebe. „Es hilft nichts, wir müssen diese jetzt beinhart ansprechen und daran arbeiten.“

Sich selbst nimmt der 37-Jährige nicht aus. Nach über einem Jahr Nationalteam-Pause hat der Jubilar erst knappe vier Trainingstage mit der Mannschaft sowie das Länderspiel gegen Deutschland in den Beinen. Sprich: So richtig angekommen ist der Regisseur im Spiel der Österreicher noch nicht. „Das dauert noch, wenngleich es etwas einfacher ist, wenn ich im Rückraum mit Alex und Max (Hermann; Anm.) zusammenspiele“, so Szilagyi, der mit den „Hermännern“ beim deutschen Bundesligisten Bergischer HC unter Vertrag steht. Zudem sei er nach langer Pause noch zu wenig lang im Training, um gut in Form zu sein, weshalb er momentan seinen Fokus mehr auf Spieldisziplin legt und nur wenige Würfe nimmt.

Ihre Wirkung nicht verfehlt

Auch wenn Szilagyi im Vorfeld meinte, dass er sich aus einer statistischen Zahl wie der 200 nicht viel mache, und er nach außen hin gerne wie der ergebnisorientierte Vollprofi wirkt, hat ihn die Niederlage zum Jubiläum dann doch ein wenig gewurmt. „Ein Sieg heute wäre schon schön gewesen.“

Die Ehrung vor dem Spiel mitsamt den Standing Ovations haben Österreichs erfolgreichsten Handballer aller Zeiten keineswegs kalt gelassen. „Das hatte schon was Emotionales, wenngleich ich in einem anderen Rahmen noch mehr darauf eingehen hätte können, weil so unmittelbar vor dem Spiel bist du halt schon voll fokussiert.“

Auch die Worte Hausleitners hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. „Besonders vom Hausi, weil er derjenige ist, der am besten weiß, welch weiten Weg wir gemeinsam mit dem Nationalteam in den letzten 18 Jahren zurückgelegt haben. Dabei mussten wir auch einige Konflikte miteinander ausfechten. Und ich weiß, dass es mit mir nicht immer einfach war.“

Nun sei Szilagyi aber erst mal froh, dass der Rummel um sein 200er-Jubiläum wieder vorbei ist. Volle Konzentration auf die Revanche gegen Tschechien am kommenden Samstag (13:15 Uhr) in Trebon (CZE).

 

Aus Krems berichtet Reinhold Pühringer


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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