Europa könnte Historisches schaffen

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Alle zwei Jahre spielen 24 millionenschwere Golf-Topstars aus den USA und Europa nicht um Preisgeld, sondern um Ruhm und Ehre. Dann weiß man, es ist endlich wieder Ryder-Cup-Zeit.

Die 41. Auflage des prestigeträchtigen Kontinental-Vergleichskampfes findet diesmal im Hazeltine National Golf Club im US-Bundesstaat Minnesota statt.

Von Freitag bis Sonntag wird in 28 Partien entschieden, ob der europäische Erfolgslauf weitergeht oder die US-Amerikaner den Ryder Cup erstmals seit 2008 gewinnen können.

Auf dem US-Team, das von Kapitän Davis Love III angeführt wird, lastet ein enormer Druck. Nach der letzten Pleite 2014, als im schottischen Gleneagles die Europäer von Anfang an keinen Zweifel über den Sieger aufkommen ließen und souverän mit 16:5:11,5 triumphierten, wurde vom amerikanischen Golfverband eine eigene Taskforce installiert, um den Ryder Cup wieder in die USA zu holen.

Europa und McIlroy wollen Geschichte schreiben

Die Europäer können ihrerseits etwas Historisches schaffen. Noch nie gelang es der europäischen Mannschaft den Ryder Cup vier Mal in Folge zu gewinnen.

So weit will der europäische Captain Darren Clarke aber noch gar nicht denken: „Das ist irrelevant für diese Woche. Jeder Ryder Cup ist individuell für sich. Was immer diese Woche passieren wird, es wird ein weiteres Kapitel in der großartigen Geschichte des Ryder Cups werden.“

Auch Rory McIlroy (NIR) strebt einen Rekord an. Der 27-Jährige, der letzte Woche in einem dramatischen Finale auf der PGA-Tour den Gesamtsieg in der Jahreswertung und den damit verbundenen zehn Millionen Dollar schweren Bonus holte, könnte der jüngste Golfer werden, dem es gelingt vier Major-Turniere und vier Mal den Ryder Cup zu gewinnen.

Bei den meisten Experten sowie bei den Buchmachern gelten jedoch die Amerikaner als Favoriten. Martin Kaymer sagt dazu: „Auf dem Papier sind wir der Underdog, doch beim Ryder Cup kann alles passieren, ich bin mit unserer Ausgangslage zufrieden.“

Und der Deutsche weiß, wovon er spricht. 2012 lagen die Europäer nach zwei Tagen im Medinah Country Club nahe Chicago gegen die favorisierten Amerikaner beinahe aussichtslos mit 6:10 zurück, drehten aber am Schlusstag auf und feierten mit 14,5:13,5 einen historischen Comeback-Sieg, der als „Wunder von Medinah“ in die Geschichte einging. Damals lochte Kaymer den entscheidenden Putt.

Woods im Rampenlicht

Einem, der in diesen Tagen keinen entscheidenden Schlag machen wird, ist Aufmerksamkeit garantiert. US-Superstar Tiger Woods, der verletzungsbedingt über ein Jahr kein Turnier mehr bestritten hat, ist als Vize-Kapitän bei den Amerikanern an Bord.

Diese Entscheidung von Love III wird von europäischer Seite kritisch beäugt. Woods, der seines Zeichens eine durchwachsene Ryder-Cup-Bilanz aufweist, soll im Hintergrund als Taktiker und Berater fungieren.

„Ich kann mir vorstellen, dass es für die Amerikaner kontraproduktiv sein wird, Woods im Team eine Rolle zu geben“, sagt etwa Lee Westwood, der anfügt: „Er könnte sich auch in den Vordergrund stellen wollen, obwohl er nicht spielt und deshalb im Hintergrund bleiben müsste.“

Abgesehen von den verbalen Seitenhieben gegen ihn sorgte Woods, der seine Rückkehr auf die Profitour für Mitte Oktober plant, für Erheiterung, als er sich bei einem Gruppenfoto der zwölf amerikanischen Spieler zu dem Dutzend gesellte und vom Fotograf verscheucht wurde. „Ich habe vergessen, dass ich nicht spielen werde“, kommentierte Woods seinen Fauxpas.

Für den 40-Jährigen ist die Rückkehr auf den selektiven Kurs von Hazeltine eine schmerzvolle, wurde doch in der Finalrunde der PGA Championship 2009 vom Südkoreaner Y.E. Yang abgefangen. Für den Asiaten war es der erste und bislang einzige Major-Sieg, Woods hingegen wartet immer noch auf seinen 15. Triumph bei einem Major.

Halbes europäisches Team sind Neulinge

Auch ohne Woods besteht das US-Team aus vielen klingenden Namen. Neben den acht fix qualifizierten Jordan Spieth, Dustin Johnson (US-Open-Champ), Phil Mickelson, Patrick Reed, Jimmy Walker (PGA-Champ), Brooks Koepka, Brandt Snedeker und Zach Johnson erhielten JB Holmes, Rickie Fowler, Matt Kuchar und Ryan Moore die vier Wildcards.

Der US-Captain Davis Love III wurde für seine Wildcard-Auswahl kritisiert, weil er den zweifachen Masters-Champ und Nummer 7 der Weltrangliste Bubba Watson überging, und mit Fowler einen Spieler nominierte, der in seinen bisherigen acht Ryder-Cup-Partien noch keinen einzigen Sieg (3 Niederlagen, 5 Unentschieden) zu Buche stehen hat.

Während die USA mit Koepka und Moore lediglich zwei Rookies im Team haben, besteht die halbe europäische Mannschaft aus Rookies. Aus diesem Grund spricht auch die Statistik gegen Europa, denn noch nie konnte ein Team mit mehr als fünf Rookies auswärts gewinnen.

Neben Masters-Champ Danny Willett sind auch seine englischen Landsmänner Chris Wood, Andy Sullivan und Matthew Fitzpatrick, sowie Rafael Cabrera-Bello (ESP) und Thomas Pieters (BEL/Wildcard) zum ersten Mal beim Ryder Cup dabei. Weiters schlagen auf europäischer Seite die erfahrenen Rory McIlroy (NIR), Henrik Stenson (SWE/Open-Champ), Sergio Garcia (ESP), Justin Rose (ENG), Lee Westwood (ENG/Wildcard) und Martin Kaymer (GER/Wildcard) ab.

Zum Ryder-Cup-Modus: Am den ersten beiden Tagen werden acht Foursomes (beide Spieler jedes Teams schlagen abwechselnd den Ball, das bessere gemeinsame Ergebnis gewinnt das Loch) und acht Fourballs (beide Spieler jedes Teams spielen das Loch, das bessere Ergebnis zählt) gespielt, den Schlusstag bilden zwölf Einzelmatches. Das Team bzw. der Spieler mit der größeren Anzahl von Lochgewinnen bekommt einen Punkt, bei Unentschieden erhält jedes Team einen halben Punkt.

Abschied nehmen von einer Legende

Bei aller Rivalität, die in den kommenden Tagen zwischen den beiden Lagern herrschen und von den frenetischen Fans gelebt wird, wird es auch einen Moment geben, bei dem sie geeint auftreten werden, und zwar dann, wenn der kürzlich verstorbenen Golf-Legende Arnold Palmer gedacht wird.

Geplant sind neben einer Schweigeminute auch Salutschüsse sowie ein Videozusammenschnitt von der Karriere des siebenfachen Major-Champions.

Diese traurige Tatsache könnte ein zusätzlicher Motivationsschub für die Amerikaner sein. US-Captain Davis Love III meint dazu: „Wir haben jetzt einen 13. Mann im Team, schließlich war Arnold früher unser Captain. Er war und wird für immer unser King bleiben.“

Philipp Seelmann

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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