Ryder Cup 2022: Entscheidung steht kurz bevor

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Am kommenden Montag soll die Entscheidung über den Ausrichtungsort des Ryder Cup 2022 fallen.

Österreich sieht sich mit der Bewerbung von Wien und dem Golfclub Fontana in Oberwaltersdorf als Mitfavorit. "Wir sind überzeugt, dass wir das beste Package, das beste Angebot abgegeben haben. Ob es reicht, ist eine andere Sache", erklärt ÖGV-Generalsekretär Robert Fiegl.

Deutschland (Berlin), Italien (Rom) und Spanien (Barcelona) sind die übrigen Kandidaten.

Anfangs belächelt

Die rot-weiß-rote Bewerbung wurde anfangs etwas belächelt. Die akribisch vorangetriebenen Bemühungen erzeugten aber ein schlagkräftiges Angebot und sorgten für zunehmenden Respekt. Seit längerem sieht man sich beim Österreichischen Golfverband (ÖGV) auf Augenhöhe mit der hochkarätigen Konkurrenz.

Eine Vergabe an Österreich wäre dennoch eine Sensation. Denn der alle zwei Jahre stattfindende und weltweit von Millionen verfolgte Team-Event der besten Golfer Europas und der USA gilt als drittgrößtes Sportereignis nach Sommer-Olympia und Fußball-WM.

Damit würde Österreich in nicht ganz sieben Jahren alleine von der Öffentlichkeitswirksamkeit her das größte jemals hierzulande durchgeführte Sportereignis überhaupt erleben. 156 TV-Stationen übertrugen zuletzt den Ryder Cup. "Es ist vergleichbar mit der Super Bowl", ist ÖGV-Generalsekretär Robert Fiegl überzeugt,

Enges Rennen

Als Favorit galt dank Hauptsponsor BMW freilich lange Zeit Deutschland. Doch mitten in der Bewerbungsphase hat der Kanadier Keith Pelley als Nachfolger von George O'Grady die Geschäfte der "European Tour" übernommen und damit die Karten neu gemischt. Der neue CEO besuchte diesen Herbst alle Kandidaten nochmals. Die ohnehin schon mehrmals verschobene und zuletzt für 8. Dezember geplant gewesene Vergabe durch die Ryder Cup Euro wurde deshalb neuerlich vertagt.

Diesen Sonntag soll bei einer weiteren Vorstandssitzung in London nun endlich die Entscheidung fallen, am Montagvormittag der Gewinner verständigt werden. Beim Österreichischen Golfverband geht man zuversichtlich in das Wochenende. "Wir sind überzeugt, dass wir das beste Package, das beste Angebot abgegeben haben. Ob es reicht, ist eine andere Sache", gab sich Fiegl optimistisch.

Österreichs Bewerbung erfülle jedenfalls alle Kriterien perfekt, betonte Fiegl. Von Großstadt-Nähe über Infrastruktur, Regierungsunterstützung, einem perfekten Golfplatz bis hin zur Top-Vermarktung habe man alle Punkte erfüllt. "Es ist nichts offen geblieben. Es wäre daher keine Riesen-Überraschung, wenn wir es bekommen. Aber auch keine, wenn wir es nicht bekommen. Es ist ein enges Rennen und es zählt nur der Erste."

Finanzielle Sicherheit und politische Stabilität

Dass Mitbewerber dank finanzkräftiger Mäzene entscheidende Vorteile hätten, sollte laut Fiegl kein Argument sein. "Hätten wir je das Gefühl gehabt, dass sich einer der Bewerber den Event kauft, egal was es kostet, wären wir sofort aus der Bewerbung ausgestiegen", versicherte der Funktionär.

Vielmehr lege auch die Ryder Cup Euro mittlerweile großen Wert auf finanzielle Sicherheit und politische Stabilität. "Großmogule können wieder gehen, Banken verschwinden, das weiß die Tour", so Fiegl. Hierzulande gebe es vielmehr einen Ministerratsbeschluss. Dieser garantiert bei einem Zuschlag 48 Mio. Euro.

Denn bei diesem Mega-Sportevent geht es um Hunderte Millionen. Auch für die European Tour, die einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Ryder Cup bestreitet. Der ehemalige TV-Rechte-Händler Pelley ist gerade dabei, die zweitwichtigste Profigolf-Tour nach jener der US-PGA neu aufstellen. Da kommt der Ryder Cup 2022 gerade recht.

Der ÖGV sieht sich vor allem bei einem entscheidenden Vergabe-Kriterium der Konkurrenz überlegen. Die Einbindung von neun CEE-Partnerländern schaffe ein Potenzial von bis zu 150 neuen Golfplätzen, betonte Fiegl. Ein Argument, dem sich die Tour nur schwer entziehen könne. Als einzige Schwachstelle wurde mögliches Herbstlaub im Fontana ausgemacht, der Ryder Cup wird stets Ende September gespielt.

Millionenschweres Projekt

Die Bewerber für 2022 haben jedenfalls einiges zu stemmen. In Österreich wurde für die Bewerbung die RC Austria GmbH gegründet, zu der Golfverband, der Fontana GC und die Golf Open Event GmbH gehören. Das Budget für den jahrelangen Prozess würde sich auf 130 bis 160 Millionen Euro belaufen. 50.000 Zuschauer täglich vor Ort sowie Millionen-Einschaltziffern sorgen dann aber auch für weltweites Interesse und eine ansehnliche Kapitalrendite.

Alle Wertschöpfungseffekte zusammengefasst seien zwischen 2015 und 2027 in Österreich durch den Ryder Cup Fiskaleffekte von etwa 300 Mio. Euro zu erwarten, hieß es in einer Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI). Dabei wurden auch drei Mrd. Euro zusätzlicher Umsätze sowie mehr als 1,1 Mrd. Euro an Wertschöpfung als möglich ausgewiesen. Zudem würden in dieser Zeit mehr als 21.000 Arbeitsplätze entstehen und vor allem die Ostregion Österreichs enorm profitieren.

Doch die Konkurrenz ist wie erwähnt ansehnlich. Der Platz in Italien gehört der gut vernetzten Modedesignerin Laura Biagotti, das A-Rosa-Ressort in Bad Saarow mit seinem Nick-Faldo-Platz der österreichischen Industriellenfamilie Haselsteiner.

Offen ist, ob es eine weitere Österreich-Kandidatur gibt, wenn es mit 2022 nicht klappt. Die Tendenz ist zwar positiv, es ist aber offen, ob das Prozedere gleich bleibt. Außerdem würde die Bewerbungsphase um den Ryder Cup 2026 erst im Jahr 2019 beginnen.

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