"Etwas mehr Länge in den Schlägen wäre gut"

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Sie ist die beste Golfspielerin Österreichs.

Christine Wolf hat ihre zweite Saison auf der Ladies European Tour erfolgreich bestritten, im Geldranking beendet sie das Jahr mit knapp 45.000 Euro auf Platz 36.

Kurz nach ihrem Wechsel ins Profilager 2012 feierte die 26-Jährige auf der zweithöchsten europäischen Damen-Tour ihren ersten Turniersieg, und seit vergangenem Jahr hat sie sich in der höchsten Spielklasse etabliert. In der Weltrangliste liegt die Innsbruckerin auf Rang 272 und hat damit auch gute Chancen auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im nächsten Sommer.

Im großen LAOLA1-Interview spricht die Anhängerin der Innsbrucker Haie über ihre Zeit am College, ihre Ziele, und, ob die Ladies European Tour nach Österreich zurückkehren wird oder nicht.

LAOLA1: Wie bist du zum Golf gekommen?

Wolf: Ich habe mit zehn Jahren angefangen, meine Eltern haben damals schon gespielt und haben meine Schwester und mich mitgenommen. Ich habe auch andere Sportarten ausprobiert, bin aber beim Golf hängengeblieben.

LAOLA1: Wer waren bzw. sind deine Vorbilder?

Wolf: Als ich aufgewachsen bin auf jeden Fall Tiger Woods und Annika Sörenstam. Tiger war mega, er hat Schläge gemacht, die man von keinem anderen gesehen hat. Jetzt sind es auch Rory McIlroy und Jordan Spieth, aber immer noch Tiger, auch wenn er gerade Probleme hat. Was er persönlich macht, ist seine Sache, aber es wäre interessant, wenn er noch so spielen würde wie früher, ob sich die Spieler der jungen Generation mit ihm matchen könnten.

LAOLA1: Wann war es für dich klar, dass du eine Profi-Karriere einschlägst?

Wolf: Es war immer in meinem Hinterkopf.  Ich wollte zuerst aber mein College-Studium in den USA (Marketing und Management) abschließen. Mit der Sicherheit einer guten Ausbildung habe ich mir dann selbst ein paar Jahre gegeben, um mich auf meine Profi-Karriere zu fokussieren. Denn wenn ich nicht davon leben könnte, dann habe ich noch meine Ausbildung. Am Anfang braucht man Anlaufzeit, zwischen Amateur und Profi ist schon ein großer Unterschied.

LAOLA1: Also kannst du vom Golfen leben?

Wolf: Heuer ist es das erste Jahr. Es ist schwierig, aber zum Glück habe ich auch Sponsoren, die mich unterstützen.

LAOLA1: Rückblickend betrachtet würdest du sagen, dass der Weg über das College der richtige war?

"Ich bin definitiv mit meiner Saison zufrieden. Es war nicht immer ganz konstant über drei oder vier Runden, aber ich glaube das kommt noch."

Christine Wolf über ihre Saisonleistung

 Wolf: Ja, ich war mit 18 noch nicht bereit, um Profi zu werden. Golf ist ein Einzelsport, da braucht man manchmal auch seine Ellbogen. Das College hat mir sehr geholfen, obwohl man als Team spielt, aber ich hatte vier Jahre mehr, um mich zu entwickeln. Als ich aufs College gekommen bin, waren die besten Europäerinnen und Amerikanerinnen auch am College, immer gegen die Besten der Welt zu spielen war wichtig für meine Entwicklung.  Ich finde es auch gut, dass Matthias Schwab diesen Weg eingeschlagen hat und am College zuerst seine Ausbildung macht, bevor er Profi wird.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du mit deiner Saisonleistung?

Wolf: Ich bin definitiv mit meiner Saison zufrieden, ich habe einen Top-5-Platz und einige Top-20-Ergebnisse geschafft. Viele Plätze habe ich zum ersten Mal gespielt und auch etliche Runden unter Par gespielt, deshalb bin ich schon zufrieden. Es war nicht immer ganz konstant über drei oder vier Runden, aber ich glaube das kommt noch. Es war mein erstes volles Jahr auf der großen Tour. Ich bin 36. im Geldranking 2015 und habe auch meine Tourkarte für nächstes Jahr fix.

LAOLA1: Was fällt dein Resümee vom Saisonfinale in Dubai aus, bei dem du den Cut verpasst hast?

Wolf: Der Saison-Abschluss war nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich freue mich auf nächstes Jahr, wenn ich nach Dubai zurückkehren kann. Es ist ein super Platz und ich kann auf jeden Fall das positive Ende der zweiten Runde mit drei unter Par mitnehmen. Es war eines der stärksten Felder im ganzen Jahr, weil auch Spielerinnen von der amerikanischen Profitour LPGA mitspielten.

LAOLA1: Ist die amerikanische Profitour ein Ziel von dir?

Wolf: Ja, aber ich will zuerst in Europa konstant vorne mitspielen. Ich glaube, dass der Level in den USA noch besser ist. Ich werde die Qualifikation vielleicht im nächsten Jahr versuchen, aber da muss ich schauen wie die kommende Saison läuft.

LAOLA1: Auf der europäischen Damentour gibt es immer weniger Turniere, ist das ein Problem?

Wolf: Es ist schwierig für uns. Die Herren haben jede Woche ein Turnier und können es sich aussuchen, welche sie spielen und auslassen.  Wir haben heuer nur 18 Turniere und bei uns ist viel im asiatischen Raum, in Europa ist es schwierig das Geld für Turniere aufzutreiben. Es ist schade, dass die Turniere, wo ich mit dem Auto hinfahren könnte, alle aus dem Kalender geflogen sind.

LAOLA1: Dein Vater versucht, die Ladies European Tour wieder nach Österreich zu bringen. Wie ist da der aktuelle Stand?

Wolf: Der Sponsor ist leider wieder abgesprungen. Das war schon zu 99 Prozent sicher, wir hatten sogar schon einen Golfplatz, der das Turnier veranstaltet hätte, aber daraus wird nun leider doch nichts.

LAOLA1: Welche Ziele hast du dir für deine Profi-Karriere gesteckt?

Wolf: Auf jeden Fall stehen Teilnahmen bei Major-Turnieren und auch der Solheim Cup (Anm. Ryder Cup der Frauen) auf meiner Liste, aber ein großes Ziel von mir erreiche ich hoffentlich bereits im Sommer 2016, die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Auch in der Weltrangliste möchte ich weiter nach vorne kommen.

LAOLA1: Golf ist seit 112 Jahren wieder olympisch. Was musst du noch für eine erfolgreiche Qualifikation erreichen und wie groß ist schon die Vorfreude?

Wolf: Ein paar gute Ergebnisse werde ich noch brauchen, derzeit bin ich Nummer 46 im Ranking, die Top 60 sind bei Olympia dabei. Der Stichtag dafür ist am 11. Juli, aber wenn ich in der Weltrangliste bleibe, wo ich im Moment bin, dann kann ich meine Teilnahme früher fixieren. Olympische Spiele sind auf jeden Fall das Höchste für jeden Sportler, es geht darum, für dein Land zu spielen und vielleicht auch eine Medaille zu holen, aber es ist noch ein langer Weg.

LAOLA1: Du kommst auf der ganzen Welt herum, stört dich das Reisen oder machst du es gerne?

Wolf: Ich reise gerne und auch das Fliegen macht mir nichts aus. Ich sehe zwar nicht viel außer Golfplätze und Hotels, außer wenn ich wo länger bleibe, wie zum Beispiel in Australien, dann schaue ich mir schon etwas an. Meine Eltern unterstützen mich ein bisschen in der Organisation, aber viel organisiere ich selber.

LAOLA1: Hast du einen  etatmäßigen Caddie?

Wolf: Nein, wir müssen auch keine Caddies haben, nur bei wenigen Turnieren ist es vorgeschrieben. Es gibt professionelle Caddies, heuer habe ich zwei verschiedene je einmal getestet, das war eine gute Erfahrung. Mama oder Papa gehen auch selten als Caddie mit, aber meistens nimmt man sich eine Spielerin, die man kennt, die den Cut verpasst hat.

LAOLA1: Österreichs erfolgreichster Golfer Bernd Wiesberger lehnt einen Mentalcoach ab, ist ein Mentalcoach für dich ein Thema?

Wolf mit "Aushängeschild" Wiesberger

 Wolf: Ja, ich arbeite mit einem zusammen, wenn ich in Österreich bin. Es bringt mir definitiv etwas für mein Spiel. Man versetzt sich gedanklich in Situationen auf dem Golfplatz und dann geht man durch, was man besser machen kann.

LAOLA1: Was sagst du zur Leistung von Bernd Wiesberger?

Wolf: Er ist ein super Aushängeschild für den österreichischen Golfsport. Top 30 der Welt sagt eigentlich alles. Sein Sieg in Paris in diesem Jahr war echt cool.

LAOLA1: Verfolgst du andere Profi-Golf-Touren?

Wolf: Es kommt darauf an. Wenn wer spielt, den ich kenne, dann schaue ich schon zu, wenn ich Zeit habe. Die großen Turniere und auch den Ryder Cup verfolge ich natürlich auch.

LAOLA1: Was sind die Stärken und Schwächen in deinem Spiel?

Wolf: Ich treffe viele Fairways und Grüns, aber es wäre gut, wenn mehr Putts fallen würden, da habe ich Luft nach oben. Etwas mehr Länge in den Schlägen wäre schon auch gut. Zum Verbessern gibt es immer etwas.

LAOLA1: Wie sieht dein Training aus?

Wolf: Jeden zweiten Tag mache ich golfspezifisches Fitnesstraining.  Immer wenn ich zuhause bin, arbeite ich mit meinem Coach im technischen Bereich. Hin und wieder verwende ich auch Videoanalysen und arbeite mit anderen Geräten, aber ich bin eher ein Gefühlsmensch und schaue nicht so oft auf Zahlen.

LAOLA1: Welche Ausgleichssportarten betreibst du?

Wolf: Ich gehe sehr gerne Ski fahren und laufen. In die Berge gehe ich ebenfalls gerne.

LAOLA1: Wie verbringst du deine Zeit vor dem Start der neuen Saison?

Wolf: Die Weihnachts-Feiertage werde ich zuhause sein und Zeit mit meiner Familie verbringen. Diese Zeit werde ich genießen und zum Erholen verwenden. Die neue Saison auf der LET fängt erst wieder im Februar an, aber ich fliege bereits Anfang Jänner nach Australien, damit ich im Rhythmus bleibe. Ich bin ein Wettkampftyp, am liebsten spiele ich ein Turnier nach dem anderen, das taugt mir.

 

Das Gespräch führte Philipp Seelmann

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