Vikings-Probleme wegen Playoff-"Ehrenrunde"

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Die Vienna Vikings müssen für ihr AFL-Wild-Card-Heimspiel gegen die Danube Dragons (10.7., 15:00 Uhr) ins eigene Footballzentrum Ravelin ausweichen. Der FAC-Platz steht wegen einer Rasen-Sanierung nicht zur Verfügung.

Es handelt sich um ein selbst produziertes Problem, denn dieses Hindernis war vor der Saison bekannt.

„So großkotzig, wie wir sind, haben wir im Vorfeld gesagt: Das macht nichts, am Viertelfinal-Termin spielen wir nicht“, gibt Vikings-Präsident Karl Wurm gegenüber LAOLA1 zu.

Und so entstand kurzfristig eine Situation, die eklatant an die Schwierigkeiten nach Ende der letzten Saison erinnert, als die „Wikinger“ den Mietvertrag mit der Vienna auf der Hohen Warte nicht verlängern durften und ohne Heimstätte dastanden.

Aktueller Auslöser des Umzugs ist aber nicht der Widerstand des Floridsdorfer AC, sondern eine ungeplante „Ehrenrunde“ in den Playoffs.

Nach der Ligen-Erweiterung der AFL auf acht Vereine rutschen nicht mehr vier Teams, sondern sechs in die Post Season. Als eine der beiden dauerhaften Größen des Footballs in Österreich – neben den Swarco Raiders Tirol – scheint man gar zu sehr mit der Freude eines spielfreien Playoff-Auftakts gerechnet zu haben.

„Unser Fokus war auf den 17.7. gelegt. Da wäre der Rasen saniert gewesen und wir hätten – von Seiten des FAC schweren Herzens, aber doch – am nagelneuen Grün spielen können“, macht Wurm diesbezüglich keinen Hehl.

Fußmarsch für die Unparteiischen

So wirklich zufrieden war man mit der Situation in Floridsdorf allerdings selbst nicht.

Im Betrieb zeigte sich, dass nicht alle Anforderungen erfüllt werden konnten: „Wir haben bei einem naheliegenden Fitness-Center Garderoben anmieten und den Referees sagen müssen: ‚Ihr geht jetzt erst einmal 250 Meter zu Fuß‘. Und die anderen Kabinen sind nicht für Football konzipiert. Wir sind nun einmal 60 Leute. Unsere Burschen haben sich im Freien umgezogen“, zeichnet der Vorstand ein ungünstiges Bild.


Highlights aus der BIG6:


Auch die Fans dürften mit den Gegebenheiten, insbesondere der Sicht, nicht zufrieden gewesen sein. Die Zuschauer-Zahlen gingen zurück.

„Es ist ein guter, bodenständiger Fußball-, aber kein Football-Platz. Es hängt alles mit der Situation in Wien zusammen, da kann der FAC nichts dafür“, resümiert Wurm.

Die Möglichkeiten gehen aus

Die Lage in der Bundeshauptstadt war schon bei der letzten Herbergssuche ein Kritikpunkt des Vikings-Präsidenten, so etwa im damaligen LAOLA1-Interview.

„Das Happel-Stadion kommt nicht in Frage, Rapid ist auf einem anderen ‚Trip‘ und will das nicht, die Austria baut, die Hohe Warte ist uns verschlossen und der Sportclub-Platz ist keine Option mehr. Ich kann nicht gegen den Wind pinkeln“, fasst er die Alternativlosigkeit schnell zusammen.

Eine langfristige Rückkehr auf den FAC-Platz – das Wild-Card-Duell mit den Dragons ist in jedem Fall die letzte Heimpartie der Saison – will Wurm nicht ausschließen: „Wenn uns die Gemeinde Wien dort eine steil aufragende 2000-Leute-Tribüne hinstellt, sieht die Sache schon ganz anders aus. Aber es kann gut sein, dass wir in Richtung Ravelin denken, obwohl wir weniger Leute unterbringen.“

Eine interessante Variante könnte sich nach dem Ausbau der Generali Arena ergeben. Gemeinsam mit der Wiener Austria betreibt man das Ballsportgymnasium im dritten Bezirk, wodurch Kontakt zu Markus Kraetschmer besteht.

„Er ist ein lieber Freund, hat gleich zu mir gesagt: ‚Spiel bei uns!‘. Aber es wird schon umgebaut, da geht nichts mehr. Wir sind permanent in Kontakt“, will Wurm diesbezüglich keine zu konkreten Ansagen machen.

Die Drohung einer Abwanderung aus Wien, wie sie 2015 zwischenzeitlich kursierte, hat gegenwärtig keine konkrete Gültigkeit.

„Das war unter dem Eindruck der ganzen damaligen Vienna-Blödheiten. Tatsache war: St. Pölten hat uns angerufen und sofort das Angebot gemacht. Sollte der Vorstand im Herbst doch zu diesem Entschluss kommen, werden wir unsere Gründe haben. Aber Hilfe von der Gemeinde Wien erwarte ich mir nur bedingt, weil sie uns in Wahrheit nicht helfen kann.“

Gruppenexkursion nach China

Des Ärgers nicht genug, fehlen durch den unerwarteten Spieltermin auch neun Stammkräfte sowie Head Coach Chris Calaycay – allesamt bei der U19-Weltmeisterschaft in China engagiert.

Auch davon wusste der Verein rund um Wurm vor der Saison: „Der AFBÖ hat uns gefragt: Liebe Vikings, ihr wisst schon, dass die WM zu diesem Zeitpunkt stattfindet? Das Rückgrat des Teams wird nämlich von uns gestellt. Auch hier haben wir gesagt: Das ist uns wurscht, wir spielen da nicht.“

Im Endeffekt waren es sportliche Nuancen, die den Wienern die gefährliche Planung ruinierten. Mit einem Heimsieg über die Graz Giants hätte man deren Halbfinal-Platz eingenommen, doch das Spiel ging 13:14 zugunsten der Steirer aus, auch aufgrund eines aberkannten Touchdowns.

"Hilfe von der Gemeinde Wien erwarte ich mir nur bedingt, weil sie uns in Wahrheit nicht helfen kann."

Karl Wurm

„Die Giants haben eine tolle Saison gespielt, aber wenn sie verlieren, stellt sich das Problem nicht. Prinzipiell haben wir also richtig gedacht, aber es ist jede Scheiße, die möglich war, auf uns hereingeprasselt“, fasst Wurm die Gegebenheiten zusammen.

Kampfansage an die Spielverderber

Trotz aller Schwierigkeiten scheint die Zuversicht im sportlichen Bereich ungebrochen.

„Der Fokus liegt darauf, die Dragons mit dem Haufen zu schlagen, den wir jetzt noch haben. Dann können sich die Giants warm anziehen“, gibt der Präsident eine Kampfansage aus.

Im Falle eines Weiterkommens müsste man nämlich auswärts bei den Steirern antreten.

„Wir werden mit einer guten Mannschaft nach Graz fahren und uns den Giants dort stellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir das gewinnen werden.“

Dass man bei derartigen Planungen die Zwischenschritte nicht außer Acht lassen darf, hat man aber nun gelernt.

 

Johannes Bauer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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