Neue World-Tour-Regelung "zerstört den Sport"

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Was haltet ihr von der neuen Turnier-Einstufung auf der Beachvolleyball-World-Tour?

Diese Frage ruft bei den heimischen Beach-Assen größtenteils Kopfschütteln hervor. Seit Beginn der Saison 2017 gibt es eine neue Einteilung der Turniere in Sterne-Kategorien. Eine Änderung, die für viel Kritik sorgt.

"Damit tut man unserem Sport nichts Gutes", meint Clemens Doppler gegenüber LAOLA1. Stefanie Schwaiger drückt es drastischer aus: "Dadurch zerstört man den Sport."

Die bisherigen Turnier-Kategorien Major, Grand Slams (gleichgestellt) und Open wurden vom Weltverband FIVB in Sterne-Kategorien von 5 (Top-Kategorie) bis 1 Stern umgewandelt.  

4- und 5-Stern-Turniere sind Major-Series-Events und Grand-Slams. Aber auch niedrig dotierte 1-Stern-Turniere werden 2017 offiziell als World-Tour-Turnier geführt.

Die 1- bis 3-Stern-Turniere sollen dazu beitragen, den Sport in mehr Ländern populär zu machen. Mit wesentlich geringeren Auflagen für niedriger bewertete Events sollen neue Veranstalter gewonnen werden. "Mit dem neuen Sterne-System wollen wir die Gesamtanzahl an Turnieren zukünftig drastisch erhöhen und gleichzeitig viel Flexibilität bieten", sagt FIVB-Pressesprecher Richard Baker.

Kategorie Preisgeld Punkte Modus
5 Sterne 600.000 Dollar 600 32 Teams im Hauptfeld spielen erst eine Gruppenphase und danach weiter im Single-Elimination (K.o.-System). Zuvor spielen 24 Teams in der Qualifikation um die letzten Plätze im Hauptfeld.
4 Sterne 300.000 Dollar 400 32 Teams im Starterfeld spielen ohne Gruppenphase direkt im einfachen K.o.-Modus, in der Qualifikation zuvor spielen 16 Teams um die letzten Hauptfeld-Plätze
3 Sterne 150.000 Dollar 300 32 Teams im Starterfeld spielen ohne Gruppenphase direkt im einfachen K.o.-Modus, in der Qualifikation zuvor spielen 16 Teams um die letzten Hauptfeld-Plätze
2 Sterne 100.000 Dollar 200 Es gibt keine Qualifikation und die Top-10 der Weltrangliste dürfen nicht mitspielen (ausgenommen Ausrichternation).
1 Sterne 20.000 Dollar 100 Es gibt keine Qualifikation und die Top-10 der Weltrangliste dürfen nicht mitspielen (ausgenommen Ausrichternation).

Anmerkung: Die Preisgelder sind jeweils für Doppel-Events (Frauen und Männer) angegeben. Bei Einzel-Events spielen die Teams um die Hälfte des Geldes. Die Anzahl der Punkte gelten jeweils für die Einzelspieler, sie fließen in die Weltrangliste mit ein.


Die Kategorie-Einteilung hat auch Auswirkungen auf den Spielmodus: Das Format mit Gruppenspielen kommt nur noch bei 5-Sterne-Turnieren zum Einsatz, alle anderen Kategorien werden im Single-Out-Modus (K.o.-Modus) gespielt.

Die Konsequenz: Weniger Spiele pro Turnier. "Dadurch könnte das Niveau des Sports sinken. Je mehr Spiele du machst, umso höher ist das Niveau, man steigert sich mit jeder Partie", gibt Schwaiger zu denken. "Man fährt zu einem Turnier und hat womöglich nur mehr ein Spiel. Das finde ich sehr schade." Auch den Zuschauern würde somit weniger geboten.

Doppler: "Weit und breite keine Weltelite"

Vor allem die 1- und 2-Stern-Turniere werden von den Athleten als problematisch angesehen.

"Wenn man so ein Turnier gewinnt, kann man sagen, man hat ein World-Tour-Turnier gewonnen. Dort sind dann aber nur 16 Teams dabei und weit und breit keine Welt-Elite", kritisiert Doppler. Eine Teilung der World Tour in zwei "Klassen" könnte die Folge sein. 

"Durch den Single-Out-Modus bist du schon in den Top Ten, wenn du nur ein Spiel gewinnst. Das verringert die Wertigkeit und die Leistungen, die wir bisher gebracht haben, ziemlich", sagt Schwaiger.

"Ein 1-Stern-Stern-Turnier zur World Tour zu zählen, finde ich too much", meint Robin Seidl.

Preisgeld? "Man zahlt drauf"

Auch das geringe Preisgeld bei 1- oder 2-Stern-Turnieren stellt ein Problem dar – vor allem für weniger erfolgreiche Teams.

"Ich würde nie auf ein 1-Stern-Turnier fahren – das kann sich nicht rechnen", stellt Schwaiger klar und untermauert ihre Aussage mit einem Beispiel. "In der Vergangenheit hat es sich oft nicht einmal gerechnet, zu einem Open nach China zu fahren. Wenn du nicht unter die ersten fünf gekommen bist, hat sich die Reise nicht rentiert. Ein Open ist jetzt mit einem 3- oder 4-Stern-Turnier gleichzusetzen."

Doppler stimmt zu: "Bei 1-Stern-Turnieren zahlt man drauf, wenn man hinfliegt, weil einfach so gut wie kein Preisgeld ausbezahlt wird."

Sein Partner Alex Horst ergänzt: "Bisher war es bei den kleineren Turnieren schon von den Punkten her bedenktlich. Jetzt mit so wenig Preisgeld, dass es kaum erwähnenswert ist, ist es für einen Profi schwierig. Auch für die gesamte Sportart, die ja im Wachsen ist."

Die neue Struktur gilt für den nächsten Olympia-Zeitraum bis 2020. Wie Horst hoffen auch Doppler und Schwaiger aber auf eine baldige Änderung.

Seidl: "Es geht in die richtige Richtung"

"Es wäre schön, wenn es sich ab dem nächsten Jahr wieder ändert und wir einfach zum alten System zurückkehren", wünscht sich Schwaiger. "Das alte System hat ganz gut funktioniert", plädiert auch Horst dafür.

Seidl hingegen findet jedoch auch positive Aspekte an der Regelung. "Die neue Einteilung ist leicht verständlich. Wenn man das Niveau bei den 1- und 2-Stern-Turnieren noch nach oben schraubt, dann ist es eine echt coole Serie."

Der Kärntner findet: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, der in den nächsten Jahren noch überarbeitet und verbessert werden muss."

Bis dahin werden Österreichs Beach-Asse hauptsächlich Turniere mit 3 bis 5 Sternen bestreiten. Doppler/Horst nehmen nur die 4- und 5-Stern-Turniere in Angriff, von denen es vor den Heim-WM in Wien Ende Juli nur noch fünf gibt.

Die übrigen rot-weiß-roten Team bestreiten auch 3-Stern-Events, ab Mitte April wird in China (Xiamen und Fuzhou) gespielt, bevor Mitte Mai das erste 4-Stern-Event in Prag stattfindet. "Wir brauchen die 3-Stern-Punkte für die Weltrangliste", bleibt Schwaiger/Schützenhöfer nichts anderes übrig. 

Datum

Turnier Kategorie
7.-12.2. Fort Lauderdale Major (USA) 5 Sterne
15.-18.2. Kish Island (IRI) (nur Herren) 3 Sterne
17.-19.3. Sydney (AUS) (nur Damen) 2 Sterne
23.-26.3. Maceio (BRA) 3 Sterne
15.-16.4. Selangor (MAL) 1 Stern
20.-23.4. Xiamen (CHN) 3 Sterne
27.-30.4. Fuzhou (CHN) 3 Sterne
11.-14.5. Prag (CZE) 4 Sterne
24.-28.5. Luzern (SUI) 4 Sterne
31.5.-4.6. Moskau (RUS) 3 oder 4 Sterne
13.-18.6. Nanjing (CHN) (U21-WM)
7.-11.6. Rom (noch nicht bestätigt) 5 Sterne
20.-25.6. Stavanger (NOR) 3 Sterne
27.6.-2.7. Porec Major (CRO) 5 Sterne
4.7.-9.7. Gstaad Major (SUI) 5 Sterne
14.-16.7. Daegu (KOR) 1 Stern
19.-23.7. Polen 4 Sterne
21.-23.7. Ulsan (KOR) 1 Stern
27.-30.7. Espinho (POR) (nur Herren) 2 Sterne
28.7.-6.8. WM in Wien
8.8.-13.8. Hamburg Major (GER) 5 Sterne
22.-27.8. World Tour Finale - Ort offen
20.-24.9. Agadir Beach (MAR) (Vorverlegung möglich) 1 Stern
Termin offen Den Haag (NED) 3 Sterne
Termin offen Long Beach (USA) 5 Sterne

Außergewöhnliche Bilder stimmen auf die Beachvolleyball-WM 2017 in Wien ein. Clemens Doppler und Alex Horst in der Spanischen Hofreitschule in Wien.

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FIVB-Präsident schwärmt vor Beachvolleyball-WM über Wien

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