Deswegen sind die Warriors derzeit unschlagbar

Aufmacherbild
 

Die USA sind ein Land der Superlative. Höher, weiter, schneller – das reicht nicht. Es geht um mehr: am höchsten, am weitesten, am schnellsten. Wenn ein NBA-Team nun in die ewige Diskussion um das größte Team aller Zeiten aufgenommen werden will, muss es dementsprechend hoch ansetzen. Und am besten Rekorde aufstellen.

Das haben die Golden State Warriors in der Nacht auf Mittwoch getan. Als erstes Team der Liga-Geschichte gewannen die "Dubs" ihre ersten 16 Saisonspiele. Schon 15 Siege in Folge zum Auftakt waren zuvor nur den Washington Capitols 1948 und den Houston Rockets 1993 gelungen.

Noch denkwürdiger als das der Rekord ist aber die Manier, in der die amtierenden Champions ihre Gegner demontieren. Nacht für Nacht produzieren sie offensive Meisterwerke, im Finish machen sie scheinbar jeden beliebigen Rückstand wett.

Aber was macht das Phänomen Warriors aus? LAOLA1 beleuchtet die größten Waffen des Teams aus Oakland.

Steph Curry - der MVP:

Curry ist der unumstrittene Shooting-King

Jede Beschreibung der Warriors muss mit dem amtierenden MVP anfangen. Es war kaum vorstellbar, dass sich der 27-Jährige über den Sommer noch so verbessern könnte.

Unter anderem mit neurologischem Training machte der gläubige Christ weitere Schritte nach vorne. Currys Einmaligkeit ist Basketball in seiner Rohversion: Er ist verdammt gut darin, den Ball in den Korb zu werfen.

Besonders gut ist er darin, den Ball in den Korb zu werfen, ohne dass ein Mitspieler diesen Wurf für ihn kreiert hat.

Während in der aktuellen Saison rund 84 Prozent der Dreipunkter nach einem Assist getroffen wurden, liegt der Prozentsatz bei Curry um mehr als 20 Prozent tiefer.

In der vergangenen Saison traf der Guard mehr nicht assistierte Dreier als zwei Drittel der TEAMS der Liga! Schlüssel laut Grantland dazu ist, dass es Curry in rund 0,4 Sekunden schafft, aus dem Dribbling einen Wurf loszuwerden. Der derzeit beste Spieler der Welt trifft eng verteidigte Dreipunkter mit dem selben Prozentsatz (44%) wie der Rester der NBA-Shooter offene.

Ebenso beeindruckend ist seine Entwicklung bei den Abschlüssen in Ringnähe: Wie "fivethirtyeight.com" beschreibt, war Curry vor drei Saisonen noch einer der absolut schlechtesten Finisher am Korb. Heuer sind nur die Alley-oop-Flieger wie Hassan Whiteside oder DeAndre Jordan besser.

Man kann den 27-Jährigen sogar ins Rennen um den Most Improved Player schicken - er scort heuer bislang um 8,3 Punkte mehr (32,1) als in seiner MVP-Saison, und das bei einer um 2,5 Prozent besseren Trefferquote (51,2) als im Vorjahr - unglaublich!

Das Coaching-Team:

Luke Walton (r.): Historischer Interims-Trainer

Der Head Coach gilt gemeinhin als wichtiges Element eines Basketball-Teams, man würde meinen, dass seine Abwesenheit ein Problem verursachen würde.

Nun stand Steve Kerr bis dato bei keinem Spiel an der Seitenlinie, da er sich von Rückenoperationen erholt. Zur Erinnerung nochmal die Warriors-Bilanz: 16 Siege, null Niederlagen.

Das mag auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, ist aber simpel erklärt: Kerr verfügt über ein hervorragendes Team an Assistant Coaches, sein Vertreter Luke Walton macht seinen Job offenbar tadellos. Schon in der Vorsaison war der Faktor Assistenztrainer beim Titel-Run entscheidend, dem Rookie-Coach Kerr wurde bewusst ein höchst kompetentes Team zur Seite gestellt - mit dementsprechenden Gehältern.

Bis auf den nunmehrigen Pelicans-Head-Coach Alvin Gentry hielt das Front Office das Team zusammen, das macht sich auch heuer bezahlt. Kerr ist während seiner medizinischen Auszeit abseits der Spiele aber sehr präsent, Medien treffen ihn regelmäßig beim Training an.

Draymond Green - der andere MVP:

Nicht nur defensiv vielseitig: Draymond Green

Ein Forward, der im Schnitt für 12,7 Punkte und 7,8 Rebounds sorgt, wird aufgrund seiner Stats niemanden vom Hocker hauen.

Zusätzlich 6,6 Assists, 1,3 Blocks, 1,2 Steals und eine Dreier-Quote von 43,5 Prozent sagen schon etwas mehr über die Vielseitigkeit des 2,01 Meter großen Draymond Green aus.

Hauptpluspunkt des 25-Jährigen ist jedoch seine phänomenale defensive Versatilität. Es gibt wahrscheinlich keinen Spieler weltweit, der von den Positionen 1 bis 5 so gut verteidigen. Einzig ein LeBron James fällt diesbezüglich in eine ähnliche Kategorie.

An mancher Stelle sogar noch als Small Forward gelistet, läuft Green als Power Forward und sehr oft auch als Center auf. Für viele Gegner schlicht nicht zu verteidigen.

Kadertiefe und Zusammenhalt:

Teamgeist ist bei den Warriors keine Floskel

"Wir sind wie Brüder", meint Marreese Speights, der im Vorjahr, beginnend mit einer winzigen Rolle, des Öfteren ein wichtiger Scorer von der Bank war.

"Wir feuern jeden an, der das Parkett betritt - sei es für 30 oder für zwei Minuten. Jeder bekommt gleich viel Liebe. Darum schreiben wir gerade Geschichte."

Diese Worte drücken sehr gut aus, dass man einen Teamerfolg selten mit der Summe der Einzelteile beschreiben kann - selbst in der als Ego-Liga verschrieenen NBA nicht.

Schon in der Meistersaison, als der ehemalige All-Star David Lee sich mit einer Mini-Rolle zufrieden gab oder sich Routinier Andre Iguodala zu Diensten des Teams in einen Bankspieler verwandeln ließ, war der Zusammenhalt grandios.

Die Spielfreude ist den Warriors anzumerken. Das hat viel mit dem Zugang von Coach Steve Kerr zu tun, der den griesgrämigen Mark Jackson ersetzte.

Ein Zugang, der sicherlich nicht für jedes Team gleich gut passt. Mit ehrgeizigen Perfektionisten wie Andre Iguodala als Anführer aber offensichtlich hervorragend geeignet.

Die Lineup, die die Liga zerstört:

Iguodala und Co. spielen perfekten Small Ball

Nun nehme man ausgewählte Zutaten und vermische sie, heraus kommt das derzeit größte Problem konkurrierender Coaches.

Schon länger ist der Fokus von dem reinen Prestige-Faktor Starting Lineup auf das Fünfer-Team gerückt, das wirklich zählt. Das Quintett, das enge Spiele beendet.

Im Fall der Warriors sind das meist Stephen Curry, Klay Thompson, Andre Iguodala, Harrison Barnes und Draymond Green. Interimscoach Walton nennt diese Auftstellung liebevoll "The Knockout Punch".

In 56 gemeinsamen Minuten in den ersten 15 Spielen erzielte die "Death Lineup" unfassbare 200 Punkte und ließ nur 119 zu. Heruntergebrochen auf 48 Minuten würde dies das absurde Ergebnis von 171,4 zu 102 ergeben.

Was jetzt noch ein Gimmick für vergleichsweise unwichtige Regular-Season-Spiele ist, könnte der große Joker der Warriors sein. Perfektionierter Small Ball, ermöglicht durch Greens defensive Vielfältigkeit - es erinnert massiv an die Fünf, mit der die Miami Heat im Frühling 2014 den Titel holten.

Damals fanden die Gegner kein Rezept gegen Mario Chalmers, Dwyane Wade, Ray Allen, LeBron James und Chris Bosh - in 41 Minuten machten sie um 32 Punkte mehr als die Gegner.

Eine Dynastie?

Einer der jungen Routiniers: Andrew Bogut

Es ist verständlich, dass die plötzliche Dominanz der Warriors Fragen aufwirft. Vergleiche mit legendären Teams wie den Chicago Bulls, die 72 Regular-Season-Spiele gewinnen konnten, drängen sich auf.

Die Altersstruktur lässt jedenfalls auf viele erfolgreiche Jahre hoffen: Curry (27), Thompson (25), Barnes (23) und Green (25) werden noch viele Anläufe auf Meisterschaften nehmen können.

Doch auch die Routiniers wie Andrew Bogut (30), Iguodala (31) oder Shaun Livingston (30) sind weit von ihrem Karriereende entfernt.

Die Ingredienzien wie Talent, Teamgeist, moderner Spielstil, Disziplin und Emotion sind vorhanden und werden voraussichtlich noch länger vorhanden sein.

Eine wichtige Frage in Hinblick auf eine mögliche langfristige Dominanz ist, ob andere Teams mit viel Talent - wie die Cavaliers mit LeBron James - dauerhafte Lösungen gegen die Spielart der Warriors finden werden.


Martin Schauhuber / Hubert Schmidt

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare