Die Brennpunkte vor den NBA Finals

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In der Nacht auf Freitag (3 Uhr MESZ) beginnen die NBA Finals 2016. Für viele ist es das Traumfinale, die Top-Teams der beiden Conferences treffen aufeinander.

Wie schon im Vorjahr heißt die Paarung Golden State Warriors gegen Cleveland Cavaliers. Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green gegen LeBron James, Kyrie Irving und Kevin Love - ein Spektakel voller Superstars.

Die Revanche ist nur ein Aspekt, der besondere Brisanz in die "best of seven"-Serie bringt. LAOLA1 präsentiert die Brennpunkte vor dem Höhepunkt der NBA-Saison:

* DAS GROSSE WURFDUELL

In den letzten 15 Jahren konnte sich in den Finals 14-mal das Team durchsetzen, das hochprozentiger aus der Distanz traf. Die einzige Ausnahme war die Finalserie 2010, in der die Los Angeles Lakers als schlechter von außen treffende Mannschaft gegen die Boston Celtics siegreich blieben.

Diese Tatsache ist in Hinblick auf die heurige Serie umso interessanter, da noch kein Team in den ersten drei Runden der Playoffs so viele Dreipunkter pro Spiel versenkt hat wie die beiden aktuellen Finalisten.



Absoluter Spitzenreiter der Rangliste sind die Cavaliers, die in den ersten drei Runden stolze 14,4 Dreier pro Partie netzten und das bei einer überragenden Quote von 43,3 Prozent.

Die Warriors kamen auf 12,5 Treffer und 40,2 Prozent und übertrafen damit immer noch deutlich ihre Bestmarke aus dem Vorjahr (11,5 und 38 Prozent).

Curry und Thompson sind von außen kaum zu bremsen, doch Cleveland ist eben mindestens genauso gefährlich. Neben J.R. Smith und Kyrie Irving machen es vor allem die Big Men Channing Frye und Kevin Love der Defense verdammt schwer.


* DIE REVANCHE

Obwohl die Warriors die beste Regular Season aller Zeiten aufs Parkett zauberten (73:9), gelten sie als weniger klare Favoriten als im Vorjahr. Das hat jedoch nichts mit den Kaliforniern selbst zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, dass Cleveland heuer komplett antreten kann.

2015 führte LeBron James seine Truppe aufgrund der Ausfälle von Kevin Love und Kyrie Irving mit einer extremen Verlangsamung des Spiels sogar zu einer 2:1-Führung, ehe Golden State mit einer kleinen Aufstellung konterte und doch noch souverän mit 4:2 gewann.

Heuer haben die Cavs eine tiefe Rotation, die sich in den Playoffs richtig heiß geworfen hat. Nach Sweeps gegen Detroit und Hawks hieß es gegen Toronto nach vier Spielen zwar 2:2, aber danach ließen James und Co. den Raptors keine Chance.

Die jüngere Geschichte zeigt, dass sich NBA-Champions im darauffolgenden Jahr besonders schwer tun, wenn sie es im Finale mit demselben Gegner zu tun bekommen. In sechs der letzten sieben Fälle konnte sich der Vorjahresfinalist nämlich revanchieren und den Titel holen. Seit 1970 gelang es nur den Chicago Bulls (1997 und 1998 gegen die Utah Jazz) zwei Jahre in Folge im Finale denselben Gegner zu bezwingen.

 

* ÄNDERUNGEN BEI DEN CAVS

Wichtiges Duell: James gegen Iguodala
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Die beiden bisherigen direkten Duelle in dieser Saison an sich bergen kaum Vorhersage-Potenzial. Die Warriors konnten am 25. Dezember zu Hause mit 89:83 gewinnen und am 18. Jänner auswärts mit 132:98. Cleveland war zu diesem Zeitpunkt trotz einer ansehnlichen Bilanz keineswegs gefestigt, Kevin Love und Kyrie Irving waren in diesen Spielen abgemeldet.

Interessanter ist da schon, was seither aufseiten der Cavaliers passiert ist: Vier Tage nach dem Debakel trennten sich diese in einer historisch beispiellosen Aktion von Head Coach David Blatt, der das Team in seiner Rookie-Saison in die Finals und in der zweiten zur Führung in der Eastern Conference geführt hatte.

Blatt hat trotz seiner Erfolgsbilanz in der NBA offenbar keinen guten Stand. Obwohl er in den vergangenen Wochen für freie Posten in Erwägung gezogen wurde, hatte er stets das Nachsehen. Somit musste sich der ehemalige Erfolgs-Coach von Maccabi Tel Aviv und Russlands Nationalteam mit einer Rückkehr nach Europa abfinden, er unterschrieb vor kurzem für den finanzstarken Euroleague-Klub Darüssafaka Dogus Istanbul.

Obwohl Assistant Coach Tyronn Lue von der Entlassung seines Cheftrainers wenig angetan war, dürfte der Trainerwechsel dennoch einen schlussendlich positiven Einfluss auf das Team ausgeübt haben. Zumindest in den Playoffs konnte Cleveland mehr als überzeugen. Die echte Feuerprobe folgt in den Finals.

Änderungen gab es seit Jänner auch auf dem Spielersektor: Starting Center Timofey Mozgov, in den letztjährigen Finals noch ein wichtiger Faktor, wurde zunächst zum Bankspieler degradiert und kam zuletzt überhaupt kaum noch zum Einsatz. Mit Channing Frye wurde ein Big Man verpflichtet, der hochprozentig von außen trifft. Die Cavs sind nach diesen Adaptionen ein anderes Team.


* WARRIORS: LEGENDEN ODER GROSSES SCHEITERN?

Der historische Rekord von 73 Siegen macht die Warriors zwar für womöglich ewig zu Legenden, birgt aber auch eine große "Gefahr": Holen sie nicht den Titel, wird die Saison mit einem Makel behaftet bleiben und eher das Scheitern danach als die Leistung zuvor in Erinnerung bleiben.

Als Golden State in den Western Conference Finals gegen die Oklahoma City Thunder 1:3 zurücklag, wurden - nicht zu Unrecht - Stimmen laut, die meinten, die Warriors hätten auf ihrer Rekordjagd zu viel physische und mentale Energie gelassen. Man hätte die Leistungsträger ja in den letzten Partien der Regular Season schonen können.

Doch ist es nicht diese Unbekümmertheit, die diese Warriors ausmacht? Anstatt an mögliche negative Auswirkungen zu denken, lebten sie in der regulären Saison im Jetzt und wollten Geschichte schreiben. Man glaubt den Mannen von Steve Kerr aufs Wort, wenn sie sagen, sie hätten trotz des 1:3 bzw. zweistelligen Rückständen in den Spielen sechs und sieben nie daran gezweifelt, die Serie noch drehen zu können. Sie spielen um zu gewinnen und nicht um nicht zu verlieren.

Auch Verletzungsprobleme von Curry in den Playoffs haben sie überstanden, ganz zu schweigen vom wochenlangen Ausfall des Head Coaches zu Saisonbeginn. Beim Stand von 1:3 gegen OKC sahen die Warriors sehr verwundbar aus, eine Woche später wirken sie gestärkt und über alle Widrigkeiten erhaben.

Die Warriors gewannen im Grunddurchgang um 16 Spiele mehr als Cleveland. Noch nie konnte ein Team in den Finals ein anderes, das in der Regular Season um mehr als zwölf Spiele mehr gewonnen hatte, besiegen.

Spiel Heim Auswärts Termin
1 Warriors Cavaliers 2./3. Juni, 3 Uhr
2 Warriors Cavaliers 5./6. Juni, 2 Uhr
3 Cavaliers Warriors 8./9. Juni, 3 Uhr
4 Cavaliers Warriors 10./11. Juni, 3 Uhr
*5 Warriors Cavaliers 13./14. Juni, 3 Uhr
*6 Cavaliers Warriors 16./17. Juni, 3 Uhr
*7 Warriors Cavaliers 19./20. Juni, 2 Uhr

* CLEVELANDS DURSTSTRECKE

Die Story ist mittlerweile richtig alt, doch in diesen Wochen aktueller denn je: Keine Stadt fiebert schon so lange mit seinen Teams in den vier Major-Leagues (NBA, NFL, NHL, MLB) vergeblich mit wie Cleveland. Unglaubliche 146 Saisonen beendeten die Franchises der Stadt aus Ohio ohne Titel.

Zum letzten Mal gelang es den Cleveland Browns im Jahr 1964, eine der großen Trophäen in die Arbeitermetropole zu holen. San Diego wartet gar schon ein Jahr länger auf den letzten Titel, doch ließen die Teams dieser Stadt zusammen "nur" 109 Saisonen erfolglos verstreichen.

LeBron James, der wegen dieser Championship-Sehnsucht in seine Heimat zurückgekehrt ist, will sich nicht zu sehr unter Druck setzen lassen: "Ich gehe einfach raus, spiele und habe Spaß."

Das klingt nach einem vernünftigen Ansatz, doch eines ist klar: Sollte James mit den Cavs auch im dritten Finals-Anlauf scheitern, würde sich der Druck für die nächsten Jahre weiter erhöhen. Gelingt es jedoch, die Meisterschaft zu holen, würde James die Wandlung vom Hoffnungsträger zum Buhmann (nach seinem Abgang nach Miami) und weiter zum Helden einer Region endgültig vollziehen.


Hubert Schmidt


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