Wie qualifizieren wir uns noch für die EM?

Aufmacherbild Foto: © GEPA

Unmittelbar nach der klaren Heimniederlage gegen die Niederlande am vergangenen Samstag war die Stimmung beim ÖBV-Team und seinen Fans am Boden.

Wieder einmal eine große Chance verpasst und damit weiter warten auf die erste EM-Teilnahme seit 1977?

Nachdem schon das Heimspiel gegen Deutschland unglücklich verloren worden war, schien die Lage trotz des Auswärtssieges in den Niederlanden und eines deutlichen Heimerfolges gegen Dänemark sehr trist.

Doch auf den zweiten Blick wird deutlich: Für Rasid Mahalbasic, Thomas Schreiner und Co. ist in der EM-Qualifikation weiterhin alles drin, das Ticket für die Endrunde 2017 sogar greifbar nahe.

Erstens verlor Deutschland sensationell nach drei Overtimes in Dänemark, wodurch ein "Dreierradl" mit dem Nachbarn und den Oranjes nicht mehr möglich ist - nach dem 61:75 gegen die Niederlande hätten die ÖBV-Herren in diesem eher schlechte Karten gehabt und wären Gefahr gelaufen, auch mit am Ende vier Siegen nur Dritter der Gruppe B zu werden.

Zweitens sind die Ergebnisse in den anderen Gruppen bislang recht günstig für Österreich ausgefallen: Die Chance, mit einem Sieg am heutigen Mittwoch in Bamberg (19.30 Uhr LIVE bei LAOLA1.tv) zu den vier besten Zweiten aus den sieben Gruppen zu gehören, ist realistisch.

Mit einem Erfolg in Deutschland mit mindestens drei Punkten Differenz könnte sich die Mannschaft von Kestutis Kemzura unter gewissen Voraussetzungen sogar eine Niederlage im abschließenden Spiel in Dänemark leisten und trotzdem zur EuroBasket 2017 fahren.

Doch alles der Reihe nach:

GRUPPE B:

GRUPPE B
1. Niederlande 3 1
2. Deutschland 2 2
3. Österreich 2 2
4. Dänemark 1 3

Verbleibende Spiele: Deutschland - Österreich, Niederlande - Dänemark; Niederlande - Deutschland, Dänemark - Österreich

  • Ein Szenario ist einfach erklärt: Verliert Österreich in Deutschland, ist der EM-Zug abgefahren und bestenfalls der dritte Gruppenrang möglich

  • Den Gruppensieg holt Österreich nur im Falle von zwei Siegen UND wenn die Niederlande sowohl gegen Dänemark, als auch gegen Deutschland verlieren

  • Gewinnt Österreich in Deutschland mit mindestens drei Punkten Unterschied UND siegen die Niederlande gegen Dänemark, wäre der ÖBV vor dem letzten Spieltag bereits fix Zweiter - eine Niederlage am Samstag in Dänemark bliebe in diesem Falle ohne Konsequenz

  • Bei einem ÖBV-Sieg mit einem Punkt oder zwei Punkten Unterschied gegen Deutschland, muss Österreich auch in Dänemark gewinnen, um im Falle eines Deutschland-Sieges in den Niederlanden unter den Top-Zwei zu bleiben

  • Sollte Österreich in Deutschland (nicht haushoch) gewinnen, die Niederlande gegen Dänemark verlieren und am letzten Spieltag gegen Deutschland gewinnen, so würde der kuriose Fall eintreten, dass der ÖBV mit einer knappen Niederlage in Dänemark besser dran wäre als mit einem Sieg: Denn zur Berechnung der besten Gruppen-Zweiten werden die Resultate gegen den Gruppen-Vierten gestrichen - Österreich würde so die Dänen zum Dritten machen und den 86:66-Heimsieg anstatt eines wahrscheinlich deutlich niedrigeren Erfolges gegen die Deutschen mitnehmen ...

  • Deutschland holt Platz eins, wenn es gegen Österreich UND in den Niederlanden mit mindestens fünf Punkten Differenz gewinnt (vier könnten ebenfalls reichen, wenn der Sieg gegen Österreich um vier Zähler höher ausfällt als der der Niederlande gegen Dänemark)

  • Sollten die Niederlande gegen Dänemark verlieren, reichen Deutschland zwei Siege in beliebiger Höhe zu Platz eins

  • Die Niederlande stehen bereits am Mittwoch als Gruppensieger fest, wenn sie Dänemark besiegen und Österreich in Deutschland gewinnt

Gehen wir für die weiteren Berechnungen von einem Sieg Österreichs in Deutschland und der Einfachheit halber von der realistischsten Annahme, dass die Niederlande gegen Dänemark gewinnen und Österreich Zweiter wird, aus. Dann würde das ÖBV-Team in die Berechnung der besten Gruppenzweiten eine 2:2-Bilanz mitnehmen (je ein Sieg gegen die Niederlande und Deutschland), bei einem derzeitigen Punkteverhältnis von 195:208, zu dem das Ergebnis in Deutschland hinzuaddiert wird.

Drei der restlichen sechs Gruppen-Zweiten müssten eine schlechtere Bilanz als Österreich aufweisen, damit das ÖBV-Team zur EM, die in Finnland, Rumänien, der Türkei und Israel stattfinden wird, fährt.

GRUPPE A:

GRUPPE A
1. Belgien 4 0
2. Island 2 2
3. Schweiz 1 3
4. Zypern 1 3

Verbleibende Spiele: Belgien - Schweiz, Island - Zypern; Island - Belgien, Zypern - Schweiz

Island hat als derzeitiger Gruppen-Zweiter gegen die Schweiz hoch gewonnen und knapp verloren und das erste Spiel gegen Zypern um elf Punkte gewonnen. Bleibt Belgien souverän und gewinnt es auch seine restlichen Spiele UND tritt zumindest einer der folgenden Fälle ein: Die Schweiz gewinnt auf Zypern ODER Island unterliegt Zypern - dann würde Island als Gruppen-Zweiter mit einer 1:3-Bilanz hinter Österreich stehen. Falls Island noch von der Schweiz oder Zypern überholt werden sollte, sieht es ebenfalls gut für Österreich aus.

Fazit: Noch ist alles offen, doch die Chancen, dass Österreich diesen Gruppen-Zweiten hinter sich lässt, sind intakt.

GRUPPE C:

GRUPPE C
1. RUSSLAND 3 0
2. Bosnien-Herzegowina 2 1
3. Schweden 0 2

Verbleibende Spiele: Schweden - Bosnien-Herzegowina, Russland - Schweden

Russland hat als einziges Team der Quali bereits das EM-Ticket gelöst. Bosnien (Punktedifferenz -37) hat sich mit einer 54:83-Niederlage zum Auftakt in Russland in eine schwierige Ausgangslage gebracht und hätte nur bei einem Sieg mit deutlich über 20 Punkten Differenz in Schweden die Chance, den Vergleich mit Österreich zu gewinnen. Ohne Mirza Teletovic (suspendiert) wird dies eine schwere Aufgabe. Sollte Schweden (Punktedifferenz -15) gewinnen, müssten die Skandinavier auch noch in Russland siegen, um auf eine 2:2-Bilanz zu kommen.

Fazit: Sowohl ein Kantersieg Bosniens als auch zwei schwedische Siege sind nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich. Die Chancen, dass dieser Gruppen-Zweite hinter Österreich bliebe, stehen gut.

GRUPPE D:

GRUPPE D
1. Polen 4 0
2. Estland 2 2
3. Weißrussland 2 2
4. Portugal 0 4

Verbleibende Spiele: Estland - Portugal, Polen - Weißrussland; Portugal - Weißrussland, Estland - Polen

Auch diese Gruppe ist bislang ganz nach dem Geschmack der Konkurrenz gelaufen: Estland und Weißrussland haben sich bereits gegenseitig besiegt. Sollte Polen auch seine letzten beiden Partien gewinnen, wird der Gruppen-Zweite eine 1:3-Bilanz in den Vergleich mitnehmen.

Fazit: Zur Schnittpartie dürfte das Spiel Estland gegen Polen werden. Doch selbst wenn Estland (Punktedifferenz in den Duellen mit Polen und Weißrussland bislang -11) knapp gewinnt, könnte es mit etwas Glück hinter Österreich bleiben. Es sieht für das ÖBV-Team im Vergleich also recht gut aus.

GRUPPE E:

GRUPPE E
1. Slowenien 4 0
2. Ukraine 3 1
3. Bulgarien 1 3
4. Kosovo 0 4

Verbleibende Spiele: Ukraine - Kosovo, Slowenien - Bulgarien; Ukraine - Slowenien, Kosovo - Bulgarien

Wie erwartet ist aus dieser Gruppe wenig Schützenhilfe zu bekommen, auch wenn Bulgarien beim 67:72 gegen die Ukraine nahe dran war. Zwei Siege des Kosovo sind ebenso unrealistisch wie zwei klare Niederlagen der Slowenen. Am ehesten kann man noch auf eine schwere Heimschlappe der Ukrainer (Punktedifferenz in den internen Duellen gegen Slowenien und Bulgarien derzeit +8) gegen Slowenien hoffen.

Fazit: Nur wenn die Höhe des Sieges in Deutschland plus die Höhe eines slowenischen Sieges in der Ukraine über den Daumen gepeilt über 20 Punkte ausmacht, würde Österreich vor diesem Gruppen-Zweiten landen. Die Chance ist da, aber sehr gering.

GRUPPE F:

GRUPPE F
1. Montenegro 4 0
2. Georgien 3 1
3. Slowakei 1 3
4. Albanien 0 4

Verbleibende Spiele: Georgien - Slowakei, Montenegro - Albanien; Albanien - Slowakei, Montenegro - Georgien

Montenegro und Georgien gehören zu den absolut stärksten Teams der Quali. Dementsprechend vorhersehbar verlief bis jetzt auch die Gruppe: Kantersiege der beiden Favoriten gegen die Slowakei und Albanien, ein knapper Zwei-Punkte-Erfolg Montenegros in Georgien. Nur falls Georgien im Heimspiel gegen die Slowaken komplett auslässt und auch in Montenegro verliert, würde es mit einer 1:3-Bilanz im Vergleich hinter Österreich landen.

Fazit: Die Chance, dass die mit allen Stars antretenden Georgier zu Hause gegen die Slowakei verlieren, strebt gegen Null. Diesen Gruppen-Zweiten wird Österreich so gut wie sicher nicht hinter sich lassen können.

GRUPPE G:

GRUPPE G
1. Ungarn 4 0
2. Großbritannien 2 2
3. Mazedonien 2 2
4. Luxemburg 0 4

Verbleibende Spiele: Mazedonien - Großbritannien, Luxemburg - Ungarn; Ungarn - Mazedonien, Luxemburg - Großbritannien

Gewinnt Ungarn gegen Mazedonien und Mazedonien gegen Großbritannien, wäre der Gruppen-Zweite mit einer 1:3-Bilanz auf jeden Fall hinter Österreich. Auch zwei nicht allzu hohe Siege Mazedoniens (derzeit interne Punktedifferenz -27) wären kein Problem. Schwierig wird es "nur", wenn Großbritannien (interne Punktedifferenz derzeit -10) in Mazedonien gewinnt.

Fazit: Mazedonien tritt ohne einige Topspieler an und ist im Heimspiel gegen Großbritannien Außenseiter. Doch selbst bei einem knappen Sieg der Briten könnten die Österreicher diese mit einem etwas höheren Triumph in Deutschland hinter sich lassen. Spannend!

Zusammenfassend sieht es danach aus, als würden zwei Gruppen-Zweite ziemlich sicher vor Österreich bleiben. Bei vier weiteren Gruppen besteht zumindest die durchaus realistische Chance, dass das ÖBV-Team eine bessere Bilanz in den Vergleich mitnimmt - bei zwei davon spricht die Papierform für Österreich.

Die Hoffnung auf die EM 2017 ist weiterhin berechtigt. Grundlage bleibt natürlich ein heutiger Sieg der Österreicher in Bamberg, ohne den jede fremde Schützenhilfe obsolet werden würde.

Also, Männer: Deutschland ist fällig!



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