Wie kam es dazu? Wie geht es weiter

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Am Dienstag wurde der ABL-Dominator der letzten Jahre, die magnofit Güssing Knights, von der Liga wegen eines Lizenzverstoßes zu heftigen Strafen (noch nicht rechtskräftig) verdonnert.

Eine Transfersperre für die laufende Saison, eine Geldstrafe in der Höhe von 10.000 Euro und ein Abzug von neun Punkten wurden vom ABL-Präsidium über den Back-to-back-Meister, Cupsieger und erfolgreichen Europacup-Starter verhängt.

"Da sie gegenüber dem Lizenzausschuss nicht ordnungsgemäß und nachvollziehbar die rechtliche Konstruktion (Verein in Verbindung mit der ausgegliederten GmbH) offengelegt haben", wurden die Südburgenländer bestraft.

"Finanzielle Situation angespannt"

Da bei der Prüfung der Gesamtkonstruktion festgestellt wurde, "dass die finanzielle Situation angespannt ist", erteilte die Liga zudem drei Auflagen.

Bis Jahresende sind sämtliche Altverbindlichkeiten bei Gebietskrankenkasse und Finanzamt zu begleichen oder bestätigte Ratenvereinbarungen vorzuweisen.

Wie kam es dazu, dass der erfolgreichste ABL-Klub der letzten Jahre in solche Schwierigkeiten geriet?

 

DIE CAUSA IM ZEITRAFFER:


Ausständige Zahlungen

Gerüchte über Liquiditätsprobleme und ausständige Zahlungen gab es schon länger, bestätigt wurden sie von der Güssinger Vereinsführung erstmals am Tag des ABL-Supercups am 20. September gegenüber der "Krone" und "Sky Sport Austria".

"Wie es im Leben so ist, es gibt Verträge und es gibt halt immer wieder Zahlungsschwierigkeiten mit den Partnern. So ist das auch jetzt gekommen. Es ist wichtig, dass ich in den nächsten Tagen diese Dinge löse", meinte Reinhard Koch im "Sky"-Interview.

"Es gibt Verzögerungen, dazu stehe ich. Aber es gibt Verträge, dazu stehe ich auch. Wenn die Verträge erfüllt werden, haben wir hier wieder eine nachhaltige Sache", sagte Koch, der von "zwei Reini Kochs" sprach - dem Obmann bzw. dem Sponsor mit seiner Firma ökoStadt Güssing.

Der Verein habe kein Problem, sondern er als Sponsor.

Sportlich surft Güssing auf der Erfolgswelle

Liga wird erst nach Medienberichten tätig

Vier Tage später nahm ABL-Präsident Karl Schweitzer gegenüber "Sky" Stellung: "Weder bei uns, noch bei der FIBA ist eine offizielle Anzeige eingegangen, dass Spielergehälter oder andere Zahlungen ausständig sind."

Aufgrund des Zeitungsartikels des Interviews von Reinhard Koch sei man nun erst tätig geworden. Güssing habe die Aufforderung erhalten, alles offenzulegen.

"Die Unterlagen, die uns zugeschickt wurden, waren durchaus in Ordnung. Sponsorverträge liegen vor, die wir nicht hinterfragen können. Spielergehälter sind nicht Bestandteil der Lizenzbestimmungen", so Schweitzer, der von einer Verwarnung bis zu einem Ausschluss aus dem Bewerb alles offen ließ.

Die Verknüpfung mit der ökoStadt Sport GmbH hieß er damals noch gut, da der Wartungserlass ohnehin verlange, dass die Profiabteilung in eine GmbH ausgelagert werde.

Proteste anderer Vereine, Liga weist ab

Einige Vereine hatten mit der GmbH-Konstruktion schon zu diesem Zeitpunkt ein Problem und legten bei ihren Spielen gegen Güssing Protest ein, da die Rot-Weiß-Rot-Karten der Legionäre auf die GmbH und nicht auf den Verein ausgestellt wurden - eine Praxis, die schon jahrelang bekannt war, aber bis zu den bekannt gewordenen Problemen niemanden zu stören schien.

Die ABL hielt daraufhin Rücksprache mit dem AMS und wies die Proteste Anfang Oktober ab - mit dem Verweis auf die Ausführungen des AMS:

" ... wenn der Profibetrieb eines an der Meisterschaft teilnehmenden Vereins in einen eigenständigen Rechtsträger (in ihrem Fall in eine GmbH) ausgegliedert wird und die Spieler von diesem Rechtsträger bei der GKK angemeldet werden, dürfen die Spieler im Sinne des Ausländerbeschäftigungsgesetzes bei diesem Verein eingesetzt werden. Nicht erlaubt wäre der Einsatz bei einem anderen Verein, da in diesem Fall eine Arbeitskräfteüberlassung im Sinne des §4 Abs 1 Z 7 des Ausländerbeschäftigungsgesetzes vorläge".

Änderungen der Bestimmungen

Die Liga nahm den Fall allerdings auch zum Anlass, um ihre Bestimmungen während der Saison zu ändern.

Ausgegliederte Profibetriebe müssen ab sofort eine hundertprozentige Tochter des Stammvereins sein. Zudem sind mögliche ausgegliederte Rechtsträger und der Verein als Einheit zu sehen - ein etwaiges Insolvenzverfahren bedeutet den Verlust der Ligalizenz.

Zudem wurde ein "Kontrollmechanismus" eingeführt: "Die Vereine der ABL und allfällige ausgegliederte Rechtsträger müssen zum Stichtag 31. Oktober, 31. Dezember und 31. März von ihrer betreffenden lohnverrechnenden Stelle die detaillierte Bruttolohnliste des betreffenden Monats und die dazugehörige Lastschriftanzeige des Finanzamtes an das Ligabüro übermitteln (anonymisiert)."

Wirtschaftsprüfung und Auflagen

Die im Zuge der Proteste gegen die Güssing Knights aufgetretenen Unklarheiten über die Besitzverhältnisse des Vereins kommentierte das Präsidium wie folgt: "Von der Liga wird ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer bestellt, der auf der Basis der vorliegenden Unterlagen feststellen soll, ob die GmbH in der Lage ist, den laufenden Meisterschaftsbetrieb für die gesamte Saison ordnungsgemäß sicherzustellen und ob die GmbH allfällig vorhande Altlasten aus der Vergangenheit bedienen kann."

Zudem wurde Güssing eine Frist von vier Wochen eingeräumt, "um die Anteile an der ökoStadt Güssing Sport GmbH an den Verein zu übertragen und nachzuweisen, dass es sich bei der GmbH um eine 100%-ige Tochter des Vereins handelt."

Von den Knights wurde diese Vorgehensweise begrüßt. Einen Monat später wurden sie mit den Konsequenzen konfrontiert.

Reinhard Koch & Co. beraten über die Zukunft

WIE GEHT ES WEITER:

Noch keine Reaktion von Güssing

Wie Güssing die Botschaft aufnimmt, bleibt auch zwei Tage später noch offen. Am Freitag wollen sich die Klub-Verantwortlichen zusammensetzen, um zu beraten.

Neun Punkte Abzug sind zwar viel, angesichts der sportlichen Dominanz ist es aber durchaus möglich, dass sich die in der ABL-Saison bislang ungeschlagenen Knights innerhalb weniger Runden ohnehin wieder vom dritten auf den ersten Platz nach vorne gearbeitet haben werden.

Die Geldstrafe ist zwar beträchtlich, im Vergleich zum Budget jedoch keine große Summe.

Als unangenehmste Strafe könnte sich das Transferverbot entpuppen - allerdings auch nur im Falle einer langwierigen Verletzung.

Finanzielle Lage im Griff?

So bleibt für die Knights die Hauptfrage, die sich auch schon vor dem Öffentlichwerden der Probleme gestellt hat: Bekommt man das ausständige Geld und wenn ja, wie schnell?

Zumindest nach außen hin gaben sich die Verantwortlichen diesbezüglich optimistisch. Diese Zuversicht klingt prinzipiell plausibel - schließlich wäre Güssing wohl nicht mit einer so teuren Truppe in die neue Saison gegangen, hätte man nicht damit gerechnet, die für die vergangene Saison zugesagten Zahlungen zu bekommen.

Mit den zusätzlichen Prüfungen steigt jedenfalls der Druck. Es liegt aber auch im Interesse des Klubs, möglichst schnell und klar Stellung zu beziehen, denn die hervorragenden sportlichen Leistungen stehen derzeit wegen der monetären Situation im Hintergrund bzw. werden von vielen in ein schlechtes Licht gerückt.

Schwächen bei der Lizenzvergabe ausgemerzt?

Ob sich die Knights mit den Strafen abfinden, ist noch offen. Die finanziellen Probleme sind unbestritten, zu einer möglichen Verfehlung wollten sich die Güssinger allerdings noch nicht äußern.

Da die ABL die Bestimmungen bezüglich der GmbH-Konstrukte erst adaptieren musste, stellt sich die Frage, inwieweit die von der Liga genannte "Verschleierung" der finanziellen Situation zum Zeitpunkt des Lizenzierungsverfahren aus Güssinger Sicht ein expliziter Verstoß gewesen ist.

Die ABL hat in den letzten Jahren in Sachen Lizenzierung wichtige Schritte in Richtung Professionalität gemacht. Allerdings besteht bzw. bestand in Detailfragen sicherlich Aufholbedarf: So erhielten die Raiffeisen Fürstenfeld Panthers - durch den Punkteabzug gegen Güssing übrigens neuer Tabellenführer - im Vorjahr die Lizenz, bevor kurz darauf ein Insolvenzverfahren gegen die Steirer eröffnet wurde.

Andererseits hätten die Strafen gegen Güssing auch drastischer ausfallen können. So bleibt für alle Beteiligten zu hoffen, dass die nächsten Wochen Klarheit bringen und der Sport bald wieder im Mittelpunkt stehen kann.

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