Rossi verliert Titel an Lorenzo: 'Habe ich nicht v

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Das Drama von Valencia ist zu Ende.

Eine unglaubliche MotoGP-Saison 2015 fand in Jorge Lorenzo einen würdigen Weltmeister. Der 28-Jährige gewann beim Saisonfinale in Valencia vor mehr als 110.000 begeisterten Fans und setzte sich zum dritten Mal nach 2010 und 2012 die WM-Krone in der Königsklasse des Motorrad-Sports auf.

Valentino Rossi, mit sieben Punkten Vorsprung nach Spanien gereist, jedoch aufgrund einer Strafe vom letzten Startplatz in das Rennen gestartet, gelang eine beeindruckende Aufholjagd, sein vierter Platz sollte am Ende jedoch nicht reichen.

Zwischen den beiden großen Rivalen in Diensten Yamahas reihten sich mit den Honda-Stars Marc Marquez und Dani Pedrosa zwei Spanier - und damit Landsleute des frischgebackenen Champions - ein. Während Pedrosa aufopferungsvoll kämpfte, einen anfänglichen Rückstand wettmachte und gegen Rennende noch einmal alles riskierte, schien Marquez mit angezogener Handbremse zu fahren.

Marquez unter Verdacht

Logisch, dass der entthronte Titelverteidiger sofort verdächtigt wurde, Lorenzo zum Titel verhelfen zu wollen. Zumal ausgerechnet er es war, der von Rossi zuletzt in Malaysia einen Fußtritt abbekam, der zu seinem Aus führte. Und Marquez war es auch, der vom Italiener verdächtigt wurde, ihn bewusst aufzuhalten.

Der Beschuldigte selbst wollte von all diesen Vorwürfen nichts wissen und zeigte sich auf der Pressekonferenz nach dem großen Finale brüskiert, sich damit auseinandersetzen zu müssen. „Dann wäre ich fünf Sekunden hinter ihm gefahren“, entgegnete er den „Bodyguard“-Anschuldigungen und begründete fehlende Überholversuche mit Problemen mit dem Vorderreifen.

Er wollte ursprünglich in den letzten zwei Runden attackieren, doch just in diesem Moment kam Pedrosa von hinten und kostete ihn Zeit. Die vielen Buhrufe, die ihm bei der rein spanischen Siegerehrung, an der auch König Juan Carlos I. teilnahm, konnte er nicht ansatzweise verstehen und empfand sie als „Beleidigung“.

„Verdienter Titel“ für Lorenzo

Weltmeister Lorenzo wollte sich auf diese Debatte nicht einlassen und erklärte sich selbst zum „verdienten Weltmeister“. Er habe die meisten Siege, die meisten Poles und natürlich auch die meisten Punkte.

Außerdem ist er der Meinung, dass jeder neutrale Zuschauer bemerkt haben muss, dass er in dieser Saison schneller war als Rossi. Zum Rennen selbst erklärte der Spanier: „Es war eines der härtesten Rennen, der Druck und die Anspannung waren schon ab der ersten Kurve enorm.“

Wie er sich als nunmehr dreifacher Champion in der MotoGP fühlt? „Super emotional, super happy, super stolz!“ So sehr sich Lorenzo und seine Fans freuten, so groß war auch die Trauer bei Valentino Rossi und seinen Anhängern.

Jorge Lorenzo - 2015 World Champion - #LorenzoChamp

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Posted by MotoGP on Sonntag, 8. November 2015

Der „Doktor“ war sauer

Der 36-jährige „Dottore“ nahm sich nach dem hauchdünn verpassten zehnten WM-Titel kein Blatt vor den Mund und fand klare Worte für Marquez‘ Verhalten. „Ich bin traurig, dass Marquez als Bodyguard für Lorenzo fungiert hat. Ich habe ja schon am Donnerstag gesagt, dass ich überzeugt davon bin, dass sie es bis zum Ende durchziehen würden.“

Schon seit mehreren Wochen spricht der Italiener davon, dass er von Marquez blockiert wurde und dieser lieber Lorenzo am Thron sehen würde. „Heute hat jeder ihren Plan gesehen. Das macht mich traurig und das ist eine schlechte Sache für unseren Sport“, haderte er mit der verlorenen WM.

Lorenzo sei zweifellos ein „sehr, sehr guter Fahrer“, aber er hätte gerne einen Kampf mit gleichen Voraussetzungen gesehen. „Ich denke aber, dass selbst er nicht glücklich ist, auf diese Weise gewonnen zu haben.“

Rossi trauerte der vergebenen Chance, seiner vielleicht letzten auf einen weiteren Titel, nach: „Ich bin traurig. Eine großartige Möglichkeit ist dahin. Das habe ich nicht verdient.“

Prominente Unterstützung

Das dachten sich auch zahlreiche Prominente, die ihre Social-Media-Kanäle nutzten und dort ihrem Frust freien Lauf ließen. „Schande über dich, Marc Marquez“, schimpfte etwa Felix Baumgartner, der mit seinem Sprung aus dem All weltweite Bekanntheit erlangte.

„Ich dachte, du bist ein Racer, aber heute wurdest du zum Fan spanischer Fahrer. Ein echter Racer will immer gewinnen – ganz gleich, was passiert!“, fügte er an und vergaß auch nicht, Lorenzo und Rossi zu einer tollen Leistung zu gratulieren.

Jahr MotoGP-Weltmeister Nation Hersteller
2002 Valentino Rossi Italien Honda
2003
Valentino Rossi Italien Honda
2004 Valentino Rossi Italien Yamaha
2005 Valentino Rossi Italien Yamaha
2006 Nicky Hayden USA Honda
2007 Casey Stone Australien Ducati
2008 Valentino Rossi Italien Yamaha
2009 Valentino Rossi Italien Yamaha
2010 Jorge Lorenzo Spanien Yamaha
2011 Casey Stoner Australien Honda
2012 Jorge Lorenzo Spanien Yamaha
2013 Marc Marquez Spanien Honda
2014 Marc Marquez Spanien Honda
2015 Jorge Lorenzo Spanien Yamaha 

Auch Neel Jani, ehemaliger F1-Testpilot und mittlerweile auf der Langstrecke zuhause, echauffierte sich über aus seiner Sicht nicht gelebtes Fairplay: „Es braucht nur zwei Worte für das heutige MotoGP-Rennen … Spanische Mafia!“

Hausleitner pro Rossi

Ernst Hausleitner, als F1-Kommentator vorwiegend für mit vier Rädern betriebene Fahrzeuge zuständig, vertrat ebenfalls die Ansicht, dass Marquez das Rennen bewusst zu Lorenzos Gunsten beeinflusste.

„Tolles Rennen von Lorenzo, aber Marquez muss sich selbst hinterfragen, wo die Prioritäten liegen. Hat nichts gemacht, um (Lorenzo) zu passieren und blockte auch noch Pedrosa. Schande!“, befand der Oberösterreicher und setzte wenig später nach: „Einer hat den Titel nicht gewonnen, einer seine Ehre verloren.“

Der lachende Dritte war Jorge Lorenzo, der sich verdient den Weltmeister-Titel sicherte.


Christoph Nister 

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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