"Es geht gegen die DNA der Formel 1"

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Ob sich die Formel 1 mit dem Cockpitschutz "Halo" einen Gefallen tut, wird vor dem GP von Österreich heiß diskutiert. 

Am Freitag wird Ferrari eine neue Version testen, über die schon nächste Woche in Silverstone eine Entscheidung fallen soll.

Als Mitglied der Strategiegruppe äußerst Mercedes-Teamchef Toto Wolff Bedenken: "Sicherheit muss an erster Stelle stehen, aber etwas ausdenken, dass dann mehr Risiken bringt als Sicherheit - da bin ich skeptisch."

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine.

Mit Risiken meint Wolff zum Beispiel die Schwierigkeit, als Fahrer im Notfall aus dem Auto zu kommen. Etwa wenn ein Pilot kopfüber zu bergen ist. 

Wenn brennende Batterien unlöschbar werden

Wolff schildert den Worst-Case: "Es gibt eine chemische Reaktion der Batterien, die sie unlöschbar macht. Das heißt, man muss sie ausbrennen lassen. Bislang ist das noch nicht vorgekommen, aber das sind Szenen, die keiner haben will."

Die FIA glaubt, einige Szenarien berückstichtig zu haben. Laut "auto-motor-und-sport.de" wurden 40 Unfälle aus der Vergangenheit nachgespielt und die Folgen mit und ohne Halo dokumentiert. 

Missglückter Test in der Box

Die Ergebnisse sollen in Silverstone den Technikchefs der Teams präsentiert und darüber diskutiert werden. Anschließend kann die Strategiegruppe und die F1-Kommission endgültig über eine Einführung 2017 abstimmen.

Ein am Donnerstag durchgeführter Versuch gibt Wolffs Bedenken Recht. In der Ferrari-Garage wurde versucht, einen Fahrer trotz Halo zu bergen, was letztlich über zehn Minuten gedauert hat.

Nach Rennen zwischen 1970 und 1987 feierte der GP von Österreich 1997 sein erstes Comeback. Das ist seither passiert.

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In seiner letzten Saison als Formel-1-Pilot fuhr Gehard Berger beim Heimrennen auf Platz zehn. Bild 2 von 27
Der Sieg ging an den Williams-Piloten und späteren Weltmeister Jacques Villeneuve. Bild 3 von 27
Ein Jahr später feierte Alexander Wurz im Benetton seine Heimpremiere. Er musste sich mit Rang neun begnügen. Bild 4 von 27
Der Sieg war in diesem Jahr ein Fall für die Silberpfeile von McLaren Mercedes. Bild 5 von 27
Mika Häkkinen triumphierte vor Teamkollege David Coulthard. 77.000 Zuseher feierten den späteren Weltmeister. Bild 6 von 27
1999 lief es für Wurz wesentlich besser. Mit Platz fünf holte er als erster Österreicher seit Lauda 1984 Punkte im eigenen Land. Bild 7 von 27
Der Sieg ging etwas überraschend an den Iren Eddie Irvine. Bild 8 von 27
Der Ferrari-Pilot ließ Coulthard und Häkkinen hinter sich. Bild 9 von 27
2000 blieb Wurz im Benetton als Zehnter erneut ohne Punkte. Bild 10 von 27
Nach dem Ausfall von Michael Schumacher in Kurve eins war der Weg frei für Pole-Setter Mika Häkkinen. Bild 11 von 27

Der "Flying Finn" entschied das Rennen vor Coulthard und Rubens Barrichello für sich.

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Ein Jahr darauf setzte Michael Schumacher von der Pole Position aus zum Sieg an. Im Rennen fiel er aber zurück. Bild 13 von 27

Erst als Jean Todt: "Let Michael pass for the championship" an Barrichello funkte, erbte der Deutsche Platz zwei.

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Ganz oben am Podium jubelte Coulthard vor den beiden Ferrari-Piloten. Bild 15 von 27

Im Jahr darauf sollte es noch dicker kommen. Barrichello startete von der Pole Position und führte das ganze Rennen über.

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Nach einem erneuten Befehl aus der Box ließ der Brasilianer Schumi aber auf der Zielgeraden vorbei. Bild 17 von 27

Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert überließ der Deutsche Barrichello Platz eins bei der Siegerehrung, die volle Punktezahl ging aber natürlich an den Kerpener.

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2003 war schon vor dem Rennen bekannt, dass es das vorerst letzte Gastspiel der Formel 1 in Spielberg sein wird. Bild 19 von 27
Schumacher siegte damals ohne Hilfe vor den Augen von über 100.000 Zuschauern. Bild 20 von 27

Kimi Räikkönen belegte Platz zwei, Barrichello wurde beim Abschied vom A1-Ring Dritter.

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Beim großen Comeback 2014 sorgte Williams mit der Pole für Felipe Massa und Platz zwei für Valtteri Bottas für eine faustdicke Überraschung!

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Im Rennen schlugen die übermächtigen Silberpfeile in Person von Nico Rosberg zurück. Er gewann knapp vor Teamkollege Lewis Hamilton und Bottas.

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Die Schlagzeilen gehörten am Rennsonntag diesem jungen Mann nach der Interpretation "seiner" Bundeshymne.

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2015 wollte sich Hamilton für die Niederlage gegen seinen Teamkollegen im Vorjahr revanchieren. Er startete von der Pole Position.

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Schon in Kurve eins folgte aber der Führungswechsel, außerdem kam es zu einem bösen Crash zwischen den Routiniers Kimi Räikkönen (Ferrari) und Fernando Alonso (McLaren), der zum Glück glimpflich endete.

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Rosberg gewann am Ende deutlich vor Hamilton, Platz drei ging an Massa.

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Nicht zuletzt deshalb hat man das Gefühl, als sei das System nicht zu Ende gedacht. Diesen Eindruck teilt Günther Steiner, Teamchef von Haas F1.

Haas-Teamchef: Haben wir alles durchdacht?

"Für mich geht es da ums Prinzip. Sollten wir Halo installieren, werden wir uns daran gewöhnen. Aber ist es notwendig? Ich will der Letzte sein, der sich gegen Sicherheit ausspricht, aber haben wir alles durchdacht? Gibt es keine Szenarios, bei denen es unsicher wird?", fragt sich der 51-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Es geht auch um die Grundsätze des Sports. Ganz egal, ob man Teamverantwortliche oder aktive Fahrer befragt.

"Wenn du Formel-1-Fahrer bist, weißt du, dass es ein Restrisiko gibt. Wenn wir das dem Sport nehmen, dann geben alle Vollgas, haben riesige Auslaufzonen und Halo - dann tut sich sowieso nichts", meint Steiner.

Wenden sich noch mehr Fans ab?

"Rein am Papier geht es für mich gegen die DNA der Formel 1", fügt sein Schützling Romain Grosjean hinzu, der sich aber überzeugen ließe, wenn der Sicherheitsvorteil ausreichend gegeben ist. 

Force-India-Pilot Nico Hülkenberg hat schon des Öfteren seinen Unmut über Halo geäußert. An der Rennstrecke könnte es, glaubt er, bei einer Einführung böses Erwachen geben.

"Die Gefahr gehört zum Motorsport dazu. Man kann sie nicht komplett eliminieren. Das ist auch der Grund, warum die Leute an die Strecke kommen und uns zusehen. Wenn es supersicher und zu geschützt wird, werden wir Fans verlieren", so der 28-Jährige auf LAOLA1-Nachfrage.

Ein optischer Widerspruch

Was die Ästhetik betrifft, hatte das Red-Bull-System des Aeroscreens deutlich mehr Anhänger. Dieses Konzept ist aber vom Tisch, da Crashtests zeigten, dass der Kopf des Fahrers bei einem Frontaufprall gegen die Scheibe geschlagen wäre.
 
Man hätte diese zwar in der Form verändern können, dann wäre aber der Schutz bei einem Reifeneinschlag nicht mehr gegeben gewesen.
 
So bleiben nur Halo und viele offene Fragen. Während die Autos im kommenden Jahr deutlich an Attraktivität gewinnen sollen, wäre der Cockpitschutz auch ein optischer Widerspruch:
 
"Sie würden dann spektakulärer aussehen, breiter sein, aber einen Flipflop oben draufhaben", sagt Wolff.
 
 
Aus Spielberg berichtet Andreas Terler

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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