Flashback: Little Drama Boys

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Das F1-Buch 2015 wird zugeklappt.

Es war ein zäher Schinken mit vielen Nebenschauplätzen, bei dem unglaublich schnell klar war, wie es ausgeht. Wir lasen seitenweise Diskussionen, Debatten, Uneinigkeit, jedoch ohne klare Botschaften und große Erkenntnisse.

Hiermit legen wir das Buch ad acta.

Die letzten Fragen: Werden Lewis Hamilton und Nico Rosberg jemals ehrlich zueinander sein, ist Kimi Räikkönen eigentlich ein Mensch und wird 2016 alles besser?

  • HOT AND NOT

HOT: Sebastian Vettel

In mehreren Belangen war der finale GP des Jahres ein Spiegelbild der Saison, auch in Bezug auf die Leistung von Sebastian Vettel. Nach einem strategisch völlig verkorksten Qualifying pflügte der Heppenheimer von Platz 15 aus durch das Feld und holte sich am Ende noch den vierten Platz. Mehr war einfach nicht drin, da Teamkollege Kimi Räikkönen routiniert den Stockerlplatz nach Hause fuhr. "Eigentlich können wir sehr zufrieden sein", resümierte Vettel, wohl wissend dass er sich zwischendurch ganz schön ärgern musste. Zum Beispiel über Fernando Alonso, der sich beim Überrunden einmal unnötig breit machte. "Er muss mich wirklich hassen! Ich weiß nicht, was nicht mit ihm stimmt", fauchte Vettel über den Funk. Am Ende hat aber alles gepasst. Das freut auch Technikdirektor James Allison, der für die Quali-Blamage die Schuld auf sich nahm: "Ich bin glücklich über die Aufholjagd von Seb, der sich von meinem lächerlichen Fehler gestern gut erholt hat."

 

NOT: Fernando Alonso

Kaum ein Team sehnte das Ende der Saison wohl so herbei wie McLaren-Honda. Es war ein Frust-Jahr für Fernando Alonso, dem sogar nachgesagt wurde, dass er 2016 eine Pause einlegen will. Dies hat er aber dementiert. Sein Rennen verlief ziemlich durchwachsen. Schon am Start sorgte er nach einer Berührung mit Felipe Nasr dafür, dass Pastor Maldonado ausschied. Dass er anschließend mit einer Durchfahrtsstrafe bedacht wurde, ärgerte ihn maßlos: "Die Formel 1 fragt sich immer, warum sie mehr und mehr Zuschauer verliert. Ich denke, dass sie über solche Entscheidungen besser nachdenken sollte als aktuell, denn in der WEC, in der MotoGP oder in anderen Kategorien sehe ich so etwas nicht. Sie haben viel mehr Spaß als wir." Auch wenn nicht alle Entscheidungen nachvollziehbar sind - gut für Alonso und McLaren, dass die Saison vorbei ist.

  • NEWCOMER-CHECK:
Für Max Verstappen endet die Saison mit einem bitteren Beigeschmack. Wegen Ignorierens von blauen Flaggen fasste er eine Durchfahrtsstrafe aus, die allerdings später in eine Zeitstrafe von 25 Sekunden umgewandelt wurde. Somit beendete er das Rennen als 16. "Es war nicht mein Tag heute. Es fing ganz gut an, aber dann habe ich mich verbremst und musste einen Extra-Stopp einlegen. Immerhin habe ich ein paar Überholmanöver genossen!"
 
Carlos Sainz im zweiten Toro Rosso startete als 10., verpasste am Ende aber als 11. einen Zähler knapp. Unzufrieden ist der Spanier dennoch nicht. "Ich glaube, das war das Maximum, das heute erreichbar war."
 
Keine Punkte gab es auch für Felipe Nasr, dessen Rennen schon am Start nach der Berührung mit Alonso ziemlich verhaut war. Daraufhin war sein Frontflügel kaputt und der Brasilianer musste umgehend an die Box. Er kam schließlich hinter seinem Teamkollegen Marcus Ericsson auf Position 15 ins Ziel. "Letztlich ist diese Platzierung nicht das, was ich mir für das letzte Saisonrennen gewünscht habe."

 

  • TEAMCHECK: Jetzt wird abgerechnet!
Die Saison ist vorbei, die Rennen gefahren, die Ergebnisse liegen auf dem Tisch. Es gibt recht knappe und sehr deutliche Quali- bzw. Rennduelle. Die engste Quali-Entscheidung gab es bei Toro Rosso zugunsten von Carlos Sainz bzw. bei Sauber-Ferrari zugunsten von Marcus Ericsson. Das deutlichste Quali-Duell gab es bei Lotus mit 17:2 für Romain Grosjean. Im Rennen war es bei Ferrari am eindeutigsten. 14:4 endete es für Sebastian Vettel. Das Williams-Duell endet unentschieden 9:9, da in Austin beide ausschieden.
 
Hier alle Duelle im Überblick:

Team

Fahrer-Duo Quali-Duell Renn-Duell
Mercedes Hamilton-Rosberg 12:7 12:7
Ferrari Vettel-Räikkönen 15:4 14:4
Williams Massa-Bottas 8:11 9:9
Red Bull Racing Ricciardo-Kvyat 12:7 9:10
Force India Hülkenberg-Perez 11:8 7:11
Lotus Grosjean-Maldonado 17:2 12:5
Toro Rosso Verstappen-Sainz 9:10 10:7
Sauber Ericsson-Nasr 10:9 8:11
McLaren-Honda Alonso-Button 10:8 6:8

  • STARGAST DES WOCHENENDES: Rick Astley

Rickrolled

Posted by WTF1 on Friday, November 27, 2015

Sein ewig junger Schlager "Never gonna give you up" ist ja so etwas wie die inoffizielle Hymne aller Mercedes-Jäger. Wir hoffen auf Besserung im nächsten Jahr.

  • STICHELEIEN DES WOCHENENEDES: Ziemlich beste Feinde
Kein allerletztes F1-Wochenende des Jahres ohne Silber-Sticheleien. Nico Rosberg war nach seinem Rennsieg etwas besser gelaunt als sein Teamkollege, dieser hielt jedoch in der Pressekonferenz fest, dass es doch wesentlich besser klinge, Weltmeister zu sein, als Rennsieger. Auf die Frage ob sich die beiden heuer zu Weihnachten etwas schenken würden, kam von Rosberg ein "Vielleicht", Hamilton hingegen denkt nicht daran: "Wir haben das noch nie gemacht, also gibt es auch keinen Grund, das zu ändern." Etwas später war sich auch Rosberg nicht mehr so sicher. "Ich habe vielleicht gesagt. Muss ich mir noch überlegen, ob er sich das verdient hat." In diesem Sinne: Frohes Fest!

BILD DES WOCHENENDES

Endlich Ferien!

  • EMOTIONEN DES WOCHENENDES: Robo-Kimi winkt
Ganz sicher konnte man sich nicht sein, ob Kimi Räikkönen am Podium noch Mensch oder schon Maschine war. Dieser leere Blick, das steife Winken mit dem Daumen - irgendwie gespenstisch. Vielleicht lag es einfach daran, dass es für den Finnen trotz Siegerehrung wieder keinen Alkohol zu trinken gab.

  • ZAHLENSPIELEREIEN

3 - Mexiko, Brasilien, Abu Dhabi: Nico Rosberg schafft es erstmals in seiner Karriere, drei Rennen in Folge zu gewinen.

14 - Insgesamt feierte der Wiesbadener seinen 14. Rennsieg womit er mit Graham Hill gleichzog. Und das ausgerechnet am 40. Todestag des zweifachen Weltmeisters.

12 - Lewis Hamilton fixierte als Zweiter den 12. Mercedes-Doppelsieg in dieser Saison. Damit hat man den Rekord des Vorjahres (11) noch einmal übertroffen.

703 - Mit 703 eingefahrenen Punkten hat Mercedes in dieser Saison auch den eigenen Punkterekord des Vorjahres um zwei Zähler gebrochen - und das, obwohl es heuer im letzten Rennen keine doppelten Punkte gab.

2 - Rosberg ist erst der zweite Fahrer, der in Abu Dhabi von der Pole Position aus gewonnen hat. Zuvor ist das nur Sebastian Vettel 2010 gelungen.

6 - Spät, aber doch war Rosbergs Quali-Stärke wieder da. Die letzten sechs Poles gingen allesamt an den Vize-Weltmeister. Wenn er die ersten beiden im Jahr 2016 holt, egalisiert er Ayrton Sennas Allzeit-Bestmarke von acht Poles en suite.

32 - Als Duo holten Hamilton und Rosberg 32 Podestplätze. Rekord.

4 - Es war ein versöhnliches Ende für Kimi Räikkönen. Mit dem dritten Podestplatz der Saison gewann er die inoffiziellen finnischen Meisterschaften gegen Valtteri Bottas und beendete die Saison auf Platz vier. Das ist sein bestes Resultat seit 2012, als er Gesamt-Dritter war.

9 - Auch Sergio Perez darf zufrieden sein. Mit Platz neun in der Konstrukteurswertung erreichte der Force-India-Pilot das beste Resultat seiner Karriere. In den letzten neun Rennen fuhr er sieben Mal in die Punkte. Saubere Arbeit.

6 - Es hat nicht gerreicht für Daniel Ricciardo. Obwohl er vier Plätze vor seinem Teamkollegen Daniil Kvyat Sechster wurde, liegt der Australier im WM-Endstand drei Punkte hinter dem Russen auf Platz acht. Wer hätte das gedacht?

1 - Fernando Alonso erlebte ein Seuchenjahr. Jenson Button auch, aber Alonso ist es tatsächlich erstmals in seiner Karriere passiert, dass er von seinem Teamkollegen in der WM-Endwertung geschlagen wurde. Button ist 16., fünf Punkte vor Alonso.

9 - Romain Grosjean verabschiedet sich von Lotus mit einem neunten Platz. Es ist das zehnte Punkteresultat für den Franzosen in diesem Jahr. 51 Punkte hat er 2015 geholt, das sind 65 Prozent der Gesamtausbeute des Rennstalls.

9 - Apropos Lotus, apropos 9: Pastor Maldonado schied zum 9. Mal in dieser Saison aus. In sechs Rennen hat "Crashtor" heuer fünf Runden oder weniger geschafft. Nur Roberto Merhi und Alexander Rossi, die beide nicht die gesamte Saison im Einsatz waren, fuhren weniger Rennkilometer im Jahr 2015.

2 - Max Verstappen erlebte zwar einen bitteren Saisonabschluss, aber er ist der zweitbeste Rookie unter dem aktuellen Punktesystem. Nur Kevin Magnussen holte 2014 sechs Zähler mehr als der Niederländer.

2 - In dieser Saison sahen wir Sieger aus lediglich zwei Ländern: Großbritannien und Deutschland. Das gab es noch nie.

80 - Die letzte Zahl des Flashback-Jahres 2015 gehört aber Mercedes. Nimmt man alle Sessions, angefangen von Trainings bis zu Rennen, zusammen, standen in 80 Prozent davon entweder Lewis Hamilton oder Nico Rosberg ganz oben im Klassement.

 

Andreas Terler

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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