"Sind wir als Standort in England noch attraktiv?"

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Das Thema Brexit macht auch vor der Formel 1 nicht halt.

Vor dem Grand Prix von Österreich sieht Mercedes-Teamchef Toto Wolff Probleme auf sein Team zukommen. 

"Was passiert mit den Mitarbeitern, die wir in England haben, die aus der EU kommen? Können die dann weiterarbeiten? Sind wir dann als Standort in England weiterhin attraktiv?", fragt sich der Wiener.

Die letzten offenen Fragen scheinen indes woanders bald geklärt. Der neue Vertrag von Nico Rosberg soll demnächst unterschrieben werden.

Toto Wolff über...

...die Reifenfrage: Das schwarze Fragezeichen

Mehr Spannung in Spielberg - das wünschen sich nach den von Mercedes dominierten Rennen in den letzten beiden Jahren viele. Ein neuer Faktor in diesem Jahr ist die Asphaltierung der Strecke, die alle Teams im Hinblick auf das Verhalten der Reifen vor ein Rätsel stellt. "Der Asphalt ist glatt wie ein Babypopo. Es ist eine neue Art, bei dem die Steine ganz abgeschliffen sind und deshalb der Reifen nur schwer in den Asphalt eindringt. Der Sliding-Faktor ist dadurch sehr hoch", erklärt Wolff. Bei Mercedes hat man mit diesem Belag höchst unterschiedliche Erfahrungen gemacht. "In der DTM waren wir hier irgendwo, da hat der Asphalt alles über den Haufen geworfen", ist der Wiener gewarnt. Allerdings gelten in der Königsklasse andere Vorzeichen. "Generell sind wir in der Formel 1, wenn wir auf einen neuen Belag kommen, nicht schlecht", nennt Wolff Baku als Beispiel. "Dort haben wir am Freitag das Auto hingestellt und nichts mehr verändern müssen." 

...die Einigung mit WM-Leader Nico Rosberg

Beim Thema Fahrer-Verträge wird bei den Silberpfeilen demnächst Ruhe einkehren. Während Lewis Hamilton ohnehin noch bis 2018 gebunden ist, verläuft auch bei den Verhandlungen mit Nico Rosberg alles nach Plan. "Nur noch Kleinigkeiten", würden laut Wolff fehlen. "Wir wollen es machen und ich denke, er auch. Aber unterschrieben haben wir noch nichts", sagt der Wiener am Donnerstag. Über seine Position bei den Verhandlungen beliebt er zu scherzen. "Drei Österreicher in einem Raum - das ist schwierig. Zumal zwei gegen einen verhandelt haben. Ich bin quasi übers Feld gelaufen, einer hat von vorne geschossen, einer hat von hinten geschossen", so Wolff. Rosberg überließ bekanntlich Gerhard Berger seine Position am Verhandlungstisch. Einzig wie lange der WM-Leader unterschreiben soll, wollte Wolff nicht verraten: "Mehrjährig. Ich sag es deswegen so blöd, weil das ein Faktor wird mit dem Lewis-Vertrag, der parallel läuft, und ich möchte mir nicht ganz in die Karten schauen lassen, wann ich wen verlängern muss." Von mindestens zwei Jahren kann man aber ausgehen.

Nach Rennen zwischen 1970 und 1987 feierte der GP von Österreich 1997 sein erstes Comeback. Das ist seither passiert.

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In seiner letzten Saison als Formel-1-Pilot fuhr Gehard Berger beim Heimrennen auf Platz zehn. Bild 2 von 27
Der Sieg ging an den Williams-Piloten und späteren Weltmeister Jacques Villeneuve. Bild 3 von 27
Ein Jahr später feierte Alexander Wurz im Benetton seine Heimpremiere. Er musste sich mit Rang neun begnügen. Bild 4 von 27
Der Sieg war in diesem Jahr ein Fall für die Silberpfeile von McLaren Mercedes. Bild 5 von 27
Mika Häkkinen triumphierte vor Teamkollege David Coulthard. 77.000 Zuseher feierten den späteren Weltmeister. Bild 6 von 27
1999 lief es für Wurz wesentlich besser. Mit Platz fünf holte er als erster Österreicher seit Lauda 1984 Punkte im eigenen Land. Bild 7 von 27
Der Sieg ging etwas überraschend an den Iren Eddie Irvine. Bild 8 von 27
Der Ferrari-Pilot ließ Coulthard und Häkkinen hinter sich. Bild 9 von 27
2000 blieb Wurz im Benetton als Zehnter erneut ohne Punkte. Bild 10 von 27
Nach dem Ausfall von Michael Schumacher in Kurve eins war der Weg frei für Pole-Setter Mika Häkkinen. Bild 11 von 27

Der "Flying Finn" entschied das Rennen vor Coulthard und Rubens Barrichello für sich.

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Ein Jahr darauf setzte Michael Schumacher von der Pole Position aus zum Sieg an. Im Rennen fiel er aber zurück. Bild 13 von 27

Erst als Jean Todt: "Let Michael pass for the championship" an Barrichello funkte, erbte der Deutsche Platz zwei.

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Ganz oben am Podium jubelte Coulthard vor den beiden Ferrari-Piloten. Bild 15 von 27

Im Jahr darauf sollte es noch dicker kommen. Barrichello startete von der Pole Position und führte das ganze Rennen über.

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Nach einem erneuten Befehl aus der Box ließ der Brasilianer Schumi aber auf der Zielgeraden vorbei. Bild 17 von 27

Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert überließ der Deutsche Barrichello Platz eins bei der Siegerehrung, die volle Punktezahl ging aber natürlich an den Kerpener.

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2003 war schon vor dem Rennen bekannt, dass es das vorerst letzte Gastspiel der Formel 1 in Spielberg sein wird. Bild 19 von 27
Schumacher siegte damals ohne Hilfe vor den Augen von über 100.000 Zuschauern. Bild 20 von 27

Kimi Räikkönen belegte Platz zwei, Barrichello wurde beim Abschied vom A1-Ring Dritter.

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Beim großen Comeback 2014 sorgte Williams mit der Pole für Felipe Massa und Platz zwei für Valtteri Bottas für eine faustdicke Überraschung!

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Im Rennen schlugen die übermächtigen Silberpfeile in Person von Nico Rosberg zurück. Er gewann knapp vor Teamkollege Lewis Hamilton und Bottas.

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Die Schlagzeilen gehörten am Rennsonntag diesem jungen Mann nach der Interpretation "seiner" Bundeshymne.

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2015 wollte sich Hamilton für die Niederlage gegen seinen Teamkollegen im Vorjahr revanchieren. Er startete von der Pole Position.

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Schon in Kurve eins folgte aber der Führungswechsel, außerdem kam es zu einem bösen Crash zwischen den Routiniers Kimi Räikkönen (Ferrari) und Fernando Alonso (McLaren), der zum Glück glimpflich endete.

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Rosberg gewann am Ende deutlich vor Hamilton, Platz drei ging an Massa.

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...den Brexit als Bedrohung für die Formel 1

Die Causa Prima in Europa ist auch im Formel-1-Paddock in Spielberg großes Thema. Während Fahrer und Teamverantwortliche in ihren Motorhomes Interviews geben, flimmern im Hintergrund über die TV-Schirme aktuelle Meldungen zu Großbritanniens Entscheidung, die EU zu verlassen über den Schrim. Was bedeutet der Brexit für die Königsklasse? "Bei uns macht das einen großen Unterschied, weil wir in Pfund bezahlt werden. Für die vielen Ausländer, die im Team arbeiten, bedeutet eine Pfund-Schwäche eine Kaufkraftschwächung im eigenen Land", schildert Wolff. In letzter Konsequenz müsse man auch über England als Standort des F1-Teams nachdenken: "Für uns stellen sich konkrete Fragen: Was passiert mit den Mitarbeitern, die wir in England haben, die aus der EU kommen? Können die dann weiterarbeiten? Sind wir dann als Standort in England weiterhin attraktiv oder wird es notwendig sein, sich in der EU nach etwas umzuschauen?" Mit Mercedes, Red Bull, Williams, Renault, McLaren-Honda, Force India, Manor und Haas betreiben derzeit acht von elf Teams Fabriken in England. Die Entscheidung Großbritanniens kann Wolff in keinster Weise nachvollziehen: "Für mich ist das politischer Aktionismus, der ein Land in eine unmögliche Situation stößt."

...die Formel 1 im Jahr 2017? "Affengeil! Aber..."

Nach der Motoren-Revolution 2014 steht im kommenden Jahr wieder eine Erneuerung an. Die Autos werden breiter, die Reifen ebenso und die Geschwindigkeit der Boliden soll sich noch einmal steigern. "Ich habe das Modell im Windkanal gesehen und sieht echt affengeil aus", meint Wolff. Allerdings ist er sich nicht sicher, ob sich dadurch automatisch mehr Spannung ergibt: "Hoffentlich ist das Überholen durch die steigende g-Kraft auch so gut. Und hoffentlich enteilt ein Team nicht den anderen." Warum man nächstes Jahr in puncto Reglement so viel ändert, kann der 44-Jährige nicht hundertprozentig nachvollziehen: "Jetzt haben wir spektakuläres Racing, im nächsten Jahr werden alle Motoren auf einem Level sein und jetzt erfinden wir das Reglement neu. Wenn jetzt abgestimmt werden müsste, wäre die Änderung sicher nicht durchgegangen." Der Sport lebe eben von Veränderungen. Auch von kurzfristigen. "Da man auch hier Aktionismus an den Tag legt, geht es nur darum, schnell etwas zu ändern, um Mercedes zu beschneiden."

 

Aus Spielberg berichtet Andreas Terler

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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