"2017 wollen wir immer um Punkte kämpfen"

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Früh in der Saison hat sich Haas F1 bereits dem Boliden für die nächste Saison gewidmet.

"Wir haben in dieser Saison schon mehr Punkte gemacht, als wir geplant haben, deswegen wäre es blöd, wenn wir jetzt einen Haufen Geld ausgeben und dann nächstes Jahr ganz hinten stehen", erklärt Teamchef Günther Steiner im LAOLA1-Interview.

Dass das Team für seine Herangehensweise kritisiert wird, stört den Südtiroler nicht: "Wir haben einfach das Reglement gelesen!"

Haas bezieht einen wesentlichen Teil aller technischen Komponenten des Boliden von Ferrari, das Chassis stammt von Dallara aus Italien. Kritiker bezeichnen das US-Team daher zumeist als "B-Rennstall" von Ferrari.

Der Erfolg gibt dem Team jedoch recht. Dafür nimmt Steiner wenig Freizeit in Kauf.

 

LAOLA1: Haas F1 hat zum Auftakt der Saison alle überrascht, danach waren Punkte nur schwer zu ergattern. Steht das Team mittlerweile dort, wo man es realistischerweise erwarten durfte?

Günther Steiner: Ich würde sagen, dass wir durch die Punkte zum Saisonauftakt besser dastehen als erwartet. An guten Tagen liegen wir im vorderen Mittelfeld, an schlechteren Tagen im hinteren Mittelfeld. Aber wir sind nicht Letzter und haben uns keine Blöße gegeben. Das war uns wichtig. Die Formel 1 ist in diesem Jahr enger beisammen, speziell das Mittelfeld. Da ist es schwierig, immer in die Punkte zu kommen. Wir waren auch schon drei Mal Elfter. Knapp daneben ist eben auch vorbei.

LAOLA1: Das klingt nach einer zufriedenen Zwischenbilanz.

Steiner: Absolut. Natürlich haben wir auch Probleme, aber wir können gut mit unserer Situation umgehen, sind nicht enttäuscht, arbeiten hart und lernen viel. Nächstes Jahr soll der nächste Schritt folgen, damit wir jedes Mal um die Punkte kämpfen können.

LAOLA1: Die Problemfelder waren zuletzt unterschiedlicher Natur. Worüber zerbrechen Sie sich derzeit am meisten den Kopf? 

Steiner: Die Reifen zu verstehen und sie immer ins richtige Arbeitsfenster zu bekommen ist eine große Herausforderung, aber das ist nicht unsere größte Baustelle. Es ist der Schlüssel, um Erfolg zu haben, wenn man keinen Mercedes zur Verfügung hat.

"Platz fünf oder sechs in der Konstrukteurs-Wertung ist absolut drin."

LAOLA1: Chefingenieur Ayao Komatsu hat gemeint, dass das Auto sein Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft hat. Was ist denn realistischerweise möglich?

Steiner: Platz fünf oder sechs in der Konstrukteurs-Wertung ist absolut drin. Das Auto ist nicht schlecht, auch wenn wir wissen, dass wir uns noch verbessern müssen.

LAOLA1: Dennoch wurde der Fokus bei Haas sehr früh auf die Entwicklung für das nächste Jahr gelegt.

Steiner: Das aktuelle Auto fährt noch elf Rennen, das nächste fünf Jahre. Da ist eine gute Basis umso wichtiger. Wir haben in dieser Saison schon mehr Punkte gemacht, als wir geplant haben, deswegen wäre es blöd, wenn wir jetzt einen Haufen Geld ausgeben und dann nächstes Jahr ganz hinten stehen.

LAOLA1: Wartet in der Entwicklung hinsichtlich des veränderten technischen Reglements eine besondere Herausforderung?

Steiner: Nein. Es geht vor allem um aerodynamische Effizienz. Wir müssen uns bestmöglich an die Vorgaben anpassen. Das sind immer dieselben Dinge.

LAOLA1: Wie zufrieden sind sie mit der Performance Ihrer beiden Fahrer Romain Grosjean und Esteban Gutierrez?

Steiner: Romain ist tolle Rennen gefahren. Auch Esteban hat gute Leistungen gezeigt, aber wir hatten als Team zu viele Probleme mit dem Auto von Esteban. Wir versuchen, diese auszumerzen, damit er zeigen kann, was wer wirklich drauf hat.

LAOLA1: Grosjean wurde im Verlauf seiner Karriere immer wieder mit Top-Teams in Verbindung gebracht. Besteht die Gefahr, dass man ihn nach dieser Saison verliert?

Steiner: Die Fahrerplanung ist bei uns noch kein Thema. Wir haben gesagt, dass wir die Europa-Saison abwarten wollen und dann entscheiden, was wir machen. Wir haben Verträge mit beiden Fahrern, müssen also keine Panik schieben.

"Wir haben schließlich nichts Verbotenes getan, sondern einfach das Reglement gelesen."

LAOLA1: Haas F1 wird in seinem Debütjahr nicht nur positiv besprochen. Fassen Sie es als Beleidigung auf, wenn man Ihren Rennstall als "Ferrari-B-Team" bezeichnet?

Steiner: Nein. Wenn das die Meinung mancher Leute ist, akzeptiere ich das. Für mich zählt das Resultat. Die letzten vier, fünf neuen Teams haben nicht das gemacht, was wir gemacht haben, deswegen bin ich ziemlich stolz. Wir haben schließlich nichts Verbotenes getan, sondern einfach das Reglement gelesen. Wenn es verboten gewesen wäre, wären wir längst dafür bestraft worden. Ein paar sind bestimmt nicht glücklich, dass wir so gut dastehen. Aber wir sind es.

LAOLA1: Fühlen Sie sich mittlerweile als Team im Paddock ausreichend respektiert?

Steiner: Ich glaube schon, ja. Wir schlagen uns respektabel und verhalten uns ordentlich. Manche bringen uns mehr Respekt entgegen, manche weniger. Aber das ist im Leben so. 

LAOLA1: Glauben Sie, dass das Modell von Haas für kleine Teams beispielgebend sein kann oder vielleicht sogar muss, um langfristig zu überleben?

Steiner: "Muss" bestimmt nicht. Aber wir haben eine Alternative gegeben und gezeigt, dass es so funktioniert und man nicht den harten, mühsamen Weg gehen und alles selber erfinden muss.

LAOLA1: Das Team operiert von drei Standorten (USA, Italien, England) aus, dazu gibt es 21 Rennen in dieser Saison. Wie darf man sich ihren Alltag vorstellen?

Steiner (lacht): Anstrengend, sehr anstrengend. Aber wir haben es so geplant und das müssen wir durchziehen. Außerdem funktioniert unser Prinzip nur so. Wir haben auch durchdacht, es anders zu machen, aber dann würden wir Performance verlieren. Ich habe die Mühe für mich kommen sehen. Es ist anstrengender, als ich es mir gedacht habe, aber ich versuche, das Beste daraus zu machen.

LAOLA1: Bleibt da überhaupt Zeit, auch einmal abzuschalten?

Steiner: Sehr selten. Aber so etwas kann man nur machen, wenn man es machen will. Es bringt nichts, sich dazu zu zwingen. Ich versuche, meine Familie so gut es geht mitzunehmen und Zeit mir ihr zu verbringen. Wenn ich Freizeit habe, mache ich so wenig wie möglich. 

 

Das Interview führte Andreas Terler



Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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