"Wollen kein Geld verschwenden, wie andere Teams"

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Die Formel-1-Saison 2015 ist beinahe Geschichte, der Weltmeister steht mit Lewis Hamilton fest.

Es wird also Zeit, einen Blick auf das kommende Jahr zu riskieren und siehe da – ein neues Team zieht in den Zirkus der Königsklasse ein: Das Team Haas.

Rennstall Nummer elf gehört dem US-amerikanischen Unternehmer Gene Haas, der sich bereits in der Nascar-Serie einen Namen gemacht hat. Sein F1-Team, das in einer engen Partnerschaft zu Ferrari stehen und von der Scuderia mit Power Unit, Getriebe und Aufhängung ausgestattet wird, soll kein Junior-Team à la Toro Rosso sein, sondern direkt um WM-Punkte kämpfen.

Anders sein

Eigentümer Gene Haas hat große Pläne - er will alles anders machen als viele Teams vor ihm. Damit meint er vor allem: besser. Denn die letzten neuen Rennställe, die sich in der Königsklasse versuchten - HRT (2010 bis 2012) und Caterham (2010 bis 2014) - sind bekanntermaßen bereits wieder von der Bildfläche verschwunden. Auch Virgin Racing alias Marussia alias Manor hat es alles andere als einfach und fährt zwar weiter - allerdings nur hinterher.

"Wir haben einen ganz anderen Plan als andere Teams", verkündet Haas, der sein Vermögen mit dem Verkauf von Werkzeugmaschinen gemacht hat.

"Ein Teil davon: Wir wollen kein Geld verschwenden, wie es viele andere Teams gemacht haben. Unser Plan sieht vor, hauptsächlich Partner von Ferrari zu sein und viel Technologie von ihnen zu erhalten." Dazu darf das Team auch den Windkanal in Maranello nutzen.

Besser als Ferrari?

Doch nicht alles ist wie bei der Scuderia.

"Unser Chassis wird substanziell anders konstruiert sein als das von Ferrari, weil wir es separat fertigen. Wir denken, dass unser Chassis in mancher Hinsicht besser sein wird, als das Ferrari-Chassis", gibt sich Haas gegenüber "Sky Sports" mehr als zuversichtlich. Das Chassis kommt vom italienischen Hersteller Dallara.

"Der Ferrari ist konventioneller und sie werden bei dem bleiben, was sie schon seit ein paar Jahren gemacht haben. Da kann es ein paar große Unterschiede geben. Wenn wir da draußen sind, wollen wir sie schlagen. Wir werden nicht zurückstecken", sagte der 62-Jährige, dessen Rennstall zunächst über ein Budget von 100 Millionen Dollar - im Vergleich zu den Topteams kann man beinahe von einem Low-Budget-Projekt sprechen - verfügt.

"Die Kosten sind ein Problem", muss er zugeben, sagt jedoch auch: "Wir sind nicht abhängig von Preisgeldern, um an den Start zu gehen. Und wir brauchen dafür auch nicht zwingend irgendwelche Sponsoren."

Die F1 in den USA populärer machen

Das neue Team, bei dem der Südtiroler Günther Steiner als Teamchef fungiert, soll zudem den schwierigen Stand der Formel 1 in den USA verbessern. Dort hat Nascar den Nummer-1-Status inne, auch die IndieCars erfreuen sich großer Beliebtheit.

"Wir werden sicherlich keine Rennen gewinnen", bleibt Steiner, der einst für Red Bull arbeitete, auf dem Teppich.

"Aber wir haben ein gutes Paket. Wir haben noch kein Auto, aber wir können es schaffen."

Noch kein Bolide in Sicht

Laut Gründer Haas muss er sich darum keine Sorgen machen. "Wir werden rechtzeitig zum Saisonstart fertig sein", verspricht dieser. Demnach soll das neue Auto zu den ersten Testfahrten des Jahres 2016, also am 22. Februar in Barcelona, einsatzbereit sein.

"Wir haben unsere täglichen Probleme, jedoch arbeiten schon viele gute Leute für uns. Daher erreichen wir auf allen Ebenen Fortschritte."

Rund 200 Arbeiter sind in den Teamfabriken im englischen Banbury sowie im Headquarter in Kannapolis (North Carolina) angestellt.

Zwei alte Bekannte

Die Piloten, die für das US-amerikanische Team im Cockpit sitzen werden, stehen mit Romain Grosjean, der von Lotus kommt, sowie dem ehemaligen Sauber-F1- und aktuellen Ferrari-Test- und Ersatzfahrer Esteban Gutierrez bereits fest.

Auf der einen Seite hat man also mit dem 29-jährigen Grosjean einen Routinier, der bisher 81 Grand Prix bestritten hat und dabei zehnmal auf dem Podest landete, verpflichtet.

"Wir wollten einen erfahrenen Fahrer, der unser Auto weiterentwickelt und uns zu einem Team macht, das Punkte holt", begründet Haas die Verpflichtung des Franzosen. Der einstige "Crashpilot" rechnet sich durch diesen Wechsel mittelfristig große Chancen auf ein Ferrari-Cockpit aus und nimmt auch schon Italienisch-Stunden.

"Es ist gut zu wissen, dass ich ein Team aufbauen kann, das die Unterstützung von Ferrari hat. Vor diesem Hintergrund war das Angebot an mich ziemlich sexy", so der ehemalige Bankangestellte, der eines Tages Weltmeister werden will. "Ich weiß, dass ich den Titel nicht dieses oder nächstes Jahr gewinne – aber vielleicht später."

Risiko gibt es immer

"Und wer weiß: Vielleicht bekommst du ein Angebot von irgendwoher – einem Weltmeisterauto – dann springst du rein und versuchst es. Es geht nur um Gelegenheiten", fügt er hinzu.

Dem Risiko, für ein komplett neues Team zu starten, sieht er gelassen entgegen. "Das Leben ist ein einziges Risko", erklärt er lapidar im Interview mit "formula1.com".

Er sei aber vom Potenzial von Haas überzeugt. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir überraschen können. Und die Zusammenarbeit mit Ferrari ist ein kalkulierbares Risiko."

Jung und hungrig

Auf der anderen Seite hat man Esteban Gutierrez verpflichtet.

Der 24-Jährige hat erst zwei Jahre als Stammpilot bei Sauber in den Knochen. Seine Rolle ist es, dem Rennstall - vor allem durch seine Erfahrung als Ferrari-Testpilot - bei der Entwicklung zu helfen.

"Wir sind froh, Esteban als Teil unseres Teams begrüßen zu dürfen. Er ist jung und hungrig, aber nicht unerfahren", freut sich Haas.

Großes erreichen

"In seiner Rolle als dritter Fahrer hat er von den Besten gelernt", begründet Steiner die Entscheidung für den Mexikaner.

"Er weiß also, wie sie ihre aktuellen Autos entwickelt haben. Er war ein großer Teil davon und das wird er auch bei der Entwicklung unserer Autos sein." Im Gegensatz zu Grosjean, der natürlich noch keinen Zutritt in Maranello bekommt, so lange er noch bei Lotus unter Vertrag steht.

"Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, die auf meiner Zeit bei Ferrari aufbaut", findet Gutierrez. "Ich werde das Beste daraus machen. Gene Haas glaubt an mich, und ich glaube daran, wie er die Formel 1 in Angriff nimmt. Es ist etwas Spezielles, ein Cockpit in einem konkurrenzfähigen Auto mit Ferrari-Power zu haben. Gemeinsam können wir Großes erreichen."

 

Henriette Werner

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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