Olympia ist Geschichte: Doch was bleibt Rio?

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Nachdem die letzte Goldene vergeben und die letzte Feuerwerks-Rakete im Nachthimmel Rios vereendet ist, stellt sich endgültig die Frage: Was bleibt von den Sommerspielen in Rio?

In den Geschichtsbüchern finden die Bilder eines Michael Phelps, eines Usain Bolt oder auch eines Ryan Lochte Eingang. Doch was bleibt für Rio? Was für seine Menschen?

Als die Stadt unterm Zuckerhut 2009 als erster südamerikanischer Austragungsort Sommerspiele zugesprochen bekam, hatte der damalige brasilianische Staatschef Luiz Ignacio Lula da Silva unter Freudentränen verkündet, dass dies der Eintritt seines Landes in die Liga der "Erste-Klasse-Nationen" sein würde.

Die Wahrheit als Tochter der Zeit

Die Wahrheit als Tochter der Zeit sollte Lula eines Besseren belehren. Nichts ahnend von der schlimmsten Wirtschaftskrise des Landes seit den 30er-Jahren. Nicht zu vergessen die zwei Jahre zuvor bereits schwer zu stemmende FIFA-WM. Schon damals hatten namhafte IOC-Mitglieder von der schlimmsten Olympia-Vorbereitung gesprochen, die sie je gesehen hatten. Katastrophe voraus!

Nach dem Erlöschen der Olympischen Flamme ist nun klar, dass das Desaster ausblieb. Kein massives Zika-Problem, keine Terror-Vorfälle wie wir sie aus Europa kennen, sogar die U-Bahn und die Sportstätten wurden (beinahe vollständig) fertig. Dafür gebührt Rio zweifelsohne Respekt.

"Falls wir das Ausbleiben einer Katastrophe als Olympia-Erfolg werten, dann ist Rio als solcher einzustufen", sagt Jules Boykoff, Professor an der Uni in Oregon sowie Verfasser von Büchern über die politische Geschichte Olympias. "Aber tun wir das tatsächlich, setzen wir die Latte zu tief an", relativiert er gegenüber "Reuters".

Auch die Haltung der Cariocas orientiert sich an den von Lula geweckten Erwartungen, die für die geschätzten Gesamtkosten von rund zwölf Milliarden Euro letztlich bitter enttäuscht wurden. Geld, das anderswo eigentlich dringender gebraucht würde.

Erst der Geruch macht sicher

Dass das Land schwer Schlagseite hat, darüber konnte auch die vom IOC aufgebaute Blase nicht hinwegtäuschen. Bei jeden Spielen wird dem Veranstalterland für zwei Wochen ein Maß-Anzug an bunten Farben, gestylten Arenen und Erfolgs-Geschichten übergestülpt. All das Hässliche im Leben wie Armut oder Kriminalität hat dort keinen Platz, wird ausgeblendet.

In Rio gelang das nur bedingt. Zu groß waren die Nöte der Menschen, zu unaufhaltsam das hiesige Leben. Oder wie es die deutsche Tageszeitung "Die Zeit" in Bezug auf die beißend stinkende Kloake rund um die "heile Welt" Olympia-Park ausdrückte: "Die Armen lassen sich aussperren, ihre Scheiße nicht."

Was Rio letztlich bleibt, sind flüchtige Momente des Glücks (wie jener des Fußball-Triumphs über Deutschland) eines in Summe jedoch geplatzten Traumes. Realität ist hingegen die metaphorische Kloake, in der man tiefer drinnen steckt als je zuvor.


Hier ein Ausblick auf die nächsten Sommerspiele:


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