Kollektives Versagen wirft viele Fragen auf

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Österreich ist bei der EURO 2016 in Frankreich kläglich gescheitert. Vom Grusel-Kick gegen die Ungarn hat sich der gesamte rot-weiß-rote Tross nicht mehr erholt. Ein kollektives Versagen. Einmal wie aufgeschreckte Hühner, dann wieder pomadig, müde und schwerfällig, schleppte sich die formschwache Auswahl durch das Turnier.

Die erfolgreiche Qualifikation für die erstmalige Teilnahme an einer EM-Endrunde hat sich längst relativiert. Das scheinbar grenzenlose Selbstvertrauen ist einer naiven Verunsicherung und Hektik gewichen. Russland, Schweden und Österreich – gemeinsam in einer Quali-Gruppe - sind sang- und klanglos ohne einen einzigen Sieg mit einem einzigen Pünktchen wieder abgereist, ehe die EURO erst richtig beginnt.

Eine völlig falsche Taktik und Personalwahl im entscheidenden Spiel gegen Island zeigt auch, dass Marcel Koller auf der großen Bühne des Welt-Fußballs noch nicht angekommen ist und  wie seine Truppe viel Lehrgeld zahlen musste. Die Dreierkette war zum Scheitern verurteilt, ein selbstbewusstes Energiebündel wie Alessandro Schöpf auf der Bank zu lassen, war grob fahrlässig. Naivität, Selbstüberschätzung und eine falsche Planung haben den ÖFB um die Früchte des Erfolgs gebracht.

Warum eine "goldene Generation" ausgerechnet bei ihrer Meisterprüfung derart ausgebrannt, lustlos, fehlerhaft und naiv agiert, muss ohne Wenn und Aber aufgearbeitet werden. Jetzt alles wieder in Frage zu stellen, ist dabei allerdings der völlig falsche Weg.

Das viele bittere Lehrgeld ist nur gut investiert, wenn aus der Blamage die richtigen Lehren gezogen werden. Ein Etappenziel zu erreichen (Endrunden-Teilnahme) ist das eine, das große Ziel aus den Augen zu verlieren, das andere. Schlag nach bei der WM 1990 in Italien, bei der WM 1998 in Frankreich und mit Abstrichen bei der Heim-EURO 2008. Da wie dort haben große Feierlichkeiten im Vorfeld die Erwartungen in schwindelerregende Höhen geschraubt. Eine gute Halbzeit in drei Partien reicht nicht, um im Konzert der Großen mitzugeigen.

Der ÖFB hat sich in den letzten Jahren in die Herzen der heimischen Fans gespielt. Österreichs Anhang hat sich als absolut EURO-tauglich erwiesen, der eine oder andere Medienpartner des ÖFB hat da noch großen Aufholbedarf und warf jenseits jeglicher Realität eine Marketing-Maschinerie an, die höchstens einem Weltmeister oder dem künftigen Europameister, aber nicht dem Fußball-Zwerg ÖFB gerecht wird. Wird bei der WM-Endrunde 2018 in Russland auch das Mittagessen der ÖFB-Elf im ORF live übertragen? Dass sich der ÖFB derart vor den Karren hat spannen lassen, passt ebenso ins Bild wie der Zick-Zack-Taktik-Schnellkurs des ansonsten so konservativen und besonnenen Teamchefs Marcel Koller.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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