Angst vor einer Husch-Pfusch-Lösung geht um

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Der Fußball ist im Umbruch! In Europa, aber auch in Österreich.

Nicht etwa, weil heute Michel Platini als Präsident der UEFA zurückgetreten ist. Der mächtige Franzose wollte bei seiner "Heim-EURO" als Chef dabei sein, doch der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in der Schweiz hat Platinis Sperre lediglich auf vier Jahre reduziert, aber nicht aufgehoben.

Ein Umbruch bahnt sich seit Monaten in der Champions League an. Die Super-Reichen (Vereine) wollen eine elitäre Super League, die künftig auch am Wochenende spielt und quasi eine Meisterschaft samt Vermarktungs-Maschinerie über ganz Europa stülpt. Für Österreichs Klubs hätte das nur bedingt Auswirkungen, da sowohl entsprechende Stadien als auch Vereine für so eine Liga fehlen.

Hierzulande beschäftigen sich die Experten zum gefühlten 977. Mal mit einer Reform des Liga-Formats. Jene Kräfte, welche die beiden Zehner-Ligen zu Grabe tragen wollen, haben derzeit ganz klar Oberwasser. Die weiter nebulose, verschwommene und von ÖFB und Bundesliga nie klar gezogene Schnittstelle zwischen Profi- und Amateur-Fußball, ist bis heute nicht gefunden. Dennoch wird heftig über eine mögliche 12er-, 14er- bzw. 16er-Liga diskutiert.

Achtung vor einer Mogelpackung! Man will dem Produkt ein neues Mascherl verpassen, ohne großartig die Ursachen des Niedergangs der Ersten Liga, sprich der zweithöchsten Spielklasse, aufzuarbeiten. Jahrelang haben sich Bundesliga-Manager mit Landes-Präsidenten um das Format, Auf- und Abstiegs-Regelungen und Jugendbestimmungen gestritten. Herausgekommen sind stets nur faule Kompromisse.

Der Wartungserlass des Finanzministeriums (seit 2015 bekannt!), wonach die Vereine ihren Profibetrieb ausgliedern müssen, ist bei viel zu vielen Verantwortlichen in der Schublade verschwunden oder wurde einfach nicht ernst genommen. Jetzt ist bei etlichen Vereinen, wie es Austria-Vorstand Markus Kraetschmer in einem LAOLA1-Interview drastisch formulierte, Feuer am Dach. Doch die Feuerwehr rückt nur schleppend aus. Wenn eine mögliche Änderung des Liga-Formats nur dazu dient, um den Brand zu löschen, sind die Hüter des heimischen Fußballs schlecht beraten. Dafür muss eine große Reform her. Keine Husch-Pfusch-Lösung, die heute von den Managern diskutiert und bereits Ende Juni beschlossen wird.

Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner hat keine Patentlösung zur Hand, warnt aber vor einem Schnellschuss der Bundesliga-Zentrale. "Wenn die Liga glaubt, sie kann ihr angebliches Parade-Format hinstellen und alles andere uns überlassen, wir sie sich täuschen", wird der Oberösterreicher zitiert. ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig, der dem (unwürdigen) Treiben im Amateurbereich 30 Jahre lang tatenlos zugesehen hatte, gleitet in die Pension und möchte sich bei der EURO in Frankreich noch einmal für "seine Heldentaten" feiern lassen. Hinter mir die Sintflut. Sollen doch meine Nachfolger die Suppe auslöffeln.

Ein gefährliches Szenario und eine ganz klare Aufforderung an alle, denen der Fußball wirklich am Herzen liegt, etwas Konstruktives und Nachhaltiges zu schaffen.

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