Ein unrealistischer ÖFB-Wunsch

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Das war schon eine interessante Nationalteam-Woche, muss man sagen.

Freilich, das mit Abstand Interessanteste steht mit dem WM-Quali-Auftakt gegen Georgien noch bevor, aber bei der ersten Zusammenkunft seit dem inzwischen unaussprechlichen Event in Frankreich war einiges los.

Und damit sind nicht einmal nur das verbale Abwatschen von RB Leipzig durch Martin Hinteregger oder der dezente Auszucker von Marko Arnautovic in der angeblichen Causa Tellerwurf gemeint.

Über allem schwebte die Aufarbeitung der EURO. Oder auch nicht. Eine komplette Woche war es Thema. Oder auch nicht.

Die ÖFB-Kicker vermittelten durchaus glaubhaft den Eindruck, sich intensiv mit den Gründen für das Scheitern bei der EM auseinandergesetzt zu haben. Konkrete Erkenntnisse nennen wollten – vielleicht auch durften – sie nicht.

Marko Arnautovic versuchte mit seinem DICKEN PUNKT einen ersten Schlussstrich zu ziehen, Marc Janko versenkte diese Vorlage ganz in Goalgetter-Manier mit seinem Appell, diese Thematik endlich ruhen zu lassen und in die Zukunft zu schauen.

D’accord. Ganz ehrlich, mir hängt dieses Thema auch schon zum Hals raus. Der Wunsch aus dem ÖFB-Lager ist halt leider trotzdem unrealistisch. Vor allem aus zwei Gründen.

  •  Der gelegentliche Blick zurück nach Frankreich wird noch eine Zeit lang nicht ausbleiben, schließlich war das Nationalteam genau am erhofften Höhepunkt nicht da. Daraus wurden viel zitierte Lehren gezogen, wenngleich jene der Verantwortungsträger nicht gerade selbstkritisch ausfielen. Intern (Betreuer und Spieler) wie extern (Medien) gehört weiterhin überprüft, ob diese nun auch umgesetzt werden. Nur als Beispiel: Wird den Spielern in Zukunft nach ihrem mentalen Versagen in diesem Bereich gezielter unter die Arme gegriffen oder bleiben sie eher sich selbst überlassen? Kurzum: Wurschtigkeit aller Beteiligten und eine Alles-gleich-wie-bisher-Attitüde würde keinen Fortschritt bringen. Insofern ist der Blick in den Rückspiegel zu Vergleichszwecken bisweilen wichtig.

  • Zu fordern, nicht mehr über ein Thema aus der Vergangenheit zu reden, aber selbst proaktiv gerne darauf zurückzugreifen, wie etwa Teamchef Marcel Koller bei seiner Abschluss-PK vor dem Georgien-Spiel, funktioniert nicht wirklich. Kein Vorwurf, dass dies geschieht. Aufarbeitung ist notwendig, gerade von Trainer-Seite. Und auf die jüngsten Länderspiele zu referenzieren, ist Nationalteam-Alltagsgeschäft. Noch weniger funktioniert die Bitte, nicht in der Vergangenheit zu leben, jedoch, wenn man selbst ständig reflexartig auf die großartige EM-Qualifikation verweist. Dies geschah vor der EURO gebetsmühlenartig zur Beruhigung („Wenn’s drauf ankommt, schließen wir wieder daran an…“) und nun immer noch zur Beschwörung („Müssen jetzt wieder daran anschließen…“). Die schlechte Vergangenheit einfach auszublenden und die gute Vergangenheit gleichzeitig zu glorifizieren, ist keine gute Idee. Die bessere ist in Wahrheit: Die Erkenntnisse aus beiden Szenarien seriös aufarbeiten und mitnehmen, etwaige Fehler aus beiden Szenarien nicht wiederholen, weder das eine noch das andere überbewerten.

Den Quali-Erfolgslauf haben wir im Nachhinein wohl alle gemeinsam überwertet (abschließender Blick in diese Vergangenheit), mit dem EM-Aus sollten wir selbiges nicht tun (Gegenwarts-Aussage). Denn das ÖFB-Leben geht weiter, das Potenzial stimmt nach wie vor optimistisch – nicht zuletzt dank eines intakten Kerns dieser Mannschaft und interessanter Nachrücker (Zukunfts-Hoffnungen).

Das Tempo, in dem die EURO in Vergessenheit gerät, liegt letztlich am ÖFB-Team selbst. Selbstverständlich können Medienvertreter bezüglich Nachfragen auf die Bremse steigen, aber noch viel sachdienlicher wäre es, wenn die Mannschaft in punkto Ergebnisse Gas gibt und Spiele gewinnt. Erfolg heilt im Sport etwaige Wunden immer noch am schnellsten.

Gar nicht auszudenken wäre, wenn etwa das Georgien-Spiel – und das ist so gesehen durchaus ein Schlüsselspiel - verloren ginge. Dann würde die EM wohl endgültig als Beginn einer Abwärtsspirale dargestellt werden. Als Rückschlag, von dem sich dieses Team nicht mehr erholt hat. Als erster Teller, der zu Bruch ging.

Nach der EM war der Motor des befürchteten, österreichischen Selbstzerstörungsmechanismus schon angeworfen, leider vor allem von medialer Seite. So richtig in Fahrt kam er Gott sei Dank nicht. Dass der – in einem Blatt – kolportierte Tellerwurf in die Kategorie bösartige Fantasie fällt, sollte inzwischen glaubhaft bestätigt sein.

Aber in (und bei) Österreich gibt es viele Dichter – und möglicherweise auch andernorts, selbst wenn der Sommer nun am Ende ist.

Man möge uns einen ähnlich unappetitlichen Herbst ersparen.

LAOLA Meins

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