Kapitän Alaba? Zu früh!

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Der Kapitän geht von Bord.

Der ÖFB-Rücktritt von Christian Fuchs mag überraschend kommen, ist jedoch angesichts des „Dreiecks“ in seinem Leben zwischen England, USA und Österreich auch irgendwo nachvollziehbar.

Der 30-Jährige bastelt längst an der Karriere nach der Fußball-Karriere in Europa, sein Lebensplan sieht in zwei Jahren die Übersiedlung nach New York vor und der vermutliche Wunsch, in Zukunft in Länderspiel-Pausen mehr Zeit für seine Familie zu haben, wäre verständlich.

Der Abgang des Leicester-Champions hinterlässt gleich zwei offene Nachfolge-Fragen – einerseits im Amt, andererseits auf seiner Position.

In beiden Fällen avancierte Fuchs zur Konstante. Mit seiner Beförderung zum Spielführer waren einige etwas chaotische Jahre, in denen die Kapitäns-Schleife nach der Ausbootung von Andreas Ivanschitz zur Wanderschleife geriet, beendet. Unter Teamchef Marcel Koller stellte sich die K-Frage bislang de facto nicht.

Denn mir persönlich erscheint ein misslungenes Turnier, in dem Alaba zudem eineinhalb Hälften lang nicht auf seiner herkömmlichen Mittelfeld-Position eingesetzt wurde, als zu geringes Sample, um ihm im Zentrum das Vertrauen generell zu entziehen.

Und 78 Länderspiele, mit denen sich der Niederösterreicher immerhin auf Platz acht der ewigen Rangliste einreiht, symbolisieren, dass auf seiner Position im letzten Jahrzehnt zunehmend weniger Konkurrenzkampf herrschte – und an einem Überfluss an qualitativ guten Lösungen in der Außenverteidigung darf sich Österreich ohnehin nicht erfreuen.

In beiden Fragen der Erbfolge spielt David Alaba eine entscheidende Rolle.

Nach seiner schwachen Mittelfeld-Performance bei der EURO sind die Rufe lauter geworden, ihn auch im Nationalteam links hinten einzusetzen. Das ist auch eine nicht auszuschließende Variante, sollte Koller mit den vorhandenen Linksverteidiger-Alternativen nicht glücklich sein.

Die aufgelegte Variante ist jedoch, zuerst einmal mit Fuchs‘ „ewigen Backup“ Markus Suttner in die WM-Qualifikation zu starten und gleichzeitig eine jüngere Alternative heranzuführen, sei es Stefan Stangl, Christoph Martschinko oder Ylli Sallahi.

Denn mir persönlich erscheint ein misslungenes Turnier, in dem Alaba zudem eineinhalb Hälften lang nicht auf seiner herkömmlichen Mittelfeld-Position eingesetzt wurde, als zu geringes Sample, um ihm im Zentrum das Vertrauen generell zu entziehen.

Ich glaube nach wie vor daran, dass der Bayern-Star im ÖFB-Team dort am besten aufgehoben ist und würde auch das für gewöhnlich hervorragend harmonierende und blind eingespielte Dreieck mit Julian Baumgartlinger und Zlatko Junuzovic nicht zerstören. Dass Letzterer bei der EM früh weggebrochen ist und sein Fehlen eine negative Kettenreaktion ausgelöst hat, sollte nicht grundsätzlich etwas in Frage stellen, von dem man weiß, dass es gut funktionieren kann.

Der Beweis, dass andere Varianten besser klappen, fehlt bislang, was nicht heißt, dass man es nicht probieren kann. Wer weiß, vielleicht war zum Beispiel die Dreierkette ja kein einmaliges Experiment – in einer solchen ist natürlich auch die Positionierung Alabas neu zu bewerten.

Ich denke, Koller tat gut daran, Alaba diesen zusätzlichen Rucksack vorerst zu ersparen.

Richtig spannend wird die Antwort auf die Nachfolge-Frage als Kapitän, wenngleich sie im Vergleich zum Erbe auf dem Feld eher symbolischen Charakter hat. In dieser ÖFB-Elf gab es nämlich schon bisher auch andere Leader-Typen neben Fuchs.

Beleuchten wir auch hier zuerst die Rolle Alabas.

Von seinem Können und seinem Status her wäre er irgendwann logischerweise der aufgelegte Kapitän. Die Betonung liegt auf irgendwann.

Ich denke, Koller tat gut daran, ihm diesen zusätzlichen Rucksack vorerst zu ersparen.

Inzwischen ist der Wiener 24 Jahre alt – ein Alter, in dem man über diese Verantwortung durchaus nachdenken könnte und vermutlich auch sollte. Aber in meinen Augen hat die EURO gezeigt, dass es noch zu früh kommt. Schon ohne Schleife am Arm hat sich Alaba zu viel Druck gemacht, wollte alles zerreißen und ist dieser Erwartungshaltung nicht gerecht geworden.

Der Teamchef sollte noch zuwarten, seinem Superstar diese zusätzliche Aufgabe mit auf den Weg zu geben, zumal es eine Handvoll weiterer Kandidaten gibt.

Fakt ist, dass der neue Spielführer aus dem Kreis der unumstrittenen Stammspieler kommen muss, und da gab es ja zumindest bei Turnierbeginn noch einige.

Der bisherige Ersatz-Kapitän Marc Janko ist inzwischen 33. Wie es mit ihm im ÖFB-Dress weitergeht, bleibt abzuwarten, von dem her wäre er tendenziell nicht die zukunftsträchtigste Wahl. Sollte er dem Nationalteam erhalten bleiben, zählt seine Stimme auch so.

Ähnlich ist es bei Martin Harnik. Der „Piefke“ gehört mit seinem Auftreten zu den teaminternen Führungskräften. Es gilt jedoch abzuwarten, wie sehr sein Stammplatz wackelt. Jüngere Akteure wie Marcel Sabitzer sitzen ihm fraglos im Nacken, das hat schon der Frankreich-Ausflug gezeigt.

Christian Fuchs gibt seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt. Seine Teamkarriere im Zeitraffer:

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Der Niederösterreicher startete seine Teamkarriere bei der U17. Seine erste Einberufung war 2002. Es folgten 21 Spiele mit insgesamt sechs Toren. Highlight war der dritte Platz bei der U17-EM in Portugal.

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Anfang 2006 wurde er erstmals vom damaligen Teamchef Josef Hickersberger ins A-Team einberufen.

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Am 23. Mai 2006 gab der Verteidiger im Alter von 20 Jahren, einen Monat und 16 Tagen sein Debüt. Bei der 1:4-Niederlage gegen Kroatien durfte er sechs Minuuten ran.

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Am 11. Oktober 2006 bestritt Fuchs gegen die Schweiz sein erstes Länderspiel über die gesamte Spielzeit. Österreich siegte mit 2:1.

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Hickersberger setzte auch weiterhin auf den damaligen Mattersburg-Profi und nominierte ihn in den 23-Mann-Kader für die Heim-EM 2008.

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Gegen Kroatien und Polen ohne Einsatzminute...

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... spielte Fuchs gegen Deutschland durch. Nach dem 0:1 endete für den ÖFB das Turnier vorzeitig.

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Am 3. März 2010 lieferte Fuchs seinen ersten Assist im Teamdress. Beim 2:1 gegen Dänemark bereitete er das 2:1-Siegtor von Wallner vor.

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Am 17. November 2010 gelang ihm sein erstes und bisher einziges Teamtor. Beim 1:2 gegen Griechenland erzielte er den zwischenzeitlichen Ausgleich.

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Bei der EURO 2016 führte Fuchs die Mannschaft drei Mal als Kapitän aufs Feld.

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Erfolg gab es keinen zu feiern: Nach zwei Niederlagen und einem Remis war vorzeitig Endstation.

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Wenige Tage nach dem EM-Aus gibt Fuchs den Abschied aus dem Nationalteam bekannt.

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LAOLA1 hat jedenfalls weitere Bilder von der Teamkarriere des Kapitäns:

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Ich denke, aus dem Kreis der übrigen Dauerbrenner heben sich mit Aleksandar Dragovic und Julian Baumgartlinger zwei Kandidaten ab.

Sicher ist die EM für Dragovic denkbar schlecht verlaufen, aber an seinem Status als Abwehrchef und eine der sportlich herausstechenden Figuren wird nicht zu rütteln sein. Auch als Persönlichkeit ist er in den vergangenen Jahren gereift und dieser Prozess wird sich hoffentlich fortsetzen.

Baumgartlinger wiederum ist derzeit so unumstritten wie nie. Er hat bei der EM seine Leistung gebracht, ist einer der ganz wenigen Gewinner des Turniers und hat in Mainz bereits Kapitäns-Erfahrung gesammelt. Schon in Frankreich musste er, da nicht mit sich selbst beschäftigt, ein wenig in die Rolle des öffentlichen Kommunikators schlüpfen und traf dabei nüchterne, sachliche, analytische, aber durchaus klare Ansagen.

Wer auch immer in Zukunft die Schleife trägt, von einem bis zur EURO bewährten Rezept sollte das ÖFB-Team nicht abrücken. Ich denke, Fuchs hat seine öffentliche Aufgabe gut gelöst, aber diese Mannschaft hat sehr wohl davon gelebt, dass es nicht den einen starken Mann gibt, der die Ansagen trifft, sondern die Verantwortung auf den Schultern mehrerer starker Persönlichkeiten verteilt war.

Ein Negativerlebnis wie diese EURO wird sicherlich auch für das Mannschaftsgefüge zum Test, daran führt kein Weg vorbei, das ist auch nichts Schlechtes. Der Beginn eines neuen Kapitels wie der WM-Qualifikation kann und wird wohl auch eine Adaption der teaminternen Hierarchie mit sich bringen.

Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass man hektisch von allem abrücken muss, was die längste Zeit funktioniert hat, auch wenn die Öffentlichkeit dies fordert. Im Gegenteil.




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