Pöltl in die NBA - mitfiebern und genießen

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Die Überraschung hielt sich in Grenzen, als Jakob Pöltl am Mittwoch verkündete, dass er seine College-Karriere nach zwei Jahren beenden wird und sich für den NBA-Draft im Juni anmelden wird. Zu stark waren seine Leistungen in der abgelaufenen Saison, als dass ein Verbleib für ein weiteres Jahr aus sportlicher Sicht Sinn gemacht hätte.

Schon im Vorjahr hatten viele die Meinung vertreten, der Wiener würde seinen Status für den Draft kaum verbessern können und das Risiko, Millionen durch eine Verletzung zu verlieren, wäre viel zu groß. Doch Pöltl hat seinem Gefühl vertraut und ist eine zweite Saison in Utah geblieben.

Sein Coach Larry Krystkowiak brachte es bei der Pressekonferenz am Mittwoch auf den Punkt: Die Zeit nach der College-Saison ist eine gefährliche. Viele Youngsters hätten bei dem gewaltigen Medieninteresse an den Entscheidungen pro oder contra NBA das Gefühl, etwas zu verpassen, viele falsche Entscheidungen würden getroffen werden. Pöltl widerstand 2015 der Verlockung, blieb besonnen und verbesserte sich seither enorm.

Handeln statt Reden, so umschrieb Krystkowiak die Tatsache, dass Pöltl hart an seinem Ziel, ready für die NBA zu werden, gearbeitet hat, ohne große Worte darüber zu verlieren. Anstatt den Sprung schon 2015 zu wagen und zu versuchen, in der Liga irgendwie zu überleben, nimmt der 20-Jährige das Abenteuer NBA nun in Angriff, um aufzublühen und Akzente zu setzen.

Es wird hart, „Big Boy Basketball“ wartet auf den „Baum“. Es ist keineswegs garantiert, dass Pöltl eine lange, erfolgreiche NBA-Karriere vor sich hat. Trotz seines großen Talents und seiner großen Fortschritte zeigte er durchaus auch in der abgelaufenen Saison Schwächen, besonders beim Ausscheiden aus dem NCAA Tournament. Vor allem seine Persönlichkeit ist es jedoch, die optimistisch stimmen darf und muss, und die es so einfach macht, Fan von Jakob zu sein.

Krystkowiak nannte Pöltls Zugang zum Sport, seinen Charakter, seinen fehlenden Egoismus und sein Spielverständnis neben den körperlichen Attributen als Parallelen zu Ex-Ute und -Nummer-1-Pick Andrew Bogut, der seit Jahren in der NBA erfolgreich ist und zuletzt mit den Golden State Warriors den NBA-Titel gewann. Die Voraussetzungen, sich in jeder Situation zurechtzufinden, sind gegeben.

Die Erwartungen in Pöltls Heimat sind groß. Obwohl das Basketball-Interesse in Österreich als unterdurchschnittlich bezeichnet werden muss, ist das Dürsten nach einem erfolgreichen rot-weiß-roten Protagonisten in der NBA riesig. Der gelegentliche Tritt auf die Euphorie-Bremse ist angebracht, andererseits: Warum soll man sich nicht der Vorfreude hingeben? Ein Österreicher, der das Basketballspielen teils in Volksschulhallen in Wien erlernt hat, bekommt die Chance, sich mit Superstars der Kategorie Steph Curry oder LeBron James im besten Fall über ein Jahrzehnt lang zu matchen, und man darf davon ausgehen, dass er als echter Sportsmann alles geben und sich nicht selbst im Weg stehen wird. Mitfiebern und genießen!

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