Kreissl muss sich neuen Aufgaben stellen

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Wer sich bei seinen ehemaligen Weggefährten erkundigt, dem werden Lobeshymnen auf Günter Kreissl gesungen. Der 41-Jährige hat in all den Jahren beim SC Wiener Neustadt – insgesamt waren es acht in diversen Funktionen – tolle Arbeit geleistet, das steht außer Zweifel. Ab 1. Mai ist der ehemalige Tormann-Trainer Geschäftsführer Sport beim SK Sturm – eine spannende und gute Wahl, zu der man den Grazern gratulieren darf.

Wie sich Kreissl in Graz schlagen wird, ist freilich noch nicht absehbar. Die Qualitäten, um in der Steiermark Erfolg zu haben, bringt er jedenfalls mit. Allerdings darf nicht unterschätzt werden, dass sich seine Arbeit in Graz von jener in Wiener Neustadt doch grundlegend unterscheiden wird.

In Wr. Neustadt war Kreissls Handlungsfreiheit lediglich von den Finanzen eingeschränkt, bei Sturm haben mit Franco Foda ein mächtiger Trainer, mit Gerhard Goldbrich sein Vorgänger, der sich von nun an auf andere Aufgaben konzentrieren soll, und mit Klub-Boss Christian Jauk drei weitere Männer, deren Egos nicht zu unterschätzen sind, ein Wörtchen mitzureden. Dass die Zusammenarbeit der drei Herren nicht immer ganz friktionsfrei abläuft, ist ein offenes Geheimnis. Der ausgewiesene Teamplayer Kreissl muss sich in diesem Dreieck positionieren, behaupten und sollte idealerweise jeden einzelnen hinter sich bringen – womöglich eine Quadratur des Kreises.

Doch nicht nur intern, auch aus dem näheren Umfeld (Fans, einige Medien) wird immer wieder Unruhe in den Verein getragen. Für Kreissl eine neue Situation, war das Interesse an seinem SCWN doch stets überschaubar.

Auch seine Arbeitsweise in Sachen Kaderzusammenstellung muss der neue GF Sport umstellen. Erstmals hat er eine Akademie im Rücken. Bisher war ein Teil seiner Transfer-Strategie, gescheiterte Akademiker anderer Vereine zu verpflichten und ihnen eine zweite Chance zu bieten. Ab sofort muss er die größten Talenten der Steirer Ausbildungsstätte dazu bringen, nicht schon im Teenager-Alter das Weite zu suchen und ihnen dann den Übergang zu den Profis ermöglichen.

Außerdem muss Kreissl aufpassen, sich nicht in zu viele Tasks verstricken zu lassen. In Wr. Neustadt hat er Erfahrungen in praktisch allen Belangen, die die Führung eines Fußball-Vereins angehen, gemacht – von Pressearbeit über Marketing bis zur täglichen Trainingsarbeit. In Graz muss er sich auf die sportliche Komponente konzentrieren. Gut möglich, dass ihm all das gelingt, einfach wird es aber nicht. Wobei sich Kreissl noch nie vor schwierigen Aufgaben gedrückt hat.

Ist Günter Kreissl die richtige Wahl für Sturm Graz?

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