Erfrischende Abkehr vom Understatement

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Portugal, Ungarn und Island. Diverse Reaktionen auf Facebook und Co. bestätigen meine Vermutung, dass nicht nur in der LAOLA1-Redaktion Jubelschreie zu hören waren, als die ÖFB-Gegner bei der EURO 2016 festgestanden sind. Dass die Fans hierzulande aufgrund der sensationell souveränen Qualifikation mit breiter Brust an die Eroberung Fußball-Europas glauben, ist keine Überraschung und eine willkommene Abwechslung zum jahrelang geblasenen Trübsal.

Überraschender sind da schon die ersten Reaktionen der ÖFB-Verantwortlichen und -Spieler auf die Auslosung. Marcel Kollers Grinser war breit wie schon lange nicht mehr und auch die anderen vermochten ihr Glück nicht zu verbergen. Wenngleich in den ersten Stellungnahmen die eine oder andere obligatorische Warnung zu hören war, ließ sich nicht nur zwischen den Zeilen die Freude über das (vermeintlich) leichte Los herauslesen. Das ist neu. Denn bisher waren die Sprachregelungen stets auf striktes Understatement ausgelegt. In diesem Fall ist es aber schlichtweg authentisch.

In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten werden wir vom Teamchef und seinen Schützlingen unzählige Wortmeldungen vernehmen, in denen vor den starken Gruppengegnern gewarnt wird. Und es wird alles auch stimmen. Wir werden hören, dass Portugal nicht nur Cristiano Ronaldo ist und dieser sowieso jedes Spiel im Alleingang entscheiden kann. Wir werden hören, dass die Ungarn eine aufstrebende Fußball-Nation sind, die mit viel Selbstvertrauen nach Frankreich kommt. Und wir werden hören, dass die Isländer zwei Mal die Niederlande bezwungen haben, schon in der WM-Quali 2014 nur ganz knapp gescheitert sind, beim 1:1 gegen den ÖFB im Mai 2014 gezeigt haben, wie unangenehm sie sein können und mit Lars Lagerbäck einen der erfahrensten Teamchef des Kontinents haben.

Doch in der ersten Reaktion darf man als ÖFB durchaus als das auftreten, was man ist – die Nummer zehn der Welt, ein Team aus Topf 2 und eines der souveränsten Quali-Teams dieser EURO. Dass aus diesem Selbstbewusstsein nicht Überheblichkeit wird, dafür sorgen Koller und der gefestigte Charakter dieses Teams sowieso – daran ändert auch eine kurze Abkehr vom Understatement nichts. 

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