Garcia: Mut zum kalkulierten Risiko

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Kurt Jara, Giovanni Trapattoni, Co Adriaanse, Huub Stevens, Ricardo Moniz, Roger Schmidt, Adi Hütter, Peter Zeidler, Thomas Letsch - und nun Oscar Garcia. Der Jubiläums-Trainer der Red-Bull-Ära sorgt für ein Novum: Erstmals trainiert ein Spanier einen österreichischen Bundesligisten. Und Garcia ist auch der erste der zehn Red-Bull-Trainer, der nicht Deutsch spricht. Damit beweist die Salzburger Führung nach dem gescheiterten Versuch mit Peter Zeidler einen Erstliga-Klub-unerfahrenen Coach hochzuziehen, gleich mit der nächsten Trainer-Bestellung neuerlich Mut zum Risiko. Dieses ist allerdings ein anderes, ein kalkuliertes.

Zumal der Katalane nach eigenen Angaben gleich mehrere Sprachen spricht, darunter aus seiner Zeit in England natürlich auch Englisch. Gleichzeitig kann wiederum nicht jeder in Salzburgs Multi-Kulti-Truppe fließend Deutsch. Dies ist letztlich auch nicht entscheidend für die fußballerische Leistung, wenngleich sicher kein Nachteil in einer Mannschaftssportart. Aber Naby Keita war etwa, auch ohne fließendes Deutsch zu sprechen, der beste Salzburger im Herbst. In diesem Kontext ist das Auftreten des Trainers wichtig und Garcia machte diesbezüglich nicht nur optisch (die Schneider von Guardiola und Enrique lassen grüßen) einen guten ersten Eindruck, ist zudem bemüht, auch die Sprache zu lernen. Am Ende seiner ersten Salzburger Pressekonferenz verabschiedete sich der 42-Jährige etwa bereits mit den Worten „Auf Wiedersehen“. Ein Anfang. Überhaupt ein neuerlicher Neuanfang in Salzburg.

Name

Nation Amtszeit Spiele Punkteschnitt
Oscar Garcia ESP ab Jänner 2016 0 0
Thomas Letsch (interimistisch) GER Dezember 2015 2 2,00
Peter Zeidler GER Juni 2015 bis Dezember 2015 25 1,92
Adi Hütter AUT Juni 2014 bis Juni 2015 54 2,09
Roger Schmidt GER Juli 2012 bis Mai 2014 99 2,24
Ricardo Moniz NED April 2011 bis Juni 2012 65 1,97
Huub Stevens NED Juni 2009 bis April 2011 94 1,77
Co Adriaanse NED Juli 2008 bis Juni 2009 45 1,98
Giovanni Trapattoni ITA Juni 2006 bis April 2008 87 1,87
Kurt Jara AUT Juli 2005 bis Mai 2006 38 1,74

Und das mit einem Trainer, der der Mehrheit in Österreich kein Begriff ist. Nach einem enttäuschenden Herbst, der dennoch die Winterkrone brachte, wiederum ein Risiko. Andererseits kann Garcia - im Gegensatz zu Zeidler - bereits nachweislich Erfolg auf Profi-Ebene vorweisen.

Mit Maccabi Tel Aviv wurde Garcia 2013 Meister. Dabei fallen nicht nur sein Punkteschnitt von 2,22, sondern auch die zehn Punkte Vorsprung auf Maccabi Haifa sowie das Torverhältnis von 61:20 bei 26 Spielen im israelischen Grunddurchgang auf. Die fußballerischen (offensiven) Vorstellungen gehen mit jenen Salzburgs konform und Sportchef Christoph Freund sowie General Manager Jochen Sauer schafften es, die Rangnick-Philosophie mit dieser Trainer-Bestellung in Salzburg fortzusetzen. Garcia stand schon im Sommer vor der Salzburger Tür, mitunter soll es wegen der Zusammenstellung des Trainerteams nicht geklappt haben. Der Neue bringt nun Ruben Martinez als Assistenten mit, der Salzburger Trainer-Staff (u.a. mit den Co-Trainern Gerhard Struber und Richard Kitzbichler) bleibt unverändert. Hier wird auch der springende Punkt abseits des Sportlichen liegen: Schließlich konnte man unweit in München mitverfolgen, wie viel Unruhe zu viele Veränderungen im Mitarbeiterstab zur Folge haben können.

Unruhe gab es in diesem Herbst genug, nun heißt es, alle Mann an Bord zu bringe. Landsmann Jonatan Soriano dürfte sich über diese Bestellung freuen. Im Sommer meinte er bei einem LAOLA1-Gesprächstermin noch defensiv: "Ich weiß nicht, ob Oscar Garcia ein besserer Trainer für uns gewesen wäre oder nicht. Er hätte mich ja auch nicht mögen können." Das wäre und wird jetzt nicht der Fall sein. Nun ist er da und wird Soriano mutmaßlich mögen – und umgekehrt.  Denn Zeidler und Soriano, das passte genauso wenig wie Zeidler und Hinteregger. Aber das ist Geschichte, eine spannende Zukunft liegt nun vor dem Meister. Denn nur einen Monat hat Garcia Zeit, seine Vorstellungen umzusetzen. Erst im Sommer werden wir dann die Arbeit richtig beurteilen können. Klar ist nur: Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Garcia: „Ich war nicht 'the chosen One', jetzt bin ich 'the chosen One'.“ Ein Salzburger Risiko, aber ein kalkuliertes, das nicht schlechte Chancen hat, am Ende Spaß zu machen.

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