Pressestimmen zur FIFA-Wahl: "Mafia lässt grüßen"

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Gianni Infantino wurde am Freitag in Zürich zum neuen FIFA-Präsidenten gewählt.

Während zahlreiche Funktionäre wie ÖFB-Präsident Leo Windtner voll des Lobes für den Schweizer sind, sind die internationalen Medien geteilter Meinung. "Die Mafia lässt grüßen. Der neue Präsident und das Reformpaket werden die FIFA nicht verändern", mutmaßt die "Stuttgarter Zeitung". Für die "Bild" ist er eine "bessere, aber keine gute Wahl".

Der "Guardian" sieht die Wahl als "Hoffnungsschimmer im Dunkeln".

Internationale Pressestimmen im Überblick:

DEUTSCHLAND:

"Bild": "Bessere, aber keine gute Wahl. Die FIFA hat den Super-Gau verhindert. Der wegen Folter-Vorwürfen höchst umstrittene Scheich Al Khalifa ist durchgefallen. Zum Glück! Gianni Infantino ist eindeutig die bessere Wahl, aber längst keine besonders gute."

"Berliner Zeitung": "Das kleinere Übel."

"Stuttgarter Zeitung": "Die Mafia lässt grüßen. Der neue Präsident und das Reformpaket werden die FIFA nicht verändern."

"Süddeutsche Zeitung": "Jede Menge Blatter. Der Fußball-Weltverband preist sein Reformpaket als richtungsweisend an - doch die alte FIFA des gesperrten Ex-Präsidenten bleibt weiter präsent. Debatten, etwa über das Thema Menschenrechte, sind unerwünscht."

SCHWEIZ:

"Blick": "FIFAntino! Hand aufs Herz: Diese Wahl ist gut für den Fußball und gut für die Schweiz."

"Neue Zürcher Zeitung": "Die Gegenwart des Weltfußballverbandes FIFA präsentiert sich jedenfalls deutlich aufgehellt. Die Reformen sind so weitgehend und modern, dass sie nicht nur anderen Sportverbänden, sondern auch privaten Unternehmen als Vorbild gelten können. Und Infantino ist kein angejahrter Apparatschik, sondern ein eloquenter Manager mit Erfahrung im Fußballgeschäft. Die FIFA ist trotzdem noch längst nicht aus dem Schneider."

GROSSBRITANNIEN:

"Times": "Ein Präsident, der eine gute Nachricht für große Vereine ist."

"Guardian": "Gianni Infantinos Sieg ist für die FIFA ein Hoffnungsschimmer im Dunkeln."

"Daily Mail": "Infantino war die am wenigsten schlechte Option."

ITALIEN:

"Corriere della Sera": "Sex, FIFA und Rock 'n' Roll. Es ist sechs Uhr nachmittags, das Klima im Hallenstadion, wo bereits Pink Floyd und Queen aufgetreten sind, ist ausgelassen und frivol wie nach einem Konzert. Es ist der Triumph eines bescheidenen Kindes, das einfach in den Fußball verliebt ist. Er will eine WM mit 40 Mannschaften, er verspricht der FIFA fünf Millionen Dollar in den nächsten vier Jahren und einen nicht-europäischen Sekretär. Putin schickt ihm ein Telegramm, Maradona beleidigt ihn. Aber wen schert das: Nach den Handschellen und all dem Schlamm kann das Spiel endlich wieder beginnen."

"La Repubblica": "Der Fußball entscheidet sich für Infantino. Die FIFA liegt in europäischen Händen - der arabische Traum ist vorbei. Der neue Präsident Infantino muss sich zunächst die Stiefel schmutzig machen, er muss Hand anlegen an Korruption und verbotene Beziehungen, und er muss - falls das möglich ist - die milliardenschweren Geldflüsse offenlegen. Es handelt sich um ein verdrecktes Meer, in dem es Blatter großartig verstand zu schwimmen."

"La Stampa": "Euro FIFA: Die Überraschung Infantino. Die Macht im Fußball zieht 9,73 Kilometer weiter: Das ist die Entfernung zwischen Visp und Briga. Zwei kleine Pünktchen auf der Weltkarte, aber in der Welt des Fußballs sind das die Geburtsorte von Sepp Blatter und Gianni Infantino, dem zehnten und neuen Präsidenten der FIFA. Von einem Schweizer zum anderen, aber die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden enden hier."

RUSSLAND:

"Kommersant": "Der Wahlsieg ist ein unglaublicher Erfolg für jemanden, der bis vor kurzem noch Ersatzspieler war. Und doch ist er nur das erste Glied in der Kette von Aufgaben, vor denen Gianni Infantino steht."

"Sport-Express": "An dem Abend in Zürich drohte nichts Übernatürliches oder Revolutionäres. Kein möglicher Sieger hätte die Fußballpolitik auf den Kopf gestellt, Russland die WM weggenommen und eine Hexenjagd begonnen. (...) Freuen wir uns, dass der Mann der wichtigste im Weltfußball wird, den Russland unterstützt hat!"

SCHWEDEN:

"Svenska Dagbladet": "Entfesslungskünstler Houdini hatte eine einfachere Aufgabe als jetzt Infantino. Es besteht die Gefahr, dass Infantino trotz aller netten Worte über einen Neustart, einen Neuaufbau und so weiter, nur eine herausgeputzte Version von des Kaisers neue Kleider ist."

NORWEGEN:

"Dagbladet": "Alle Wetten ließen einen klaren Sieg für den reichen arabischen Scheich erwarten, aber der Fußball stimmte für den Wandel. Mit einer flammenden Rede, in der er ganz leicht zwischen sechs verschiedenen Sprachen wechselte, gab Gianni Infantino eine persönliche Version seiner Reise durch die Fußballwelt. Das wendete auf wundersame Weise das Blatt beim außerordentlichen FIFA-Kongress."

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