FIFA-Präsident Infantino in Erklärungsnot

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FIFA-Boss Gianni Infantino will den Fußballweltverband in neue, saubere Zeiten führen, gerät jetzt aber laut "SZ" selbst in Erklärungsnot.

In seiner Zeit bei der UEFA soll er laut Verträgen in den "Panama Papers" in dubiose Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt gewesen sein. Eigentümer dieser Offshore-Firma sind zwei heutige Angeklagte im FIFA-Skandal.

Die TV-Rechtehändler erwarben demnach die TV-Rechte für die Champions League und verkauften diese mit hohem Gewinn in Südamerika weiter.

Gianni Infantino hat als damaliger Direktor der UEFA-Rechtsabteilung einen Kontrakt davon unterschrieben.

Vertragspartner des europäischen Fußballverbandes war Cross Trading. Für die Offshore-Firma unterschrieb Sportrechtehändler Hugo Jinkis, der im US-amerikanischen Verfahren gegen die Fifa als einer der Hauptbeschuldigten geführt wird und letztes Jahr sogar vorübergehend in Haft musste. Verfahrens-Vorwurf: Die Bestechung von Fußballfunktionären, um billig an Fernsehrechte zu kommen, um diese dann teurer zu verkaufen.

Zwei Deals im Fokus

In den Panama-Papers geht es um zwei Deals:

Cross Trading kaufte im Herbst 2006 exklusive Fernsehrechte der UEFA Champions League für Ecuador für die Saisonen 2007-2009 um 111 000 US-Dollar. In einem zweiten Vertrag, der allerdings bereits zwei Monate vor erstgenanntem abgeschlossen wurde, steht, dass die ecuadorianische Mediengruppe Teleamazonas die Königsklasse in eben diesen Jahren für 311 170 US-Dollar ausstrahlte.

Ähnlich der Deal vom 23. März 2007, indem die UEFA die UEFA-Cup-Rechte 2007-2009 sowie für den Super Cup 2007-2008 an Cross Trading für 28.000 US-Dollar verkaufte.  Erneut verkaufte Cross Trading die Rechte an Teleamazonas weiter, diesmal für 126.200 US-Dollar.

Zwei offene Fragen

Das Problem an den beiden Deals sind laut "tagesanzeiger" zwei Punkte:

Einerseits gilt ein fast dreifacher bzw. viereinhalbfacher Aufschlag in der Branche als unüblich.

Andererseits wirft der Vertrag zwischen Cross Trading und Teleamazonas ein schiefes Licht, da dieser VOR dem UEFA-Vertrag geschlossen wurde, aber bereits fixe Summen nannte.

Daraus sei zu schließen, dass Cross Trading bereits wusste, wie viel Geld letztlich rausspringt. Normalerweise vereinbart ein Sportverband aber fixe Gewinnsummen bzw. Beteiligung an diesen, wovon im Vertrag zwischen der UEFA und Cross Trading aber nichts drinnen stünde.

Verbände dementieren

Die UEFA dementierte auf mehrere Anfragen jeglichen Kontakt mit den 14 Angeschuldigten im Fifa-Strafverfahren der USA und deren Firmen in den letzten 15 Jahren, ebenfalls die FIFA jeglichen Infantino-Kontakt zu Jinkis.

Mittlerweile erklärte die UEFA die vorigen Dementi dahingehend, weil der Verband „Tausende Verträge“ habe und Zeit brauche diese zu kontrollieren. Jinkis hätte zudem bei Vertragsschluss keinerlei Imageschaden gehabt.

Die UEFA betont, nichts von den Verträgen zwischen Cross Trading und Teleamazonas zu wissen. Auch das ist aus rechtlicher Sicht fragwürdig, weil der Verband üblicherweise Kopien dieser Verträge haben sollte.

Die UEFA vermutet, Cross Trading habe die TV-Rechte von der UEFA im Auftrag von Teleamazonas gekauft. Eine dortige Quelle besteht aber auf die 311.000 Dollar: „Wir haben nie 111 000 Dollar geboten."

Erneut stürmische Zeiten für die beiden Fußballverbände?

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