Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

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Gianni Infantino wird beim FIFA-Kongress in Zürich zum neuen Präsidenten des Weltverbandes gewählt.

Der Schweizer, für den sich auch Österreichs Fußball-Bund einsetzte, setzt sich im zweiten Wahlgang mit 115 Stimmen durch. Für seinen größten Konkurrenten Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa aus Bahrain stimmen 88 der 207 Delegierten.

"Ich will eine neue Ära", sagt Infantino, der seinem Landsmann Sepp Blatter nachfolgt und die FIFA nach unzähligen Affären aus der Krise führen will.

Der bisherige UEFA-Generalsekretär wurde erst aufgrund der Suspendierung des UEFA-Präsidenten Michel Platini zum Kandidaten der europäischen Fußball-Verbände. 

 

Windtner mit Lob

"Das ist ein guter Tag für den Weltfußball. Er garantiert am meisten von allen Kandidaten, dass das Vertrauen in die FIFA wieder zurückkehrt", erklärt ÖFB-Präsident Leo Windtner, der Infantino unterstützt hat.

Als erstes Präsent bekommt Infantino einen weißen Blumenstrauß und klopft sich als Geste der Dankbarkeit vor den Delegierten auf das Herz. Sichtlich gerührt bringt er nur ein "Uff" als erste Reaktion hervor.

An der FIFA-Spitze muss er nun für einen Ausgleich mit der Salman-Fraktion sorgen und das bei ungewöhnlich knapper FIFA-Kasse und mit den Ermittlungen der Justiz als großer Drohkulisse. Infantinos erste Amtszeit geht bis 2019. Dann kann er wegen der neuen Statuten maximal noch acht Jahre bleiben und nicht die Dauer-Führung seiner Vorgänger Joao Havelange (24 Jahre) und Blatter (18) kopieren.

Aufstockung der WM steht an

88 Stimmen für den geschlagenen Scheich Salman, der - für viele überraschend - nicht zum ersten asiatischen FIFA-Chef gewählt wurde, machen deutlich, dass die Infantino-Mehrheit nicht bequem war. Blatter hat bei fünf Wahlen nie in die zweite Runde gemusst.

Sofort will Infantino mit seiner Arbeit beginnen. Sein Wahlspruch, den Fußball zurück zur FIFA zu bringen, muss er mit Leben füllen. Für seinen Plan, die WM auf 40 Teams aufzustocken, kritisieren ihn sogar viele seiner europäischen Verbündeten. Eine große Frage wird sein, ob der im System Blatter-Platini sozialisierte Jurist in der Lage ist, für eine neue Kultur in der maroden Funktionärskaste zu sorgen.

Im ersten Wahlgang hatte Infantino mit 88 Stimmen schon die Nase vorn. Ein Raunen geht durch die Halle, als nur 85 Stimmen für den Scheich verkündet werden. Da Prinz Ali bin al-Hussein (27) und Jerome Champagne (7) nicht zurückziehen, geht es in die zweite Runde. Scheich Salman muss seine Niederlage schließlich einräumen.

Mehr Geld für die Verbände

Infantino hielt vor der Wahl eine engagierte Schlussrede. Großen Applaus bekam er vor allem für seine finanziellen Versprechungen. "Ich frage Sie alle: Wenn die FIFA fünf Milliarden einnimmt, können wir dann nicht 1,2 Milliarden reinvestieren. Das Geld der FIFA ist Ihr Geld. Das Geld der FIFA muss der Entwicklung des Fußballs dienen." Diese Aufstockung der Zuwendungen war von Scheich Salman als unseriös kritisiert worden.

Sein Wahlkampf im Turbomodus hatte Infantino in den letzten Wochen von einem Außenseiter zum ernsthaften Präsidentschaftsanwärter gemacht. Nun ist er in der Fußball-Hierarchie ganz oben und das nur, weil sein Ziehvater Platini in den Strudel der Skandale geraten war und seine Ambitionen auf den FIFA-Thron begraben musste. "Ich habe vor fünf Monaten noch gar nicht daran gedacht, überhaupt zu kandidieren", sagte er.

Kritik an Scheich Salman

Scheich Salman war im Vorfeld stark kritisiert worden. Es gibt Vorwürfe, dass er bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung in seiner Heimat 2011 oppositionelle Fußballer denunziert haben soll. Vor der Halle demonstrierten Menschenrechtsgruppen gegen Folter und Gewalt durch die Herrscher in Bahrain. Am frühen Vormittag hatte eine kleine Gruppe Anhänger sich für den Scheich engagiert.

Kurz vor Beginn der Abstimmung war das Bewerberfeld auf vier Kandidaten geschrumpft. Der chancenlose Außenseiter Tokyo Sexwale gab am Ende einer launigen Rede seinen Rückzug bekannt.

Wichtige Reformen

Einen wichtigen Schritt aus der Krise hatte die FIFA kurz zuvor gemacht. Bei der Abstimmung über die dringend notwendigen Reformen votierte die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit für das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht. Insgesamt 179 von 207 Verbänden stimmten für die Reformen, 22 lehnten diese ab, sechs gaben kein Votum ab.

Ohne die Umstrukturierungen der Statuten wäre die Amtszeit des neuen Präsidenten mit großen Makel belegt gewesen. Hätte sich die FIFA den Reformen verweigert, wäre in der Korruptionsaffäre vor allem der Druck der US-Behörden gestiegen. Mit der Reform will der Verband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen.

Die Krise hat bereits ernste Konsequenzen für die FIFA. Die sonst so glänzende finanzielle Situation ist plötzlich prekär. Finanzdirektor Markus Kattner sprach von einem derzeit zu erwartenden Defizit für den Zyklus bis 2018 von 550 Millionen Dollar (498,78 Mio. Euro) im Vergleich zu den Prognosen aus dem Jahr 2014. Dies würde die Rücklagen des Fußball-Weltverbandes von rund 1,5 Milliarden Dollar (1,36 Mrd. Euro) aus dem Jahr 2014 um rund ein Drittel reduzieren.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang»
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