Wer wird neuer FIFA-Präsident?

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Am Freitag entscheidet sich, wer die Nachfolge von Joseph S. Blatter als Präsident der FIFA antritt.

Gewählt wird in geheimer Abstimmung. Stimmberechtigt sind nach derzeitigem Stand 207 der 209 Mitgliedsverbände, weil Kuwait und Indonesien im Moment suspendiert sind. 

Im ersten Wahlgang sind zwei Drittel der Stimmen für einen Sieg erforderlich, ab der zweiten Runde genügt eine Mehrheit von über 50 Prozent.

Scheich Salman (Bahrain) und Gianni Infantinio (Schweiz) haben die besten Karten.

Zwei Europäer, ein Afrikaner und zwei Vertreter des Nahen Ostens bewerben sich um die Nachfolge des gesperrten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter.

Ihr berufliches Spektrum ist groß, ihre sportpolitische Ausgangslage komplett unterschiedlich.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, der Vorsitzende der asiatischen Konföderation AFC, will der erste asiatische FIFA-Boss werden.

SCHEICH SALMAN BIN IBRAHIM AL CHALIFA (50/Bahrain)

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In der 112-jährigen FIFA-Geschichte kamen die bisher acht Präsidenten zu 87,5 Prozent aus Europa; einzige Ausnahme war der Brasilianer Joao Havelange. Der Funktionär aus der Monarchie Bahrain will die bestehende Hegemonie durchbrechen. Er geht von einem 50-prozentigen Stimmenanteil zu seinen Gunsten aus. Zum Schlepptau des selbstbewussten Vorsitzenden der asiatischen Konföderation AFC zählen einflussreiche Befürworter - beispielsweise das Exko-Mitglied Scheich Ahmed al-Sabah. Der Strippenzieher aus Kuwait sitzt seit 1992 im IOC und wird von Insidern immer wieder als Königsmacher bezeichnet. Zum Verhängnis werden könnte der Allianz aus dem Nahen Osten aber die aufflammende Debatte, ob Salman 2011 während der blutigen Niederschlagung der "Arabellion" in Bahrain eine Rolle gespielt habe. Für mehrere Menschenrechts-Organisationen und europäische Politiker ist der Immobilien-Mogul nicht wählbar.

GIANNI INFANTINO (45/Schweiz)

Der Sohn italienischer Immigranten hat sich dank seiner Intelligenz und nicht erlahmendem Ehrgeiz einen Platz in der internationalen Beletage des Sportmanagements erarbeitet. Im Schatten des inzwischen abgesetzten UEFA-Präsidenten Michael Platini führte der vierfache Familienvater seit 2009 in Nyon die europäische Cashmaschine als Generalsekretär. Der Rechtsanwalt mit mehrjähriger Erfahrung in der Clublizenzierung gilt als überaus dossiersicher. Europas und Südamerikas Verbände halten ihn geschlossen für den perfekten Kandidaten zur sofortigen Umsetzung des Reformpakets. Die Akte des Wallisers ist unbefleckt, seine Wählbarkeit ist unumstritten. Der "Piccolino", ein familieninterner Übername aus seiner Kindheit, hat das große Bild vor Augen: "Die Verbände haben mit der Wahl die Kraft, ihr eigenes Schicksal und jenes der FIFA zu bestimmen."

PRINZ ALI BIN AL-HUSSEIN (40/Jordanien)

Im vergangenen Mai ist der Prinz gegen den langjährigen FIFA-Monarchen Blatter angetreten und war chancenlos. Die 77:133-Niederlage hält den früheren Vize-Präsidenten des Weltverbandes indes nicht von einer weiteren (aussichtslosen) Bewerbungskampagne ab. Auf Europas Support kann er nicht mehr zählen, in seiner eigenen AFC-Konföderation votiert die Mehrheit für Scheich Salman. Gleichwohl hält Ali, der vergeblich die Veröffentlichung des Garcia-Reports verlangt hat, sich selber "für den besten Kandidaten, weil ich für den Kulturwandel stehe". Der Spross aus der Königsfamilie ist berufsbedingt ein Konflikt-Stratege. In seiner Heimat leitet der Absolvent der britischen Militärakademie Sandhurst das Zentrum für Sicherheit und Krisenmanagement.

TOKYO SEXWALE (62/Südafrika)

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Weil er schon früh realisiert hat, dass die Mehrheit der FIFA-Delegierten auf andere Präsidentschaftsanwärter setzen wird, bot Sexwale über verschiedene mediale Kanäle Deals an. Er sei für "Verhandlungen und Allianzen" zu haben, so der Südafrikaner. Ins Spiel gebracht wurde er im Herbst von einem gestürzten Männer-Bund: Sepp Blatter und Franz Beckenbauer positionierten sich hinter dem einstigen Kämpfer gegen die Apartheid, der wie Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert war. Der ehemals unterdrückte ANC-Aktivist aus dem Township Soweto ist inzwischen vermögend wie kaum ein anderer südafrikanischer Geschäftsmann. Detaillierte Zahlen aus seinem Handel mit Gold, Diamanten, Platin und Öl verschweigt er indessen. Ehemalige Mithäftlinge werfen ihm in einer ARD-Dokumentation Bereicherung im großen Stil vor. Über seinen Freund Blatter sagt er: "Blatters Arbeit ist ein Monument, das für sich selbst steht."

JEROME CHAMPAGNE (57/Frankreich)

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Der Pariser Politik-Wissenschaftler ist ein Mann der eher leisen, aber fundierten Zwischentöne. 1983 trat er ins französische Ministerium für ausländische Angelegenheiten ein und kam während 14 Jahren als Diplomat auf drei verschiedenen Kontinenten zum Zug. Er kennt die globalen Zusammenhänge, und er kennt das System FIFA im Detail. Nach seinem Mandat für das OK der WM 1998 stieg Champagne im "Home of FIFA" bis zum stellvertretenden Generalsekretär auf. Jahrelang war er Blatters politischer Berater. Er gehört nicht zum Lager der Blatter-Kritiker: "In zehn, zwanzig Jahren wird man beurteilen, was Blatter aus der FIFA gemacht hat. Ich bin sicher, dass er viel besser bewertet wird als heute", sagte er in einem NZZ-Interview. So gut vernetzt er auch ist, so verschwindend klein sind seine Wahlchancen.

ABLAUF DER FIFA-WAHL

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Der Ablauf der Kür eines neuen Chefs des Fußball-Weltverbands ist in den FIFA-Statuten und im "Reglement für die Wahl des FIFA-Präsidenten" festgehalten. Für die Abstimmung über den Nachfolger des gesperrten Joseph Blatter gelten unter anderen folgende Vorschriften:

  • Zur Zulassung zur Wahl muss jeder Kandidat von einem Verband vorgeschlagen werden und von mindestens fünf Verbänden Unterstützerschreiben vorlegen.
  • Die Wahl findet immer durch den FIFA-Kongress in geheimer Abstimmung statt.
  • Wahlberechtigt sind alle Mitgliedsverbände der FIFA, die nicht suspendiert sind, mit je einer Stimme. Derzeit sind Kuwait und Indonesien vorläufig gesperrt, deshalb verteilen sich die Stimmen folgendermaßen auf die sechs Konföderationen: Afrika 54, Europa 53, Asien 44, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien 11, Südamerika 10.
  • Wahlberechtigt sind nur anwesende Mitglieder.
  • Alle Kandidaten haben vor der Abstimmung ein Rederecht von maximal 15 Minuten bei dem Kongress.

Im ersten Wahlgang sind zwei Drittel der Stimmen der anwesenden und stimmberechtigten FIFA-Mitglieder für die Wahl eines Präsidenten erforderlich (derzeit 138). Im zweiten und gegebenenfalls weiteren Wahlgängen genügt eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent der abgegebenen und gültigen Stimmen (derzeit 104). Ab dem zweiten Wahlgang scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus.

Die Amtszeit des neuen Präsidenten beginnt mit dem Ende des Kongresses, bei dem er gewählt wurde. Die Amtszeit endet bei dieser Wahl ausnahmsweise schon nach gut drei statt vier Jahren beim ordentlichen Wahlkongress 2019.

Wahlkongresse finden immer am Hauptsitz der FIFA in Zürich statt.

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