In der Hose eines anderen

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„Dank an Alex Grünwald!“

Michael Gregoritsch sorgte nach dem 2:0-Sieg der ÖFB-U21 gegen Finnland für Verwirrung. Was hatte der Austrianer, der seit fünf Jahren zu alt für dieses Team ist, mit dem vierten EM-Quali-Sieg in Folge zu tun?

„Ich habe mir seine Kinesio-Tape-Hose ausgeborgt“, lachte der Matchwinner und zeigte die dritte Schicht unter Trikot-Hose und Radler-Short.

Der zwickende Oberschenkel

Es war zwar der Kopf, mit dem der HSV-Legionär in der 77. Minute für das erlösende 1:0 gesorgt hatte, Gesprächsthema war aber sein rechter Oberschenkel. Der zwickt nämlich seit einigen Tagen.

„Wir haben jeden Tag darauf gewartet, dass er trainieren kann. Das hat schon ein bisschen Unruhe in die Mannschaft gebracht“, sagte Teamchef Werner Gregoritsch. „Ich habe mich aber nicht getraut, an die Grenze zu gehen“, erklärte sein Sohn, der am Tag vor dem Match die einzige richtige Einheit absolviert hatte.

Bevor seine Kollegen den Rasen am Freitag-Abend der Generali Arena zum Aufwärmen betreten hatten, stand der Offensivspieler mit einem Betreuer schon am Feld und absolvierte einen Fitnesstest. „Den habe ich bestanden. Das war für mich das Zeichen, dass ich einsatzbereit bin, wenn mich die Mannschaft braucht“, so Gregoritsch, der zunächst auf der Bank saß.

In Abwesenheit der Leistungsträger "sehr reif"

Es sollten andere richten. Doch die hatten mit den starken Finnen so ihre Mühe. „Das war eine sehr harte Nuss. Die Finnen waren sehr aggressiv und haben uns wirklich alles abverlangt“, stöhnte Kevin Friesenbichler, der in der 91. Minute nach traumhafter Kombination (Gregoritsch/Alessandro Schöpf) für den zweiten Treffer des Abends gesorgt hatte.

Zwar waren die ÖFB-Youngster stets überlegen, aber nie so richtig zwingend. Kein Wunder, fehlten neben Gregoritsch doch weitere Hochkaräter in der Offensive – Louis Schaub, Florian Grillitsch, Valentino Lazaro, Sinan Bytyqi.

„Wenn solche Spieler fehlen, fehlt die individuelle Qualität für so ein Spiel. Aber wenn man dann trotzdem gewinnt, zeigt das, dass die Mannschaft schon sehr reif geworden ist“, stellte der Trainer fest. Vor allem vor der Pause habe sein Team „viel zu verbissen“ agiert.

"Es war eine schwere Entscheidung"

Die Gelb-Rote Karte gegen Mashtagh Yaghoubi in der 57. Minute vereinfachte die Angelegenheit aber. „Der Ausschluss hat uns sehr in die Karten gespielt“, wusste Schöpf. Dominik Wydra ergänzte: „Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ein Tor schießen.“

Wenn ich ihn einwechsle und er verletzt sich nach fünf Minuten, glauben die in Hamburg, ich bin deppat

Werner Gregoritsch

Ganz überzeugt dürfte Gregoritsch zu diesem Zeitpunkt aber nicht davon gewesen sein, weshalb er in der 65. Minute seinen Sohn ins Spiel brachte. Mit ein wenig Bauchweh, wie er zugab: „Es war eine sehr schwere Entscheidung. Wenn ich ihn einwechsle und er verletzt sich nach fünf Minuten, glauben die in Hamburg, ich bin deppat.“ Gregoritsch junior: „Dieses Risiko muss man manchmal eingehen.“

Doch es ging gut. In der 77. Minute verwertete der Joker eine Flanke von Phillipp Mwene per Kopf. „In meiner aktuellen Form lasse ich mir so eine Chance nicht so leicht nehmen“, lachte er.

"Ob sie mich adoptieren wollen?"

Mit den freudetaumelnden Kollegen im Schlepptau ging es dann schnurstracks Richtung Ersatzbank. Dort wurde aber nicht zuerst der Trainer umarmt, sondern zwei Männer, die für gewöhnlich nicht im Rampenlicht stehen. Es waren der Physiotherapeut und der Masseur.

Ich habe jeden Tag mein Mittagsschlaferl auf ihrer Bank gemacht

Michael Gregoritsch

„Was Johannes Handler und Thomas Schmal in diesen vier Tagen alles für mich getan haben, ist nicht normal. Ich weiß nicht, ob sie mich schon adoptieren wollen. Immerhin habe ich jeden Tag mein Mittagsschlaferl auf ihrer Bank gemacht“, grinste der 21-Jährige, der im vierten Spiel sein siebentes Tor erzielt hatte.

Somit bleibt die ÖFB-U21 mit zwölf Punkten aus vier Spielen weiterhin makellos. Ebenso wie Deutschland, das einen 3:1-Sieg gegen Aserbaidschan gefeiert hat. Am Dienstag, um 18 Uhr, kommt es in Fürth zum direkten Duell.

„Wir fahren dorthin, um zu gewinnen“, stellt Schöpf klar. Die Hose von Alex Grünwald bleibt aber in Wien-Favoriten.

Harald Prantl

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