Die Variabilität ist Sabitzers Stärke

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Aufgrund des Ausfalls von Robert Almer, Zlatko Junuzovic und Martin Harnik wird es am Dienstag im Testspiel gegen die Schweiz zwangsläufig ungewohnte Gesichter in der ÖFB-Startelf geben.

Während Ramazan Özcan die logische Wahl als Almer-Vertreter im Tor ist, wird die Entscheidung von Marcel Koller auf den beiden offensiven Positionen von mehr Spannung begleitet.

Vor allem für Zlatko Junuzovic als Zehner gibt es nicht die eine aufgelegte Alternative.

Marcel Sabitzer kommt für beide Spots in Frage. Nach guten Leistungen als Joker und dem Siegtreffer in Montenegro ist es nicht unwahrscheinlich, dass der 21-Jährige wieder einmal eine Chance von Beginn an erhält.

"Ich fühle mich eher im Zentrum wohl"

Und dies womöglich als Junuzovic-Ersatz. Im Training wurde der RB-Leipzig-Legionär in dieser Rolle getestet.

Ungewohnt ist sie ohnehin nicht: „Derzeit ist es schon besser für mich. In Salzburg hat es sich so entwickelt, dass ich im Zentrum spiele. Leipzig-Trainer Ralf Rangnick sieht es auch so, dass meine Stärken besser als Zehner oder Spitze zur Geltung kommen. Mir gefällt diese Position, bis jetzt hat es super funktioniert.“

Der Steirer ist für seine Vielseitigkeit bekannt. Im Nationalteam spielte er beim Test in Tschechien bereits als Solo-Stürmer, etabliert hat er sich jedoch als Alternative auf der Seite.

„Es gibt Spieler, die sagen, sie brauchen die Linie. Bei mir ist es nicht so“, grinst Sabitzer, „ich fühle mich eher im Zentrum wohl, dort habe ich mehr Ballkontakte. Aber natürlich bin ich nicht ein reiner Zehner, ich bin genauso am Flügel einsetzbar wie vorher auch.“

Affinität zu allen Offensivpositionen

Und diese Variabilität ist der Offensivkraft auch sehr wichtig: „Es kommt einem im heutigen Fußball sicher zu Gute, wenn man auf vielen Positionen eingesetzt werden kann. Bei mir ist es zum Glück auch so. Unter den Offensivpositionen würde es nicht eine geben, wo ich sage, die ist nichts für mich. Das ist sicher ein Vorteil.“

15 Länderspiele und drei Tore hat Sabitzer inzwischen zu Buche stehen, womit er Papa Herfried (6/1) längst hinter sich gelassen hat. „Das war auch mein Ziel“, betont der Junior, der mit seinem neuen Kurzhaarschnitt seinem Vater noch ähnlicher sieht („Es gibt aber keinen besonderen Hintergrund. Irgendwie haben mich die Haare genervt. Jetzt brauche ich sie nicht so viel zu stylen. Ich stehe auf und es passt alles“).

Die letzte Bewährungsprobe von Beginn an gab es im März gegen Bosnien-Herzegowina, in der EM-Qualifikation durfte er im Herbst 2014 in Moldawien die Bundeshymne auf dem Platz singen.

„Ich habe immer wieder betont: Sollte ich gebraucht werden, bin ich da. Jetzt ist es halt so, dass die beiden verletzt sind. Es kann natürlich schon sein, dass ich zum Einsatz komme. Aber im Endeffekt entscheidet der Trainer“, meint Sabitzer in Bezug auf das Schweiz-Match.

Von Beginn an funktionieren

Gerade für Spieler aus der Reihe hinter der absoluten Stammelf sind solche Begegnungen extrem wichtig, wollen sie im Hinblick auf die EURO noch ein Ausrufezeichen setzen und Ansprüche auf einen Platz in der Startformation geltend machen.

„Es ist schon wichtig, zu zeigen, dass man auch von Beginn an funktioniert. In den letzten zwei, drei Spielen hat es als Joker ganz gut geklappt, aber das ist ja keine Garantie dafür, dass es dann über 60, 70, 80 oder 90 Minuten ebenfalls so funktioniert.“

Sabitzer ist noch in einem Alter, wo er mit jedem Länderspiel-Einsatz an Routine gewinnt. Genau, wie er derzeit durch seine ersten Monate im Ausland wertvolle Erfahrungen sammelt.

"Sehe nicht so viel Grund, wieder abzuhauen"

„Es ist natürlich eine Umstellung, das muss ich schon sagen. Die Liga ist robuster als in Österreich. Aber nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mich gut eingefunden habe. Mir macht es Spaß dort. Für uns heißt es dran zu bleiben und am Ende des Jahres aufzusteigen“, zieht er eine zufriedenstellende Zwischenbilanz über den bisherigen Saisonverlauf in Leipzig (14 Liga-Spiele, vier Tore).

Wie lange der Aufenthalt in Sachsen dauern wird, hängt wohl auch davon ab, ob der ersehnte Sprung in die Bundesliga gelingen wird. Derzeit sei ein Abschied aber ohnehin kein Thema:

„Ich fühle mich sehr wohl, bin erst seit einigen Monaten da. Jetzt sehe ich noch nicht so viel Grund, wieder abzuhauen. Wir haben einfach das Ziel, in die erste Liga hochzugehen. Sollte das nicht funktionieren, muss man sich ohnehin überlegen, wie man die Karriere weiter plant.“

Ähnlich wie Stefan Ilsanker im LAOLA1-Interview betrachtet Sabitzer die negative Stimmung gegenüber dem Red-Bull-Projekt in Leipzig als verkraftbar: „Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt, als es eigentlich ist.“

"Denen kann man eh nicht helfen"

Bisher sei nichts Großartiges passiert: „Ein paar Kleinigkeiten sind immer dabei. Aber denen kann man eh nicht helfen. Die haben wahrscheinlich irgendwelche Probleme, wollen sich ablenken und suchen sich irgendein Feindbild, wo kein Mensch verstehen kann warum. Aber das ist deren Entscheidung. Aber es ist nicht so schlimm.“

Man merkt natürlich schon, dass einige Journalisten ein bisschen RB-feindlich angehaucht sind

Ein Beispiel fällt dem 21-Jährigen aus dem Gastspiel bei Union Berlin Ende August ein: „Da haben die Fans in den ersten 15 Minuten keinen Muckser gemacht. Da sind sie jedoch selber Schuld. Die Mannschaft hat nicht gewusst, was sie tun sollen gegen uns. Sie schwächen eh nur ihre eigene Mannschaft, wenn sie sie nicht unterstützen. Uns beeinflusst das eigentlich gar nicht.“

Kritischer sieht Sabitzer das mediale Echo auf RB Leipzig in Deutschland: „Man merkt natürlich schon, dass einige Journalisten ein bisschen RB-feindlich angehaucht sind. Da gibt es schon immer wieder Sachen, wo man sich denkt, aus einer Kleinigkeit wird etwas Großes gemacht. Aber was sie schreiben, hat uns nicht zu interessieren. Wir liefern die Antwort auf dem Platz und das zählt.“


Peter Altmann

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