Koller: "Gibt keinen Grund, auseinanderzugehen"

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Dass Marcel Koller gewillt ist, dem österreichischen Nationalteam auch über die EURO 2016 hinaus die Treue zu halten, mag nicht die ganz große Sensation sein. Dies konnte man zwischen den Zeilen bereits erahnen.

Mit dem Zeitpunkt ist dem Teamchef und dem ÖFB jedoch durchaus eine Überraschung gelungen. Die Vertragsverlängerung des Schweizers war der eigentliche Paukenschlag einer Kaderbekanntgabe für die anstehenden Testspiele gegen Albanien und die Türkei, die mit Alessandro Schöpf lediglich ein neues Kadermitglied zu Tage brachte.

Was ist die Motivlage des 55-Jährigen, in seine dritte Amtszeit als ranghöchster Trainer Österreichs zu gehen?

Natürlich ist Geld ein Thema, das gibt Koller auch unumwunden zu. Das Gehalt ist jedoch bei jedem Deal ein integraler Bestandteil und selbiges ließe sich auch in ausländischen Topligen nicht zu knapp verdienen.

Also spielten durchaus auch andere Gründe eine Rolle. LAOLA1 nennt die wichtigsten Argumente für Kollers Verbleib im Amt des ÖFB-Teamchefs:

WOHLFÜHLFAKTOR:

Vor allen - enorm wichtigen - inhaltlichen Gründen sei die menschliche Komponente angesprochen. Koller ist schlicht und einfach gerne Teamchef des österreichischen Nationalteams. Er brachte es menschlich schon nicht übers Herz, das Team nach der verpassten WM-Qualifikation 2014 im Stich zu lassen und Schweizer Teamchef zu werden. In Zeiten des Erfolgs fiele der Abschied von der „ÖFB-Familie“ noch schwerer. Zudem schätzt der Privatmensch Koller das Leben in Wien. Die bisweilen grenzenlose Zuneigung der Öffentlichkeit täte wohl dem Ego eines jeden Trainers gut. „Ich fühle mich in Österreich und beim ÖFB wohl. Gemeinsam mit dem Betreuerteam und den Spielern haben wir etwas geschaffen, das natürlich verbindet. Wenn es gut läuft, gibt es keinen Grund, auseinanderzugehen“, betont der Teamchef.

DIE PERSPEKTIVE:

Neben den guten Gesprächen mit den ÖFB-Granden führt Koller selbst die Perspektive als Hauptgrund für sein Bleiben an. Blickt man auf seine ersten beiden Jahre im Amt zurück, tat sich der Zürcher mit dem Arbeits-Rhythmus eines Nationaltrainers spürbar schwer. Anders als im Klub standen ihm die Spieler nur selten zur Verfügung, entsprechend viel Geduld musste ein Perfektionist wie Koller aufbringen, bis die Umsetzung seiner Pläne nach Wunsch klappte. Dies ist nun der Fall – und gleichzeitig ein Vorteil gegenüber anderen Nationalteams, denn eine Kontinuität wie sie unter Anleitung Kollers im ÖFB-Team herrscht, ist eher selten. Und diese Mannschaft hat ihren Zenit noch nicht erreicht. „Wenn man sich die Altersstruktur anschaut, sind wir nicht überaltert, wobei klar ist, dass der eine oder andere über 30 gehen könnte“, verdeutlicht der Teamchef. Doch der österreichische Fußball verfügt inzwischen über eine vorzeigbare Nachwuchsarbeit, potenzieller Nachschub sollte garantiert sein. Verfügt man im A-Team über ein funktionierendes und erfahrenes Korsett, lassen sich Talente auch leichter integrieren als bei einem kompletten Umbruch. „Einer der wichtigsten Aspekte ist für mich, dass du Spieler zur Verfügung hast, die die Qualität haben, auf diesem Level zu spielen. Und das habe ich nach wie vor gesehen. Es ist völlig normal, dass der eine oder andere jüngere Spieler, der nachkommt, jetzt vielleicht noch nicht diese Erfahrung hat. Aber zumindest das Talent ist vorhanden“, sagt Koller.




KEINE ABLENKUNG VOR DER EM:

„Von eurer Seite wäre sicher die eine oder andere Frage dazwischen gekommen. Von dem her ist das jetzt gestrichen, und wir können uns auf das Fußballerische konzentrieren“, meint Koller in Richtung Medienvertreter. Viel deutlicher kann man das Motiv, in der Vorbereitung auf die EURO oder während des Turniers selbst nicht mit diesem Thema konfrontiert sein zu müssen, nicht auf den Punkt bringen. Und natürlich wären die Fragen im Falle eines nicht verlängerten Vertrags gekommen, das ist auch legitim so. Kaum anzunehmen, dass Koller irgendein Interesse daran hatte, dass ausgerechnet er und seine offene Zukunft in der Vorbereitung auf jenes Event, auf das er jahrelang hingearbeitet hat, eine Ablenkung darstellen. Kombiniert mit der Ansage von ÖFB-Präsident Leo Windtner, dass man den Teamchef für die WM-Qualifikation noch vor der EURO kennen werde, ist die Vereinbarung einer weiteren Zusammenarbeit irgendwo logisch. „Dass es so früh geklappt hat, lässt uns ruhig arbeiten“, meint Koller. Und wenig ist mehr in seinem Sinne als ruhige und geordnete Arbeitsbedingungen.

RAHMENBEDINGUNGEN:

Womit wir beim nächsten entscheidenden Punkt wären. Koller liebt Ruhe und Ordnung – und Kontinuität in einem Umfeld, dem er vertraut und das er sich inzwischen über Jahre aufgebaut hat. Der Schweizer wird nicht müde, immer wieder auf die Wertigkeit des Teams um das Team hinzuweisen. „Dass das Betreuerteam zusammenbleibt, spielt eine Rolle, weil wir jetzt vier Jahre sehr gut zusammenarbeiten. Das wollen wir ja nicht verschlechtern“, stellt Koller klar. Man darf davon ausgehen, dass Koller bezüglich seiner engsten Mitarbeiter seine Wünsche geäußert hat. Windtner kündigt diesbezüglich Adaptierungen an: „Wir haben eine Einigung erzielt. Dass sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern, haben wir auf jeden Fall zugesagt und ist gewährleistet.“ Was dies personell genau heißt, ist weitestgehend noch nicht bekannt und darf man auch im Hinblick auf die anstehende Umstrukturierung des ÖFB mit Spannung verfolgen. Im engsten Umfeld Kollers dürfte sich jedoch nicht allzu viel ändern. Eine Rochade gab es ja bekanntlich schon: Thomas Janeschitz konzentriert sich in Zukunft ausschließlich auf seine Arbeit als Co-Trainer des Teamchefs und hat seine Agenden in der Trainerausbildung abgegeben.

DER REIZ EINER WM-TEILNAHME:

Welche Erfolge und auf welcher Ebene will Koller in seiner Karriere noch erreichen? Er bestätigt Anfragen anderer potenzieller Arbeitgeber. „Es muss jedoch der Zeitpunkt passen und es muss zwischen beiden Partnern passen. Mit dem ÖFB hat es gepasst“,  sagt der Schweizer, der mit 55 Jahren definitiv noch im richtigen Alter für einen erneuten Anlauf in einer Topliga ist, der aber auch nicht mehr zu den Jungspunden in der Trainergilde gehört. Man darf davon ausgehen, dass Koller auch den Punkt der persönlichen sportlichen Ziele in seine Überlegungen miteinfließen ließ. Vereinsarbeit wird vermutlich immer eine gewisse Versuchung darstellen, doch Österreich nach einer EURO auch noch zu einer Weltmeisterschaft zu führen, übt offenkundig auch einen gewaltigen Reiz auf ihn aus. Die Qualifikations-Gruppe ist machbar, das Leistungspotenzial der Mannschaft noch nicht ausgereizt und in Kombination mit den anderen Beweggründen ist eine potenzielle Reise nach Russland definitiv ein Ziel. Denn mit der EURO 2016 sollte die ÖFB-Fahnenstange noch nicht erreicht sein.


Peter Altmann



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