Stangl reif für Fuchs-Nachfolge: 5 Thesen zum Team

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Schon lange nicht mehr wurde einer Kader-Nominierung von Marcel Koller so gespannt entgegengefiebert wie dieser.

Nun steht fest, mit welchen 23 Spieler der Schweizer in die WM-Qualifikation gehen wird.

Die fünf neuen Spieler – Andreas Lukse, Valentino Lazaro, Stefan Stangl, Louis Schaub und Michael Gregoritsch – geben einige Aufschlüsse über die Pläne des Teamchefs.

LAOLA1 hat fünf Lehren aus Kollers erstem Kader nach der EURO gezogen:

 

These 1: Die sanfte Verjüngung ist geglückt

Gegenüber den EURO-Teilnehmern (27,27 Jahre) hat Koller das Durchschnittsalter mit seinem neuen Kader (26,17) um ein Jahr gesenkt. Das ist kein „Neuanfang“, wie der Teamchef betonte. Stattdessen will er die Mannschaft schrittweise verjüngen. Auf den Außenverteidiger-Positionen war Koller dazu sowieso gezwungen. Einerseits aufgrund des Rücktritts von Christian Fuchs, andererseits wegen der Verletzungsanfälligkeit von György Garics (Knie).

Auch im Sturm hat Koller mit der Nominierung von Michael Gregoritsch auf das fortgeschrittene Alter von Marc Janko (33) reagiert. Ansonsten besteht im ÖFB-Team kein dringender Handlungsbedarf. Der Stamm der Mannschaft, rund um die Generation der U20-WM-Teilnehmer 2007, geht zwar langsam auf den Dreißiger zu, die WM 2018 in Russland werden Martin Harnik (29), Zlatko Junuzovic (28) und Co. aber mindestens noch mitmachen. Danach wartet auf Koller bzw. seinen Nachfolger der nächste große Schnitt.

These 2: Michael Gregoritsch ist Österreichs einzige Chance zur Lösung der Stürmerkrise

Solch offene Worte hört man von Koller nur selten: „Es ist allgemein schwierig, österreichische Stürmer zu finden, die bewiesen haben, dass sie international treffen. Nur Janko hat überall seine Tore gemacht.“ Harter Tobak für all jene Angreifer, die sich in den letzten Jahren hinter dem Basel-Profi anstellen mussten. Dessen bisheriger Ersatzmann Rubin Okotie wurde vom Schweizer nun aussortiert. Nicht aufgrund seines China-Wechsels, wie Koller erklärte, sondern weil er mit Michael Gregoritsch einen Perspektivspieler aufbauen will. Explizit als „Janko-Nachfolger“ wollte der Teamchef den langjährigen Nachwuchs-Nationalspieler aber nicht bezeichnen. Dabei gibt es aktuell weit und breit keinen anderen Stürmer, der Janko ersetzen können.

Der Offensiv-Allrounder bringt alle Fähigkeiten mit, um in die Zielspieler-Rolle des ehemaligen Salzburg-Angreifers hineinzuwachsen, auch wenn er beim HSV auf anderen Positionen (Zehner, Flügel) zum Einsatz kommt. Das Problem: Hinter Gregoritsch fehlen die Nationalteam-Anwärter. Marcel Sabitzer, Guido Burgstaller oder auch Harnik sind andere Spielertypen. Zudem ist es bezeichnend, dass sich mit Deni Alar ein Stürmer auf der Abruf-Liste wiederfindet, der letzte Saison von Rapid aussortiert wurde – bei allem Respekt für seine Leistungen in der aktuellen Saison.

VIDEO: Das sagt Koller selbst zum neuen Kader


These 3: Stefan Schwab hat schlechte Chancen im ÖFB-Team

Die Rapid-Lobby in Österreich ist groß. Dementsprechend viel Wirbel wurde um eine mögliche Nominierung von Stefan Schwab gemacht. Tatsächlich besticht der Vizekapitän momentan mit hervorragenden Leistungen. Völlig zu Recht findet er sich auf der Abruf-Liste wieder. Ob es jedoch in Zukunft tatsächlich für regelmäßige Einberufungen reichen wird, ist fraglich. Das Pech des 25-Jährigen: Er spielt im zentralen Mittelfeld.

Mit Julian Baumgartlinger, David Alaba, Stefan Ilsanker, Alessandro Schöpf und Florian Grillitsch hat der Rapidler dort fünf starke Legionäre als Konkurrenz. Ein weiterer könnte mit Veli Kavlak hinzukommen, sofern sich der Besiktas-Profi von seinen Verletzungsproblemen erholt. Schwab müsste bei Rapid schon überragende Leistungen bringen, um einen dieser Legionäre aus dem Kader zu spielen bzw. vor Grillitsch in selbigen zu rutschen. Insofern dürfte es Schwab schwer werden, sich dauerhaft im ÖFB-Team festzusetzen.

These 4: Stefan Stangl ist reif für die Fuchs-Nachfolge

Bei RB Salzburg muss sich Stefan Stangl momentan hinter Andreas Ulmer anstellen. Im Nationalteam ist es jedoch genau umgekehrt. Diese Entscheidung Kollers sorgte bei den Fans für viel Aufregung. Nüchtern betrachtet drängt sich momentan aber niemand sonst für die Linksverteidiger-Position auf. Ylli Sallahi und Christoph Martschinko sind noch zu grün hinter den Ohren. Ihre Entwicklung bleibt abzuwarten, sie könnten Stangl früher oder später Konkurrenz machen. Die anderen Kandidaten, wie Thomas Schrammel (28) oder eben Ulmer (30), sind wiederum zu alt, um als zukunftsträchtige Nationalspieler durchzugehen.

Zumal Koller mit Markus Suttner (29) bereits eine erfahrene Lösung zur Verfügung steht. Der Ingolstadt-Legionär wird in seiner fußballerischen Entwicklung keine großen Sprünge mehr nach vorne machen. Mittelfristig wird es also auf Stangl ankommen, die langjährige Fix-Größe Fuchs adäquat zu ersetzen. Wenn der 24-Jährige bei Salzburg an seine Leistungen aus der letzten Saison anschließen kann, ist das dem Steirer durchaus zuzutrauen. Als ehemaliger Mittelfeldspieler bringt er auch offensiv die Fähigkeiten mit, die Koller an seine Außenverteidiger stellt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Stangl bei Salzburg zurechtkommt. Dann wird es über seine Nominierung keine Diskussionen mehr geben. David Alaba ist für Koller indes keine Option als Linksverteidiger.

These 5: Valentino Lazaros Nominierung als Rechtsverteidiger ist ein Anzeichen für mehr Variabilität

Der Teamchef will Valentino Lazaro als zukünftigen Rechtsverteidiger aufbauen. Das ist eine Überraschung, kommt der 20-Jährige bei Salzburg momentan doch links im offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Grundsätzlich bringt der Steirer die nötige Dynamik mit, um auch defensiv auf der Außenbahn zu bestehen. Nicht umsonst setzte ihn dort schon Adi Hütter ein. Gut möglich, dass Kollers seine Überlegungen mit Lazaro aber auch schon im Hinblick auf ein neues System getroffen hat. Schließlich versuchte Koller schon bei der EURO taktisch flexibel zu sein, als er gegen Island völlig überraschend eine Dreierketten-Variante auspackte.

Dieses Experiment ging damals auch in die Hose, weil die Außenbahnspieler Florian Klein und Christian Fuchs zu wenig entschlossen im Spiel nach vorne agierten. Mit Lazaro und Stangl könnte das besser klappen, bringen die beiden Neulinge doch genügend Offensiv-Qualitäten mit, um vorne bis an die Grundlinie zu gehen. Koller betonte, dass eine Formation mit Dreierkette gegen Georgien noch kein Thema ist. Im weiteren Verlauf der Qualifikation könnte sie trotzdem anstatt des obligatorischen 4-2-3-1 zum Einsatz kommen.

 


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