Ist Benitez der Richtige für Real?

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Die Prophezeiung ist am Weg, sich selbst zu erfüllen.

Von Beginn weg wurde die Bestellung von Rafael Benitez als Real-Trainer kritisch beäugt. Schon bei seiner Präsentation sah sich der Spanier mit einigen Vorurteilen konfrontiert. Seine Spielweise sei zu defensiv und er könne die Egos der Stars nicht unter Kontrolle zu bringen.

Diese Zweifler sehen sich nach dem 2:3 beim FC Sevilla vor zwei Wochen bestätigt. Manch spanisches Medium schreibt vor dem „Clasico“ gar schon von einem Entscheidungsspiel.

Zinedine Zidane schert schon in den Startlöchern. Präsident Florentino Perez soll darüber nachdenken, Benitez im Falle einer Niederlage gegen den FC Barcelona freizustellen.

Ein waschechter Madrilene

Dabei hat der Neo-Coach bis zur Niederlage in Sevilla kein einziges Spiel verloren.  In der Champions League liegt man mit zehn Punkten souverän an der Spitze der starken Gruppe A.

Für einen neuen Trainer kein schlechter Start. Vor allem, wenn die zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern in Betracht gezogen werden. Dazu gilt Benitez als waschechter Madrilene. 247 Spiele bestritt er für Reals zweite Mannschaft, ganze zehn Jahre verbrachte er als Nachwuchs-Coach bei den „Königlichen“.

Man könnte denken, der 55-Jährige würde deswegen einen Startvorteil bei Medien und Fans genießen, doch das Gegenteil ist der Fall. Von Anfang an begegneten sie ihm mit Skepsis. Für ihren Geschmack fuhr der ehemalige Napoli-Trainer, der die Süditaliener letzte Saison nur auf Platz fünf führte, in den vergangenen Jahren zu wenige Erfolge ein. Diese Meinung dürfte auch auf die Spieler abgefärbt haben.

Offene Kritik am Trainer

Ungewöhnlich offen wird Benitez von seinen Schützlingen in den Medien kritisiert. „Die Leute werden nicht nur über meinen Fehler reden, sondern auch über die Wechsel“, sagte Sergio Ramos nach dem Spiel gegen Atletico (1:1), als er einen Elfmeter verschuldete. Eine klare Anspielung auf die Entscheidung des Trainers, Isco und Karim Benzema für defensivere Spieler aus der Partie zu nehmen.

Ebenso zeigte James Rodriguez zuletzt nur wenig Respekt vor seinem Vorgesetzten. Benitez hatte auf den Mittelfeldspieler in der Startelf gegen Sevilla verzichtet und dies mit seiner eben erst auskurierten Verletzung begründet.

Wenige Tage später erzielte er für das kolumbianische Nationalteam ein Tor. Die Retourkutsche in Richtung Benitez folge zugleich: „Ich trainiere seit Wochen bei Real gut, fühle mich exzellent und bin fit für weitere 90 Minuten. Auch wenn manche Leute sagen, ich sei nicht fit.“

Zwist mit Ronaldo

Für die größte Aufregung sorgte aber der Superstar himself: Cristiano Ronaldo. „Mit diesem Trainer werden wir nichts gewinnen“, soll der Portugiese laut der Zeitung „El Confidencial“ gesagt haben. Ob er die Aussage wirklich getätigt hat oder nicht - das Verhältnis zwischen „CR7“ und seinem Coach scheint schwer angeknackst. 

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Der Grund dafür liegt auf der Hand: Noch funktioniert Ronaldo unter Benitez nicht so, wie das unter Carlo Ancelotti der Fall war. Von elf Saisonspielen blieb er sieben Mal ohne Treffer. Für eine Tormaschine wie ihn eine halbe Katastrophe.

Dazu musste der 30-Jährige in den letzten Spielen aufgrund des verletzten Benzema als Mittelstürmer ran. „Er würde lieber auf der linken Seite spielen, so, wie er es immer getan hat“, meint Reals ehemaliger Sportdirektor Jorge Valdano. „Er spielt unter Protest. Irgendwas muss mit ihm los sein. Wir wissen nicht, was es ist, aber er schießt keine Tore. Man sieht, dass er momentan keinen Spaß am Platz hat.“

Defensive Stabilität fehlte

Ronaldos schlechte Laune beflügelt die Thesen der Kritiker: Benitez würde seinen Offensiv-Spielern zu wenige Freiheiten lassen, seine Spielphilosophie sei zu defensiv für das „Weiße Ballett“.

Ein Klub wie Real definiert jedoch sich nicht zwingend über eine offensive Spielweise. Dem Verein ist nur eines wichtig: Gewinnen.

Um dafür zu sorgen, hat Benitez die Fehler der Vergangenheit akribisch analysiert. Seiner Meinung nach fehlte es letzte Saison an defensiver Stabilität. Etwas, das er in den ersten Monaten seiner Amtszeit zu verbessern versuchte – mit Erfolg, wie die Statistik zeigt: Real kassierte heuer pro Spiel durchschnittlich 0,4 Gegentreffer weniger, auch wenn man ein wenig mehr Schüsse pro Partie auf das eigene Tor zulässt.

Real Madrid 2014/15 (Ancelotti) 2015/16* (Benitez) Differenz
Punkte pro Spiel 2,4 2,2 -0,2
Tore pro Spiel 3,1 2,4 -0,7
Schüsse pro Spiel 18,1 20,4 +2,3
Gegentore pro Spiel 1,0 0,6 -0,4
Schüsse des Gegners pro Spiel 11,9 12,3 +0,4
Ballbesitz 56,2% 56,5% +0,3
Passgenauigkeit 86,3% 87,5% +1,2

*Nach 11 Spieltagen

„Er will, dass seine Teams kompakt sind“

„Zuerst geht es mir im Training immer darum, das Defensiv-Spiel zu verbessern. Es ist nicht so kompliziert wie das Angriffsspiel und wichtiger für den Erfolg“, sagte Benitez vor einigen Jahren in einem Interview.

Der Schweizer Team-Kapitän Gökhan Inler, der bei Napoli unter dem Spanier trainiert hat, bestätigt diese Aussagen: „Er will, dass seine Teams kompakt sind, die Mannschaftsteile eng beieinander stehen. Das sieht man auch. Wichtig ist aber, dass die Spieler dabei nicht ihre Freiheiten verlieren.“

Die von Benitez vorgenommenen taktischen Änderungen zeigen sich am deutlichsten im Mittelfeld. Ancelotti setzte im letzten Jahr oft auf eine Doppelsechs aus Toni Kroos und Luka Modric. Seinem Nachfolger bringt dieses zentrale Mittelfeld zu wenig physische Präsenz mit sich. Also platzierte er mit Casemiro noch einen Sechser hinter die beiden Stars, die damit nach vorne hin mehr Freiheiten genießen.

Auf diese Weise avancierte der 23-jährige Brasilianer, letzte Saison an Porto verliehen, zum größten Gewinner der bisherigen Saison. Die letzten fünf Liga-Spiele durfte er allesamt durchspielen.

Balance ist das Schlüsselwort

Aus dieser neuen Stabilität jedoch zu schließen, Benitez wäre per se ein defensiver Trainer, ist ein Trugschluss. Dem Pragmatiker geht es um die Balance zwischen Angriff und Verteidigung. „Meine Philosophie ist weder das simple Konterspiel noch der reine Ballbesitzfußball. Wichtig ist eine Mischung davon“, sagt der Champions- und Europa-League-Sieger.

Der „Clasico“ wird für Benitez ein richtungsweisendes Spiel. Im Falle eines Sieges bekommt er mehr Zeit, um das Offensiv-Spiel auf Touren zu bringen und die Stars von seinen Methoden zu überzeugen.

Ansonsten wird sich die Prophezeiung seiner Kritiker selbst erfüllen und der waschechte Madrilene als Randnotiz in die Geschichte Reals eingehen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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