Barca bejubelt "Weltkulturerbe", Benitez vor Aus

Der Schock stand Rafael Benitez ins Gesicht geschrieben.

Gerade eben erst hatte sich seine Mannschaft mit 0:4 im eigenen Stadion gegen den FC Barcelona blamiert.

Bei der Pressekonferenz wirkte der Coach angeschlagen. Sein Gesicht war bleich, die Stimme ängstlich.  

Anstatt die katastrophale Leistung klar anzusprechen, flüchtete er sich in Plattitüden. Man müsse sich nun gemeinsam wieder aufrichten. „Natürlich haben wir Fehler begangen. Aber die Mannschaft hat Qualität. Heute haben wir leider gegen einen sehr guten Gegner verloren“, beschönigte er.

Benitez hat sich selbst verraten

Der Job des 55-jährigen Madrilenen, der seine Trainer-Karriere als Nachwuchscoach bei Real begonnen hatte, stand schon vor dem Debakel gegen Barca in Frage. Nun wackelt sein Stuhl gewaltig. Dabei schickte er die Mannschaft mit genau jener Taktik ins Spiel, die sich die Anhänger, der Präsident und vor allem die Spieler selbst gewünscht hatten.

Cristiano Ronaldo durfte auf seiner Lieblingsposition am linken Flügel ran. Der zum Symbol für die vorsichtige Spielweise gewordene Casemiro musste auf die Bank. Stattdessen lief James Rodriguez,  zuletzt mit öffentlicher Kritik an Benitez auffällig geworden, von Beginn an auf. Insgesamt rückte jene defensive Kompaktheit, auf die Benitez stets großen Wert gelegt hatte, in den Hintergrund, stattdessen bekamen die Stars ihre lange geforderten Freiheiten in der Offensive.

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„Wir wollten attackieren, den Gegner schon weit vorne unter Druck setzten und viel Ballbesitz (Real hatte nur 41,3 %, Anmerkung) haben. Unsere Spieler haben auch genug Erfahrung dafür. Trotzdem ist uns leider nicht gelungen, was wir uns vorgenommen haben“, sagte ein resignierender Benitez, der nicht als einziger unter Beschuss steht. Ein Teil des Publikums stimmte auch Sprechchöre gegen Präsident Florentino Perez an.

„Müssen uns bei Fans entschuldigen“

„Wir wollten offensiv spielen, aber das war nicht möglich“, erklärte Linksverteidiger Marcelo, der kurz nach der Pause eine große Chance auf den Anschlusstreffer vergab. „Das Spiel ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen. Es tut weh, weil wir in so einem Spiel zu Hause derart versagt haben.“

Bei Gegner Barcelona regierte nach dem Spiel die Demut. Von einer Vorentscheidung im Kampf um den Meistertitel wollte trotz sechs Punkten Vorsprung niemand reden. „Es war eine Häufung von Zufällen. Real ist eines der besten Teams dieser Welt, aber wir konnten ihre Fehler ausnützen“, meinte Doppeltorschütze Luis Suarez, der einmal mehr hervorragend mit Sturmpartner Neymar harmonierte. 

Dazu gestellte sich diesmal ein glänzend aufgelegter Andres Iniesta. Bei seiner Auswechslung erwies ihm sogar ein Teil der Madrider Fans Standing Ovations. Sein Tor war übrigens der erste Barca-Treffer seit der Knieverletzung Lionel Messis, der nicht von Suarez oder Neymar erzielt wurde.

Iniesta? „Ein Weltkulturerbe“

„Unser Spiel war heute rundum komplett. Wir haben den Ball gut zirkulieren lassen und hinten wenige Chancen zugelassen“, so Iniesta. Trainer Luis Enrique überschüttete ihn mit Lob: „Er ist ein lebendes Weltkulturerbe. Wir können uns glücklich schätzen, einen Spieler zu haben, der auch hinten Augen hat und Kopf des ganzes Teams ist.“

Einer, der sich anschickt, in die Fußstapfen des 31-jährigen Kapitäns zu treten, ist Sergi Roberto. Das 23-jährige La-Masia-Eigengewächs zeigte im „Clasico“ einmal mehr mit einer starken Leistung auf.  Zunächst am rechten Flügel aufgeboten wechselte er nach der Auswechslung von Ivan Rakitic ins zentrale Mittelfeld. Den ersten Treffer bereitete er mit einem Diagonallauf und anschließendem Lochpass mustergültig vor.

„Er ist unsere Wildcard, kann auf jeder Position spielen und ist enorm ballsicher. Heut hat er perfekt verstanden, was wir von ihm wollten. Er hat die freien Räume gefunden. Ihm steht eine große Zukunft bevor“, lobte Enrique seinen Schützling.

„Wird in die Geschichte eingehen“

Der Trainer gab nach dem Spiel zu, bereits unter der Woche entschieden zu haben, Superstar Messi nach dessen Knieverletzung erst als Joker in die Partie zu bringen. Der vierfache Weltfußballer hätte fast noch einen Treffer erzielt, doch sein Schuss aus aussichtsreicher Position wurde geblockt.

Die Katalanen trauerten dem möglichen fünften Treffer aber nicht nach. Enrique zeigte sich dennoch überwältigt vom Triumph, der an vergangene „Clasico“-Kantersiege unter Pep Guardiola erinnerte: Einerseits an das 5:0 aus dem Jahr 2010 im ersten Duell mit Jose Mourinho und andererseits an das meisterschaftsentscheidende 6:2 2009 in Madrid.

„Es war eine überragende Leistung, die in die Geschichte eingehen wird. Es ist ein überragendes Gefühl. Sie sind unsere Erzrivalen“, strahlte Enrique, der kurz vor seinem Trainerkollegen Benitez die Pressekonferenz absolvierte.

Nicht unwahrscheinlich, dass die beiden sobald nicht mehr aufeinandertreffen. Momentan sieht es nicht danach aus, dass Benitez bis zum nächsten „Clasico“ als Real-Trainer überlebt.

 

Jakob Faber

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