Der Mann hinter Sevillas Erfolg

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Ramón Rodríguez Verdejo, bekannt unter dem Namen Monchi, wird wohl nur einigen Spanien-Insidern ein Begriff sein.

Doch der Mann fristet unberechtigterweise ein derartiges Schattendasein außerhalb der iberischen Halbinsel. Schließlich gilt er als der Macher des FC Sevilla, einen der erfolgreichsten Klubs der letzten Jahre und Europa-League-Seriensieger.

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Er gilt als „Transfer-Zauberer“, schafft es Jahr für Jahr gute, talentierte Spieler zu holen und arrivierte Kräfte, die man um viele Millionen verkauft, zu ersetzen.

Dabei war er als Spieler lediglich eine Randerscheinung bei den Andalusiern, absolvierte in seinen neun Profi-Jahren lediglich 29 Partien für Sevilla. Dennoch blieb er dem Verein treu, als Spieler und auch als gefragter Sportdirektor.

„Der letzte Esel“

Im Gespräch mit dem „Guardian“ bezeichnete sich Monchi selbst, rückblickend auf seine Spieler-Karriere, als „der letzte Esel“ beim Verein. Mittlerweile ist er wohl der mit Abstand wichtigste Baustein des Sevilla-Erfolgs.

Der 47-Jährige übernahm im Jahr 2000 seine Agenden, damals war die Situation beim Verein allerdings eine  deutlich andere. Schwere finanzielle Probleme belasteten den Klub, zudem musste man den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Es folgte der sofortige Wiederaufstieg und Sevilla etablierte sich als Topteam in La Liga. Die schlechteste Saisonplatzierung seither: Ein Neunter Platz.


Millionengewinne

Doch nicht nur die sportlichen Ergebnisse können sich sehen lassen, auch im wirtschlichen Bereich hat Monchi eine hervorragende Arbeit geleistet. Seit der Spanier das Amt übernommen hat, verzeichnete der FC Sevilla eine positive Transferbilanz von unglaublichen 114,4 Millionen Euro.

Sein Auge für Talente beweist vor allem folgende Elf, die alle von Verdejo nach Andalusien geholt wurden: Im Tor Andres Palop, vor ihm die Verteidigung mit Dani Alves, Federico Fazio, Martin Caceres und Adriano. Das Mittelfeld bestehend aus Ivan Rakitic, Julio Baptista, Seydou Keita und Christian Poulsen, sowie der Sturm mit Carlos Bacca und Luis Fabiano.

Diese elf Spieler kosteten Sevilla gerade einmal 25 Millionen Euro. Alle elf wurden auch wieder verkauft, für knapp 170 Millionen. Dazu kommen etliche Spieler aus der eigenen Jugend, die den Durchbruch schafften und anschließend für gutes Geld an Topklubs weiterverkauft wurden.

Als Beispiele seien Sergio Ramos, Jesus Navas, Alberto Moreno oder Jose Antonio Reyes, der mittlerweile wieder zu seinem Jugendklub zurückkehrte, genannt. Über 100 Millionen Euro nahm man für diese Spieler ein.

Das Scouting-Geheimnis

Diese Transfergewinne sind natürlich auf ein sehr erfolgreiches Scouting zurückzuführen. Dafür hat Monchi auch einige Scouts an seiner Seite. „16 Leute decken eine Reihe an Ligen ab. In den ersten fünf Monaten schauen wir einfach nur sehr viel Fußball und sammeln viele Daten. Jeden Monat erstellen wir eine ideale Elf für jede Liga. Ab Dezember fangen wir an, spezielle Spieler genauer zu beobachten“, erklärt der Sportdirektor den Scouting-Ablauf.


Auch in diesem Sommer wird man sich wohl wieder auf das gute Gespür Monchis verlassen müssen, Leistungsträger wie Kevin Gameiro und Grzegorz Krychowiak haben Begehrlichkeiten geweckt. Doch der ehemalige Keeper bleibt gelassen: „Es ist kein Trauma mehr. Ein Alvaro Negredo verlässt den Verein und du glaubst es ist das Ende der Welt, doch dann kommt Carlos Bacca. Dann geht er und Gameiro beweist sich.“

Doch auch Monchi weiß, dass trotz aller Millionen-Transfers die sportliche Leistung nicht darunter leiden darf: „Niemand bringt einen ‚Tolle wirtschaftliche Erfolge‘-Banner mit ins Stadion.“ Die Gefahr des sportlichen Absturzes scheint aber ohnehin nicht gegeben. Das Copa-del-Rey-Finale gegen Barcelona wird das 14. Endspiel unter seiner Regentschaft sein.

Keine Angst vor England

Besonders aus Deutschland sind seit dem neuen TV-Mega-Deals der englischen Premier League die Aufschreie groß, es würde unmöglich werden mit den britischen Klubs am Transfermarkt mithalten zu können. Monchi dagegen sieht die Chance, welche der Milliarden-Deal auch für andere Teams mit sich bringt.

„Mit englischen Vereinen finanziell mitzuhalten war schon immer schwer, jetzt ist es beinahe unmöglich“, so der Sportdirektor. Doch: „Es ist ein guter Markt, da englische Klubs viele Spieler kaufen, aber nur elf spielen können.“


Zuletzt hat man beispielsweise Steven N’Zonzi für rund neun Millionen von Stoke City verpflichtet. Er ist kaum noch aus dem defensiven Mittelfeld von Trainer Unai Emery wegzudenken. Dazu hat man Spieler wie Gary Medel, Alberto Moreno oder Jesus Navas für viele Millionen auf die Insel transferiert. „England ist ein guter Käufer“, weiß Monchi.

Loyalität

Dass Monchis Erfolge mit Sevilla natürlich von anderen Klubs nicht unbemerkt bleiben, liegt auf der Hand. Und so wecken nicht nur die von ihm verpflichteten Spieler Begehrlichkeiten, auch er selbst hatte schon Möglichkeiten den Verein zu verlassen.

Unter anderem sollen beide Giganten aus Spanien, Real Madrid und der FC Barcelona, heftig um den Sportdirektor geworben haben. Erfolglos – der 47-Jährige gab beiden einen Korb. Vielmehr verlängerte er seinen Vertrag bei Sevilla bis 2020.

Er hat den Verein als „letzter Esel“ nicht verlassen und wird ihn auch nicht als „Transfer-Zauberer“ verlassen.

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Julian Saxer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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