Die Fußball-Welt war geschockt!

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Leicester City ist englischer Meister (Alle Infos zum Titelgewinn)! Das ist zweifellos eine der größten Sensationen in der Fußball-Geschichte.

Doch schon vor Christian Fuchs und Co. ist es Mannschaften gelungen, bei Fans für offene Münder und ungläubige Blicke zu sorgen.

LAOLA1 listet 15 der größten Titel-Sensationen auf. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich. 


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1997/98: König Otto und seine „Roten Teufel“

Deutschland war geschockt! Zum ersten Mal, und bisher auch einzigen Mal, in der Geschichte wurde ein Aufsteiger auf Anhieb Meister. In der ersten Runde gewann der 1. FC Kaiserslautern gegen Titelkandidat FC Bayern, ab der vierten Runde gab der Aufsteiger Platz eins nicht mehr her. Olaf Marschall, Ciriaco Sforza, Miroslav Kadlec und Co. wurden zu Legenden am Betzenberg – Otto Rehhagel sowieso. Und die Bayern? Die schrieben mit der Wutrede von Trainer Giovanni Trapattoni ihr eigenes Stück Geschichte.

1978-1980: Nottinghams überraschende Dominanz

44 Tage lang durfte sich Brian Clough Leeds-Manager nennen, ehe er 1974 entlassen wurde. Kurz darauf übernahm er Nottingham Forest, das seit 1972 ein eher tristes Dasein in der Zweitklassigkeit fristete. Was folgte, war unglaublich: Aufstieg 1977, Meistertitel im Aufstiegsjahr und zwei aufeinanderfolgende Triumphe im Europapokal der Landesmeister – mit Finalsiegen gegen Malmö und den Hamburger SV.

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2011/12: Montpellier schockt Paris

„Montpellier französischer Meister!? Wenn ich Marseille, Paris, Lille oder Rennes wäre, würde ich mir eine Wurst in den Arsch schieben“, so kommentierte der exzentrische Klub-Eigentümer Louis Nicollin den sensationellen Triumph seines Teams. PSG hatte nach dem Einstieg der Kataris keine Kosten und Mühen gescheut, um die Liga zu dominieren. Montpelliers Budget war nicht unwesentlich geringer als die 42 Millionen Euro Ablöse, die die Pariser alleine für Javier Pastore ausgegeben hatten. Doch am Ende hatten Olivier Giroud, Younes Belhanda und Co. die Nase vorne.

1987/88: Das Ende der zwei Städte

In Griechenland wird entweder ein Klub aus Athen oder ein Klub aus Thessaloniki Meister – das ist die Faustregel, nach der man sich getrost richten kann. Ende der 1980er-Jahre gab es eine einzige Ausnahme. AE Larisa, das sich in den Jahren davor immer mehr gemausert hatte, durchbrach die Dominanz. Weil dem Bulgaren Georgi Tsingov die Einnahme von Codein nachgewiesen wurde, entschied der Verband im März 1988, Larissa vier Punkte abzuziehen. Die Fans reagierten mit tagelangen Blockaden der Autobahn, ehe sich die Politik einmischte und der Punkteabzug für nichtig erklärt wurde.

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2004: König Otto und seine Hellenen

Fußball-Europa traute seinen Augen nicht. Griechenland als Europameister! Das war eine der größten Sensationen überhaupt. Die von Otto Rehhagel trainierten Griechen rund um Kostas Katsouranis, Angelos Charisteas und Theodoros Zagorakis hatten in der Gruppenphase nicht unbedingt geglänzt – 2:1 gegen Gastgeber Portugal, 1:1 gegen Spanien, 1:2 gegen Russland. Dann haben sie sich aber gegen Frankreich (1:0) und Tschechien (1:0 n.V.) mit ihrem Defensivfußball bis ins Endspiel gekämpft, wo Portugal erneut besiegt wurde (1:0). Rehhagel im Fußball-Olymp!

1984/85: Hans-Peter und Preben

Romeo und Julia ist die größte Liebesgeschichte, die in Verona jemals gespielt hat. Unmittelbar danach kommt die Beziehung der Hellas-Fans zu ihrer Meistermannschaft. Nachdem das Team mit dem deutschen Hans-Peter Briegel und dem Dänen Preben Elkjaer verstärkt worden war, gelang die ganz große Sensation. Gut möglich, dass der Titelgewinn auch damit zu tun hatte, dass nach dem Wettskandal erstmals die Schiedsrichter-Ansetzungen via Los entschieden worden waren…

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2013/14: Der Beginn des Dreikampfs

Barca, Barca, Real, Real, Barca, Barca, Barca, Real und Barca – so wurde der spanische Meistertitel von 2005 bis 2013 vergeben. Und dann kam Diego Simeone mit Atletico Madrid und durchbrach die Vorherrschaft der beiden Klubs rund um die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Dem unglaublich intensiven, kämpferischen Spiel der „Rojiblancos“ hatte die Schöngeister von Barca und Real am Ende nichts entgegenzusetzen. Das 1:1 im Camp Nou am letzten Spieltag machte die Sensation perfekt.

2000/01: Den Titel erkämpft

Seit 1946 hatten Fußball-Fans in Portugal warten müssen, ehe der Meister zum zweiten Mal in der Geschichte nicht Porto, Benfica oder Sporting hieß. Trainer Jaime Pacheco ließ Boavistas Team genau jenen Fußball spielen, für den der Verein seit vielen Jahrzehnten steht – defensiv stark, unerbittlich um jeden Zentimeter Rasen kämpfend und trotzdem mit einer nicht zu verachtenden Offensive. In diesem einen Jahr lief es perfekt.

1999/00: Der Dorfklub

Ungefähr 7.000 Einwohner hat Herfölge. Es gibt eine Kirche, ein winzig kleines Krankenhaus, einen Mini-Bahnhof und einen dänischen Meister. Der Klub, der die meiste Zeit seiner Geschichte in den unteren Ligen herumkrebste, schockte 2000 die dänische Fußballlandschaft und holte aus dem Nichts den Meistertitel. Im Jahr darauf fuhr der Klub nur noch sieben Siege ein und stieg wieder ab.

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1992: Aus dem Urlaub zum Europameister

Weil das sich im Bürgerkrieg befindliche Jugoslawien kurzerhand von der Teilnahme ausgeschlossen wurde, durfte Dänemark an der EM in Schweden teilnehmen. Die Kicker kamen praktisch direkt aus dem Urlaub, Superstar Michael Laudrup verzichtete sogar. Am Ende führte Teamchef Richard Möller Nielsen seine Mannen sensationell zum Titel. Das Finale gegen Deutschland wurde 2:0 gewonnen.

1997/98: Eine umstrittene Sensation

Im Sommer 1997 feierte Obilic Belgrad den Aufstieg in die höchste Spielklasse Jugoslawiens, ein Jahr später war der Klub plötzlich Meister – mit nur einer Niederlage in 33 Spielen. Das klingt alles nach einem Märchen. Die Schattenseite: Der Klub wurde massiv von Zeljko Raznatovic, besser bekannt als Arkan, unterstützt. Der Anführer der serbischen Paramilitärs soll die Gegner massiv bedroht und unter Druck gesetzt haben.

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2013: Paschinger Wunder

Mit unglaublichen 82 Zählern, also Punkterekord, hatte die Wiener Austria unter Peter Stöger den Meisterteller geholt. Das Double sollte nur noch Formsache sein. Immerhin wartete mit Pasching ein Klub aus der Regionalliga auf die Veilchen. Doch die Oberösterreicher, trainiert von Gerald Baumgartner, hatten gegen Austria Salzburg, Austria Klagenfurt, Austria Lustenau, Rapid und RB Salzburg schon bewiesen, wozu sie fähig sind. Daniel Sobkova erzielte im Happel-Stadion das einzige Tor, der Drittligist durfte Europacup spielen.

1950: Stille im Maracana

Die Namen der brasilianischen Spieler waren bereits in die Medaillen eingraviert. Niemand hatte vor dem entscheidenden Spiel der Finalrunde den Anflug eines Zweifels daran, dass die Gastgeber den WM-Titel holen würden – zu souverän waren sie bis dahin aufgetreten. Doch Uruguay versetzte den 200.000 Brasilianern im Maracana den größten Schock ihres Lebens. Die „Selecao“ führte zwar 1:0, doch Schiaffino und Ghiggia drehten das Spiel. Aus Angst vor Ausschreitungen wurde der WM-Pokal in den Stadion-Katakomben übergeben.

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2007: Ein kurzer Moment des Friedens

Die jüngere Geschichte des Iraks ist bekannt – eine Nation gebeutelt von Krieg und Terror. Doch der Sommer 2007 ließ die Menschen ihr großes Leid zumindest für einige Momente vergessen. Eine Mannschaft aus Underdogs war angetreten, um beim Asia Cup teilzunehmen. Schon in der Gruppenphase setzte die vom Brasilianer Jorvan Vieira betreute Truppe mit einem 3:1 gegen Australien ein riesiges Ausrufezeichen. In der K.o.-Phase wurden Vietnam und Südkorea aus dem Bewerb geworfen, im Finale gegen Saudi-Arabien sorgte Younis Mahmoud für den ganz großen Triumph. Schiiten und Sunniten feierten in einem Team und gemeinsam auf den Straßen von Bagdad.

1973: Revie und die schwarzen Katzen

Sunderland hat nach dem Zweiten Weltkrieg nur einen einzigen Titel geholt. Dieser Triumph der „Black Cats“ war aber umso bemerkenswerter. In den FA-Cup startete der Zweitligist, wie man das als Zweitligist nunmal so tut – einfach mal schauen, vielleicht gehen ja ein paar Runden. Und plötzlich stand die Truppe im Endspiel. Dort wartete Leeds United, dass unter Manager Don Revie in dieser Zeit eines der dominantesten Teams, das die Insel je gesehen hat, war. Doch Ian Porterfield sorgte mit seinem Goldtor zum 1:0 für die Sensation. 100.000 Zuseher wurden im Wembley Zeugen, wie der Zweitligist das große, aus elf Internationalen bestehende Leeds besiegt hatte.


Harald Prantl

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