Die graue Maus muckt auf

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Sie nennen sie „i grigi“, also „die Grauen“. Das liegt an der Farbe ihrer Trikots.

Im übertragenen Sinn ist US Alessandria auch tatsächlich eine graue Maus. Aber derzeit muckt sie gewaltig auf.

Der Klub, der 1929 Gründungsmitglied der Serie A war, hat seine beste Zeit längst hinter sich. 1960 hat der Verein aus dem Piemont zum letzten Mal in der höchsten Spielklasse gekickt.

Was danach folgte, ist ein italienischer Klassiker: Jahre im Niemandsland, hier ein ambitionierter Eigentümer, da ein weniger ambitionierter Eigentümer, immer wieder finanzielle Probleme, dann der Bankrott und die Neugründung.

Eine Cenerentola-Story

Diese Geschichte kann in Italien gefühlt jeder zweite Verein erzählen, also ist sie nichts Besonderes. Aufmerksam werden die Tifosi außerhalb der jeweiligen Region erst, wenn sich daraus eine Cinderella-Story bzw. eine Cenerentola-Story, wie die Figur am Stiefel genannt wird, entwickelt.

Nach vielen Jahren des Herumdümpelns richten sich nun alle Augen auf die US Alessandria. Denn der Verein aus der Lega Pro, der dritthöchsten Spielklasse des Landes, hat es ins Halbfinale der Coppa Italia geschafft.

Das ist in Italien fast unglaublich. Denn den Underdogs wird es ungemein schwer gemacht, im Pokal für Furore zu sorgen. Die absoluten Top-Teams der Serie A steigen sowieso erst im Achtelfinale ein und haben dort und im Viertelfinale auch noch Heimrecht. Die kleinen Klubs müssen indes von der ersten Runde an um ein Wunder kämpfen.

>>>Halbfinal-Hinspiel der Coppa Alessandria-Milan: Di., 21:00, LIVE bei LAOLA1.tv und A1 TV>>>

Alessandria ist das gelungen. 2:0 daheim gegen Altovicentino, 2:1 bei Pro Vercelli, 1:0 daheim gegen Juve Stabia, 3:2 in Palermo, 2:1 n.V. beim Genoa CFC und 2:1 bei Spezia Calcio – das war der Weg der „Grigi“ ins Halbfinale.

Seit es die AS Bari 1983/84 ins Halbfinale der Coppa Italia geschafft hat, ist kein Klub aus der dritten Liga mehr so weit gekommen.

Nun geht es für Alessandria gegen den großen AC Milan. Allerdings kann der Drittligist sein Heimspiel nicht im eigenen Stadion austragen. Lediglich 7.694 Zuseher fasst das Stadio Giuseppe Moccagatta. Nur wenige Stunden nachdem das Duell fixiert war, meldeten sich schon 6.000 Milan-Fans wegen Karten.

Also wird die Partie im rund 100 Kilometer entfernten Turin über die Bühne gehen. Ins Stadio Olimpico passen rund 28.000 Menschen. Und da trifft es sich doch gut, dass die Ultras von Alessandria mit jenen des FC Torino eine Freundschaft pflegen.

Eine gemeinsame Legende

Doch auch den Tifosi aus Mailand zaubert es ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie Alessandria hören. Die Klub-Legende Gianni Rivera wuchs nämlich dort auf und spielte auch im grauen Trikot, ehe sie sich anschickte als „Rossonero“ Kultstatus zu erlangen.

Und eine letzte Gemeinsamkeit gibt es außerdem: Alessandria war 1936 schon einmal im Halbfinale der Coppa Italia. Der Gegner damals hieß AC Milan. Alessandria gewann mit 1:0 und unterlag im Endspiel dann dem FC Torino 1:5.

Ein erneuter Einzug ins Finale wäre eine der größten Sensationen im italienischen Fußball.


Harald Prantl

 

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