Milan hilft nur ein Wunder

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Die Favoritenrolle vor dem Finale der Coppa Italia zwischen AC Milan und Juventus Turin (ab 20:45 Uhr LIVE bei LAOLA1.tv) ist klar verteilt.

Während Meister Juventus eine überzeugende Saison spielte, verpassten die Rossoneri zum dritten Mal in Folge einen Europacup-Platz über die Serie A. Entsprechend pessimistisch zeigt sich die italienische Presse.

"Es braucht ein Wunder", schreibt die "Gazzetta dello Sport" und räumt den seit 2011 titellosen Lombarden (Scudetto) nur geringe Siegchancen ein.

Brocchi: "Die Bilanz bleibt negativ"

Während Juventus das Double aus dem Vorjahr wiederholen will, wäre es für Milan der erste Coppa-Erfolg seit 2003. Doch selbst ein Titelgewinn kann die verkorkste Spielzeit 2015/16 nicht retten, befindet Trainer Cristian Brocchi, der für den geschassten Sinisa Mihajlovic installiert wurde.

"Die Bilanz der Saison bleibt negativ", stellt der 40-Jährige klar und damit seiner Mannschaft kein gutes Zeugnis aus. Die stolzen Mailänder, noch vor wenigen Jahren eines der absoluten Top-Teams Europas, sind inzwischen "sehr weit" von den goldenen Zeiten entfernt.

Lang, lang ist's her, als der AC Milan zuletzt die Champions-League-Trophäe stemmen durfte.
Der letzte Triumph datiert aus dem Jahr 2007, damals war die Mannschaft gespickt mit Superstars.
Auch beim legendären Finale 2005, als Milan gegen Liverpool trotz 3:0-Halbzeitführung noch im Elfmeterschießen verlor, gaben sich Legenden die Klinke in die Hand.
Nicht zu vergessen das Jahr 2003, als Milan auf Europas Thron Platz nahm. Von Baresi bis van Basten, von Maldini bis Shevchenko - diese Stars kickten in den letzten 25 Jahren für Milan.
Von 1978 bis 1997 schnürte Franco Baresi die Profi-Schuhe für Milan und wurde zur Legende. Dreimal gewann er Champions League bzw. Meisertcup (in Folge als Champions League bezeichnet).
Sechs Mal wurde der One-Club-Player, der als einer der besten Liberos aller Zeiten gilt, italienischer Meister. Seine Rückennummer 6 wird nicht mehr vergeben.
Roberto Donadoni stand zwischen 1986 und 1996 sowie von 1997 bis 1999 bei den Rossoneri unter Vertrag und holte insgesamt 18 Trophäen.
Der spätere italienische Teamchef zog im Mittelfeld die Fäden und gehörte zu "Gli Immortali" (Die Unsterblichen) sowie zu "Gli Invincibili" (Die Unbesiegbaren).
Mit großen Erwartungen holten die Milan-Bosse Rivaldo 2002 vom FC Barcelona, diesen wurde der Brasilianer jedoch nie gerecht.
Zwar gewann er die Champions League und den Pokal, doch nach etwas mehr als einem Jahr kehrte er Italien schon wieder den Rücken.
Gemeinsam mit Gullit und van Basten bildete Frank Rijkaard ein magisches Oranje-Trio, das Europa in Angst und Schrecken versetzte.
Zwischen 1988 und 1993 gewann er mit Milan alles, was es zu gewinnen gibt, darunter zwei Europacup-Titel. 1992 wurde er zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt.
Nach zwei Jahren bei Lazio wechselte Mauro Tassotti 1980 zu Milan und blieb den Teufeln bis heute treu. Als Spieler bestritt er knapp 600 Pflichtspiele für den AC (Platz fünf in der ewigen Bestenliste).
Dabei gewann er alle großen Titel - national wie international. Nach Ende der aktiven Karriere wechselte er ins Trainergeschäft und war seither in diversen Positionen bei Milan tätig.
Marco van Basten gehört zu den besten Torjägern, die je in Diensten der Rossoneri standen. Er war Teil des magischen Trios mit Gullit und Rijkaard und spielte von 1987 bis 1993 bei Milan.
Der Niederländer gewann nicht nur alle großen Teampokale, er wurde auch Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres sowie Serie-A und Europacup-Torschützenkönig.
Mit George Weah beschäftigte Milan einen weiteren Weltfußballer. Die Auszeichnung bekam er gleich in seiner ersten Saison, insgesamt spielte er von 1995 bis 2000 in Italien.
Afrikas "Fußballer des Jahrhunderts" geann mit Milan zwei Meisterschaften und bildete in der Meister-Saison 1998/99 ein Sturm-Duo mit ...
... Oliver Bierhoff. Der Deutsche kam als amtierender Torschützenkönig der Serie A und blieb bis 2001.
Abgesehen vom Scudetto blieben ihm weitere Trophäen mit dem AC verwehrt.
Sechs Jahre - von 1992 bis 1998 - verbrachte Dejan Savicevic in Mailand. Dank seiner herausragenden Spielintelligenz wurde ihm der Spitzname "Il Genio" verpasst.
Zwar war er häufig verletzt und kam auf weniger als 100 Einsätze, doch führte er Milan 1994 zu einem 4:0-Kantersieg im CL-Finale gegen den FC Barcelona.
Clarence Seedorf kam 2002 von Inter und wurde trotzdem zur Legende. Der Niederländer blieb zehn Jahre und gewann alle großen Titel.
Durch seinen CL-Sieg 2003 wurde er zum ersten Spieler, der diesen Titel mit drei Teams abstaubte. Er kam 2014 als Trainer zurück, wurde jedoch nach wenigen Monaten entlassen.
Die linke Abwehrseite beackerte Serginho von 1999 bis 2008 in 185 Pflichtspielen, in denen er 18 Treffer für Milan erzielte.
Auch der Brasilianer gewann alle großen Titel, darunter Champions League (2x), Scudetto (1x) und Coppa Italia (1x).
Noch heute schwärmen die Fans von Andriy Shevchenko, der von 1999 bis 2006 und dann noch einmal als Chelsea-Leihgabe von 2008 bis 2009 bei Milan spielte.
Unvergessen sein Elfmeter gegen Juve im CL-Finale 2003, der Milan den Titel bescherte. Der Ukrainer wurde 2004 Europas Fußballer des Jahres und zweimal Serie-A-Torschützenkönig.
In Milans Jugend groß geworden, spielte Demetrio Albertini von 1988 bis 2002 (1990/91 an Padua ausgeliehen) für die Rossoneri und war unermüdlicher Antreiber im Mittelfeld.
Neben unzähligen Titeln war die Saison 1991/92, in der Milan in 58 Pflichtspielen unbesiegt blieb, ein echtes Highlight während seiner Zeit in der Lombardei.
Nach 18 Jahren - eines davon wurde er ausgeliehen - verließ Massimo Ambrosini 2013 die Rot-Schwarzen.
Gegen Ende seiner Zeit in Mailand wurde er Kapitän, im Laufe der Jahre gewann er u.a. zweimal die Champions League.
Auch Roberto Baggio war zwei Jahre lang - 1995 bis 1997 - Teil der Milan-Historie. Im ersten Jahr wurde er Meister, danach folgte der Absturz.
Milan war im Umbruch und verpasste als Titelträger im Folgejahr die Europacup-Startplätze. Baggio war nur noch Ersatzspieler und verließ den Verein wieder.
Der letzte große Name, der für Milan kickte, ist Mario Balotelli. Das "Enfant Terrible" wurde 2013 mit vielen Vorschusslorbeeren versehen, wurde den Erwartungen aber nicht immer gerecht.
"Super-Mario" war vor allem im Nachtleben super. Auf dem Feld schwankte er zwischen Genie und Wahnsinn und stach dennoch aus der Masse. Nach eineinhalb Jahren ging er nach Liverpool.
Offiziell spielte Zvonimir Boban elf Jahre (1991-2002) für Milan, davon wurde er allerdings zwei ausgeliehen. Nichtsdestotrotz war er einer der prägenden Teamköpfe in den 90ern.
Boban gewann mit den Rossoneri viermal die Meisterschaft, einmal die Champions League sowie einen Europäischen Supercup.
Fest angestellt war David Beckham bei Milan nie, doch ihm gefiel die Leihe 2009 so gut, dass er ein Jahr später erneut für kurze Zeit - während der Pause in der MLS - nach Italien kam.
Auch in der Lombardei zeigte der Engländer sein Können - vor allem bei Freistößen, Titel gewann er in der Kürze der Zeit allerdings keine.
Wäre er nicht 1986/87 an Monza ausgeliehen worden, hätte Alessandro Costacurta während seiner kompletten Karriere, die bis 2007 dauerte, nur für Milan gespielt.
Er bildete eine Weltklasse-Abwehr mit Maldini und Baresi und gehört mit fünf Champions-League-Siegen zu den erfolgreichsten Teilnehmern aller Zeiten.
2004/05 wurde Hernan Crespo vom FC Chelsea ausgeliehen und wäre beinahe mit der CL-Trophäe belohnt worden, hätte Milan das Finale gegen Liverpool nicht noch aus der Hand gegeben.
Crespo erzielte elf Treffer in 28 Spielen, ehe er weiterzog - zum Lokalrivalen Inter, der ihn ebenfalls auslieh.
Cafu wurde nicht nur mit Brasilien zweimal Weltmeister, sondern gewann auch im Vereinsfußball so gut wie alle wichtigen Titel.
Vor allem mit Milan, wo er von 2003 bis 2008 fünf Jahre verbrachte, reüssierte er im großen Stil und holte Champions League, Scudetto und Klub-WM.
Von 2000 bis 2010 (ausgeliehen 2001/02) besschäftigte Milan Torhüter Dida. Für Landsmann Kaka ist er der beste Keeper der jüngeren Vergangenheit.
Objektiv gesehen gehört er zu den erfolgreichsten. Neben dem WM-Pokal mit Brasilien stemmte er mit Milan 2x die CL-Trophäe und gewann Coppa und Scudetto.
Ein weiterer Weltmeister, der mit Milan große Erfolge feierte, ist Marcel Desailly. Von 1993 bis 1998 war er nicht aus dem Mittelfeld der Rossoneri wegzudenken.
Der Franzose gewann alle bedeutenden Titel, traf im CL-Finale 1994 gegen Barca (4:0) und wurde beim AC verdientermaßen in die "Hall of Fame" aufgenommen.
Als Gianluca Zambrotta 2012 den AC Milan verließ, hatte er Tränen in den Augen. Vier Jahre gab der Außenverteidiger alles für die Rot-Schwarzen.
Der Italiener gewann einen Meistertitel sowie einen Supercoppa-Pokal.
Von 2009 bis 2012 hielt Thiago Silva die Abwehr des ACM dicht und wuchs zu einem der besten Innenverteidiger der Welt heran.
Für die in Finanzprobleme geratenen Rossoneri, mit denen der Brasilianer einmal Meister und Supercup-Sieger wurde, war er nicht mehr zu halten und wechselte zu PSG.
Jaap Stam galt zu aktiven Zeiten als eisenharter Verteidiger und durfte sein Können zwischen 2004 und 2006 beim AC Milan abrufen.
Titel mit den Italienern blieben ihm verwehrt, als Highlight steht die CL-Finalteilnahme 2005 gegen Liverpool zu Buche.
Zehn Jahre, 2002 bis 2012, verkörperte Alessandro Nesta Weltklasse im Milan-Trikot. Gegen Ende seiner Zeit in der Lombardei wurde er jedoch immer verletzungsanfälliger.
Der Weltmeister mit Italien gewann u.a. zweimal die Champions League und Meisterschaft.
Alexandre Pato gehört zu den zahlreichen Brasilianern, die Milan von einem Engagement überzeugen konnte. Er wirbelte von 2007 bis 2012 in der Offensive.
Zunächst als Wunderkind gepriesen, blieb er mit Fortdauer in seiner Entwicklung stehen. Er gewann in Italien immerhin einen Scudetto.
Mittelfeld-Genie Andrea Pirlo streichelte von 2001 bis 2011 in Diensten Milans den Ball und war die Schaltzentrale im Spiel der Rot-Schwarzen.
Pirlo gewann alle großen Titel, darunter Coppa, Scudetto und Champions League und wurde während seiner Milan-Zeit auch noch Weltmeister mit der Squadra Azzurra.
Auch Ronaldinho gehört in die Liste der Superstars, die das Milan-Trikot überstreifte - von 2008 bis Jänner 2011.
Zwar konnte er an seine Glanzzeiten aus Paris und Barcelona nicht anschließen, fügte seiner Trophäensammlung aber immerhin einen Meistertitel hinzu.
Im Jänner 2007 gab Milan die Verpflichtung von Ronaldo bekannt. Il Fenomeno kam von Real und war in der CL nicht spielberechtigt, sodass der Verein ohne ihn den Titel holte.
In der Folgesaison wurden seine Leistungen immer schwankender, zudem war er häufig verletzt. Im Sommer 2008 entschieden sich die Milan-Bosse, den Vertrag nicht mehr zu verlängern.
Sebastiano Rossi gehört zu den wenigen Torhüter-Legenden, die für Milan zwischen den Pfosten standen. 240 Pflichtspiele bestritt er zwischen 1990 und 2002.
Rossi gewann mit den Rossoneri fünf Meisterschaften und stand beim 4:0-CL-Final-Sieg gegen Barca auf dem Platz.
Nach sieben Jahren bei der Fiorentina wagte Rui Costa 2001 das Abenteuer Milan. Fünf Jahre blieb er und wurde dabei zum Titelhamster.
Champions League, Meisterschaft, Coppa Italia und den UEFA Super Cup gewann er.
Daniele Massaro ging zwischen 1986 und 1995 (ausgeliehen 1988/89) für Milan auf Torejagd. Nachdem er den Klub wieder verließ, standen 51 Buden zu Buche.
Bedeutender sind jedoch die zahlreichen mit Milan errungen Titel, darunter zwei Europacup-Siege und vier Scudetti.
Sieben Jahre Milan-Jugend, 24 Jahre Milan-Profis. Er ist wohl - gemeinsam mit Baresi - DIE Milan-Legende schlechthin.
Paolo Maldini hätte überall spielen können, sein Herz schlug aber Rot-Schwarz. Der Abwehrrecke gewann u.a. fünf CL-Titel und sieben Scudetti.
Von 1997 bis 2001 und dann noch einmal 2002/03 spielte Leonardo für die Lombarden. Seine Titelausbeute umfasst einen CL-Sieg sowie den Gewinn der Coppa.
Maßgeblich beteiligt war er an den Verpflichtungen von Kaka und Pato, sodass er 2008 als Technischer Direktor engagiert wurde. 2009 bestellte man ihn zum Trainer, nach einem Jahr trennten sich die Wege wieder.
Kaka ist der letzte Weltfußballer, den Milan hervorbrachte. Diese Trophäe gewann der Brasiliener 2007. Insgesamt spielte er sieben Jahre (2003-09, 2013/14) in der Serie A.
Kaka war als CL-Torschützenkönig maßgeblich am Titelgewinn 2007 beteiligt, zudem gewann er u.a. einen Scudetto sowie zweimal den UEFA Super Cup.
Zlatan Ibrahimovic ist einer der wenigen Akteure, die die "Big Three" Italiens - Juve, Inter und Milan - auf ihrer Agende stehen haben.
In Rot-Schwarz kickte er von 2010 bis 2012, 42 Tore in 61 Spielen schauten dabei ebenso heraus wie ein Meistertitel.
Als Juve-Star 2001 gekommen, musste sich Filippo Inzaghi den Respekt der Fans erst erarbeiten. Bei seinem Abschied elf Jahre später war er längst ein Held.
"Super-Pippo" erzielte beide CL-Finaltreffer gegen Liverpool beim 2:1-Endspielsieg 2007. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Primavera-Coach, im Sommer 2014 sogar zum Cheftrainer befördert.
An der Seite von Rijkaard und van Basten wurde Ruud Gullit 1987 und 1989 bester Fußballer der Welt. Seine große Milan-Zeit währte von 1987 bis 1993.
Dabei gewann er alle großen Pokale. Zwar kehrte er 1994 noch einmal kurzzeitig zurück, seine große Zeit hatte er allerdings bereits hinter sich.
Bissiger als Gennaro Gattuso, genannt Rino, war wohl kein Milan-Spieler in den letzten 25 Jahren. Der Mittelfeld-Abräumer verkörperte Kampf und Einsatzwillen wie kein Zweiter.
Er spielte von 1999 bis 2012 in Diensten Milans und gewann alle wichtigen Titel. Zudem gelang es ihm in dieser Zeit, auch den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen.

Das ändert nichts daran, dass Juve-Coach Massimiliano Allegri, der Milan 2011 zum Meistertitel führte, vor seinem Ex-Klub warnt. "Es wird nicht einfach gegen Milan. Sie haben uns bereits zweimal Probleme bereitet."

Dennoch gingen beide Saisonduelle an das Team aus dem Piemont. Der frischgebackene Meister gewann zuhause durch einen Dybala-Treffer mit 1:0, auswärts reüssierte Juve trotz eines 0:1-Rückstands mit 2:1.

Auf dem Weg ins Endspiel der Coppa Italia warf Milan, das aufgrund des zehnten Tabellen-Platzes der Vorsaison bereits in der 3. Runde eingreifen musste, Perugia (2. Liga), Crotone (2. Liga), Sampdoria (1. Liga), Carpi (1. Liga) und Sensationsteam Alessandria (3. Liga) raus.

Dagegen eliminierten die Bianconeri zunächst Stadtrivale Torino (1. Liga) und Lazio (1. Liga), ehe Inter (1. Liga) knapp im Elfmeterschießen bezwungen wurde. Im folgenden Video kannst du dir die heißesten Szene, die besten Tore und die spannendsten Momente von Milan und Juve auf dem Weg ins Finale noch einmal genau ansehen:

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