Kurt Zouma: Chelseas Tackling-Monster

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Anthony Martial sprintet in Richtung Chelsea-Strafraum.

ManUniteds 50-Millionen-Euro-Profi gilt als einer der schnellsten Spieler der Premier League. Trotzdem schafft er es nicht in den „16er“ des Gegners. Denn hinter ihm rauscht eine Maschine heran.

Es ist Kurt Zouma. Der Chelsea-Verteidiger überläuft Martial und nimmt ihm mit einer sauberen Grätsche den Ball ab.

Kompromissloses Muskelpaket

Die Engländer lieben Tacklings wie dieses. Sie haben dem 21-jährigen Franzosen auf der Insel einen hervorragenden Ruf eingebracht.

Auch beim 3:0 gegen Crystal Palace schrien die Fans auf, als er Wilfried Zaha im eigenen Strafraum niedergrätschte. Doch der Elferpfiff blieb aus. Das Tackling war perfekt getimet. Zouma traf ausschließlich den Ball. Zaha wusste nicht, wie ihm geschah.

Jubel nach dem Tor gegen Arsenal

Es ist diese Kompromisslosigkeit, die das junge Muskelpaket auszeichnet. In einer bislang dunklen Chelsea-Saison zählt Zouma zu den wenigen Lichtblicken. Zwei Jahre nach seiner Verpflichtung von der AS St. Etienne hat sich der 1,90 m große Innenverteidiger durchgesetzt. Er gilt als legitimer Nachfolger von Klub-Ikone John Terry.

Schließlich bringt er alles mit, was einen hervorragenden Innenverteidiger auszeichnet: Athletik, Passsicherheit, Kopfballstärke und ein ausgezeichnetes Zweikampfverhalten. Dazu brilliert er mit einer für diese Körpergröße außergewöhnlichen Schnelligkeit.

Vergleiche mit Desailly

„Seit er zu uns gekommen ist, hat er unglaublich viel dazugelernt. Er ist noch jung. Ich kann mir vorstellen, dass Chelsea noch zehn Jahre mit Zouma vor sich hat“, sagte Ex-Coach Jose Mourinho im April.

Seitdem hat sich der Abwehrspieler, der auch als Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen kann, noch einmal um ein Level gesteigert. Nicht umsonst wurden schon Vergleiche mit seinem Landsmann Marcel Desailly laut. Der Weltmeister von 1998 spielte einst selbst für den Verein aus London.

„Die Leute vergleichen mich oft mit ihm, aber er ist eine Legende und hat viele große Spiele gemacht. Um dort hinzukommen, muss ich noch einiges beweisen. Ich stehe erst am Anfang meiner Karriere“, meint Zouma selbst.

"Die Leute vergleichen mich oft mit ihm, aber er ist eine Legende und hat viele große Spiele gemacht. Um dort hinzukommen, muss ich noch einiges beweisen."

Zouma über Vergleiche mit Desailly

Grässliches Foul als Karriere-Tiefpunkt

Seine kompromisslose Spielweise ist aber auch eine Gratwanderung. Das Tackling-Monster nimmt viel Risiko in Kauf. Dies hatte schon einmal böse Folgen.

Im November 2013 setzte Zouma gegen Sochaux an der Seitenlinie zu einem Tackling an. Mit gestrecktem Bein beförderte er Thomas Guerbert vom Spielfeld. Zwar spielte er dabei den Ball, brach dem Gegner aber das Schien- und Wadenbein. Ein grässlicher Anblick.

Zouma musste mit Rot vom Feld und wurde später wegen gefährlichen Spiels für zehn Partien gesperrt. Es sollte der Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere bleiben.

Eine Integrationsfigur in der Kabine

Nur zwei Monate später überwies Chelsea 14,6 Millionen Euro für ihn nach St. Etienne. Nach einer halbjährigen Leihe bei seinem Stammverein fand er sich ab der Saison 2014/15 schnell in London zurecht.

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Alan Shearer, 260 Tore, 441 Spiele Bild 2 von 11
Wayne Rooney, 190 Tore, 424 Spiele Bild 3 von 11
Andrew 'Andy' Cole, 187 Tore, 414 Spiele Bild 4 von 11
Frank Lampard, 177 Tore, 609 Spiele Bild 5 von 11
Thierry Henry, 175 Tore, 258 Spiele Bild 6 von 11
Robbie Fowler, 163 Tore, 379 Spiele Bild 7 von 11
Michael Owen, 150 Tore, 326 Spiele Bild 8 von 11
Les Ferdinand, 149 Tore, 351 Spiele Bild 9 von 11
Teddy Sheringham, 146 Tore, 418 Spiele Bild 10 von 11
Robin van Persie, 144 Tore, 280 Spiele
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Denn abseits des Feldes lässt sich der U20-Weltmeister nichts von seiner fußballerischen Aggressivität anmerken. „Kurt hat eine bemerkenswerte Art, sich anzupassen. In der Kabine ist er eine Integrationsfigur, der sogar mit den unmittelbaren Konkurrenten auf seiner Position Freundschaften schließt“, erklärt sein Entdecker Christophe Galtier.

Den St.-Etienne-Coach, der Zouma bereits als 16-Jährigem zu seinem Pflichtspieldebüt verhalf, überrascht die positive Entwicklung seines ehemaligen Schützlings überhaupt nicht: „In puncto Konzentration und Stellungsspiel hat er sich enorm verbessert. Die Fehler, die er in der Ligue 1 machte, begeht er nun nicht mehr.“

Benannt nach einem Van-Damme-Film

Zoumas Eltern scheinen von vornherein den Werdegang ihres Sohnes vorausgeahnt zu haben. Zumindest deutet die Namensgebung daraufhin. Kurt Happy Zouma lautet sein voller Name. Vater und Mutter ließen sich dabei von Jean-Claude Van Dammes Film „Kickboxer“ inspirieren.

"Meine Eltern mochten die Figur Kurt Sloane. In dem Film hilft er allen und ist muskulös. Sie dachten, mit diesem Namen würde ich auch so stark werden und immer ein Lächeln auf den Lippen tragen."

Zouma über seinen Namensgeber aus dem Van-Damme-Film

„Meine Eltern mochten die Figur Kurt Sloane. In dem Film hilft er allen und ist muskulös. Sie dachten, mit diesem Namen würde ich auch so stark werden und immer ein Lächeln auf den Lippen tragen“, erzählt Zouma.

Passend dazu entschuldigte er sich nach dem anfangs erwähnten Tackling bei Landsmann Martial, sein Tor verhindert zu haben. „Sorry Bro“, scherzte Zouma auf Instagram.

Gut möglich, dass sich die beiden französischen Jung-Nationalspieler in Zukunft noch so einige Duelle liefern werden.

 

Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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