Das unglaubliche Jahr der Foxes

Aufmacherbild

21. März 2015. Leicester City ist am Boden. Nach einem 3:4 gegen Tottenham ist der Premier-League-Aufsteiger Schlusslicht, auf das rettende Ufer fehlen bereits sieben Punkte.

Acht Monate später sind die "Foxes" sensationell Tabellenführer der englischen Elita-Liga. Was war in der Stadt östlich von Birmingham in diesen acht Monaten geschehen? Erstaunlich wenig, aber doch ein bisschen.

Zunächst einmal hatte Leicester einen irren Lauf, gewann sieben der letzten acht Ligapartien der Vorsaison und beendete diese auf einem respektablen 14. Platz.

Die Intensität des Schlussspurts kam zwar überraschend, trotzdem sollte festgehalten werden, dass Leicester über die gesamte Spielzeit hinweg kein Kanonenfutter war (keine einzige Niederlage mit mehr als zwei Toren Unterschied).

Im Sommer kam Ranieri

Im Sommer überwarf sich jedoch Coach Nigel Pearson mit dem Vorstand und musste gehen. Als Ersatzmann präsentierten die "Foxes" Claudio Ranieri.

Vardy und Fuchs haben Spaß

Diese Entscheidung wurde vielerorts belächelt. Ranieris letzter Job bis dahin war ein kurzes Intermezzo als griechischer Nationaltrainer, welches in einem peinlichen 0:1 zu Hause in der EM-Quali gegen die Färöer Inseln gipfelte.

Der "Tinkerman" möchte keiner mehr sein

Zudem hatte der 64-Jährige seit seiner Zeit bei Chelsea Anfang des Jahrtausends den Spitznamen "Tinkerman" bei der britischen Presse gepachtet.

"Tinkerman" - einer der zu viel rotiert, ein Bastler, einer der möglicherweise alles über den Haufen wirft.

Das Gegenteil davon trat ein. Ranieri hielt weitestgehend am Spielermaterial der Vorsaison fest, auch fast das gesamte Trainerteam durfte unter dem Italiener weitermachen.

Bestes Beispiel ist Leicesters Startaufstellung am vergangenen Wochenende beim 3:0 gegen Newcastle: Neun Akteure waren auch wesentliche Bausteine des Klassenerhalts in der Saison 2014/15.

Fuchs: "Wir gehen immer ausnahmslos ans Limit"

Die einzigen zwei Neuen lauteten N'Golo Kanté und Christian Fuchs. Ersterer zieht gemeinsam mit Danny Drinkwater auf der Doppelsechs die Fäden und ist bester Balleroberer der Liga (55 Balleroberungen).

Letzterer ist bekanntermaßen Kapitän des österreichischen Nationalteams und spielte sich nach einer schweren Startphase langsam aber sicher in die Anfangsformation.

"Leicester war im vergangenen Jahr am Boden. Das hat in diesem Team eine ganz besondere Moral erschaffen. Jedem ist bewusst, wie schnell man in dieser Liga vom Fenster weg sein kann. Dementsprechend gehen wir immer ausnahmslos ans Limit. Ich glaube, das macht dieses Team momentan aus", beschreibt Fuchs die aktuelle Situation.

Apropos Moral: Seine Mannschaft holte in dieser Saison nach einem Rückstand die meisten Punkte (10) in der Premier League. Auch das sagt viel aus.

Verein Tabellenplatz Gegentore
Leicester 1. 20
West Ham 6. 20
Chelsea 15. 23
Norwich 16. 24
Aston Villa 20. 24
Newcastle 17. 25
Sunderland 18. 26
Bournemouth 19. 27

Der heißeste Stürmer der Premier League

Die Schlagzeilen gehören aber momentan einem Spieler: Jamie Vardy.

Der 28-Jährige führt mit 13 Toren nach 13 Spielen die Torschützenliste der Premier League an und hat maßgeblichen Anteil daran, dass Leicester die beste Offensive der Liga stellt.

Diese ist auch notwendig, denn Leicesters Spielstil trägt dazu bei, dass hinten doch immer wieder der Ball einschlägt (siehe Tabelle oben). Vardy war bisher in jeder Begegnung an mindestens einem Tor beteiligt.

Der Stürmer ist mittlerweile vierfacher englischer Nationalspieler und selbstvertändlich auch bei größeren Klubs begehrt.

"Nicht viele Teams haben momentan das Geld um ihn zu kaufen. Real Madrid hätte es, aber er ist sehr glücklich hier und wir denken nicht daran ihn zu verkaufen", meinte Ranieri im Oktober über seinen Star.

”Hörst du denn nie auf zu rennen?“

Mourinho zu Vardy

Der Spätzünder

Vardy ist beidfüßig, schnell, gut in der Luft und ein unermüdlicher Rackerer, der Verteidigern keine Luft zum Atmen lässt.

So sieht das auch José Mourinho.

Nach einem 3:1 Chelseas über Leicester im März dieses Jahres soll der Startrainer zur Kabine der Foxes gegangen sein und Vardy gefragt haben: "Hörst du denn nie auf zu rennen?", berichtete der "Daily Star".

Der Torjäger ist ein Spätzünder.

Sein Weg war alles andere als vorgezeichnet. Als Teenager war er in eine Bar-Schlägerei verwickelt und musste eine Fußfessel tragen. Lange Zeit schlug er sich in den Niederungen des englischen Fußballs herum, erst 2012 wechselte er für eine Million Pfund von Fünftligist Fleetwood Town zum damaligen Championship-Klub Leicester.

How many points? I ASKED: HOW MANY POINTS??? Yeah right! #FoxesNeverQuit #NoFuchsGiven

Posted by Christian Fuchs on Samstag, 21. November 2015

Van Nistelrooy wünscht viel Glück

Die "Foxes" setzen auf überfallsartige Konter. Vardy profitiert dabei viel von den Flügelspielern Riyad Mahrez und Marc Albrighton (je fünf Assists).

Am Samstag könnte Vardy einen neuen Rekord aufstellen. Er traf zuletzt in zehn Ligaspielen in Folge. So egalisierte er die Bestmarke von Ruud van Nistelrooy.

Der Niederländer sieht das auf "Twitter" locker: "Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Weiter so, Jamie Vardy, viel Erfolg und viel Glück."

Topspiel in Leicester

Ob die ManUnited-Legende weiß, gegen wen Vardy und Co. am Wochenende spielen? Am Samstag (18:30 Uhr - LIVE-Ticker) sind nämlich die "Red Devils" zu Gast.

Die Truppe von Louis van Gaal ("Ich glaube, es ist möglich, dass Leicester City den Titel gewinnt") ist gut in Schuss und kämpfte sich vor allem dank starker Defensivleistungen (neun Gegentore - Ligabestwert) auf Platz zwei vor.

"Es ist das große Match des Wochenendes. Wir sind momentan verdient an der Ligaspitze. Für uns ist es ein Spiel, bei dem wir viel lernen können. Lernen wo und wie wir uns verbessern können", wird Ranieri vorab zitiert.

Hartes Restprogramm

Große Töne spuckt der als ein wenig schrullig geltende Leicester-Coach ungerne. Immer wieder weist er darauf hin, dass 40 Punkte das Saisonziel sind.

Spieltag Datum Verein Spielort
14 28.11 Manchester United Heim
15 5.12. Swansea Auswärts
16 14.12. Chelsea Heim
17 19.12. Everton Auswärts
18 26.12. Liverpool Auswärts
19 29.12. Manchester City Heim

Wohl weil auch er weiß, dass es das Restprogramm der Hinrunde nicht gut mit den "Foxes" meint: Es warten noch vor Jahreswechsel unter anderem Chelsea, Liverpool, ManCity und eben ManUnited.

Legendäres Duell

Allerdings ging gerade das letzte Duell zwischen Leicester und dem Rekordmeister im King Power Stadium in die Geschichte der Premier League ein - zugunsten der Hausherren:

Wayne Rooney und Co. führten bis zur 62. Minute 3:1, am Ende gewann der LCFC mit 5:3. Bei allen Toren hatte Vardy seine Füße mit im Spiel: Eines schoss er selbst, zwei bereitete er vor, zudem holte er zwei Elfmeter heraus.

Doch was hat der September 2014 noch zu bedeuten, wenn man Leicester City Football Club heißt?

 

Máté Esterházy

LAOLA Meins

Premier League

Verpasse nie wieder eine News ZU Premier League!

Einfach über LAOLA Meins diesem Thema folgen, und individuell und persönlich alle Infos erhalten!

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare