Brexit: Die Auswirkungen auf den Fußball

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Großbritannien hat sich entschieden: Das Königreich wird aus der EU austreten.

Der "Brexit" hat weitreiche politische und vor allem wirtschaftliche Folgen. Und auch auf den Sport, auch wenn der natürlich nur ein kleiner Nebenschauplatz ist.

Welche Folgen hat der Austritt auf den britischen Fußball? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

  • Können England, Wales, Nordirland und Schottland weiterhin an einer EM und Clubs aus den Ligen dieser Länder am Europacup teilnehmen?

Ja. Über die Chance zur Teilnahme an diesen Wettbewerben entscheidet allein die Mitgliedschaft in der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

  • Was sind die Folgen eines Brexit für die Premier League?

Spieler mit einem Pass eines EU-Mitglieds dürfen bisher ohne Einschränkung für einen Club aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies ist nach aktuellen Bestimmungen bei einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht mehr der Fall. Die Spieler werden wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt, diese müssen bereits jetzt strikte Kriterien einhalten. Diese Regeln wurden vom Innenministerium unter anderem auf Drängen des englischen Verbands (FA) zum Schutz einheimischer Spieler aufgestellt.

  • Welche Regeln sind das?

Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis richtet sich derzeit für Spieler aus einem Nicht-EU-Land nach der Weltranglistenposition seines Herkunftslandes und seinen Länderspielen. So muss ein Spieler aus einer Nation unter den Top 10 der Welt 30 Prozent der möglichen Länderspiele der vergangenen zwei Jahre bestritten haben. Von einem Profi aus einem Land der Plätze 11 bis 20 sind 45 Prozent aller Einsätze für sein Nationalteam gefordert - und so weiter. Bisher waren Spieler mit EU-Pass von dieser Regelung ausgenommen. In Zukunft werden sie Profis aus anderen Ländern der Welt gleichgestellt und müssen die selben Kriterien erfüllen.

  • Wie viele Spieler sind bei einem Brexit betroffen?

In der vergangenen Saison hätte rund eine dreistellige Zahl an Spielern aus EU-Ländern allein in der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten - der "Telegraph" kommt auf 95. Die BBC rechnet mit gut 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen. In der englischen Premier League sind mit Christian Fuchs (Leicester City), Sebastian Prödl (Watford), Marko Arnautovic (Stoke) und Kevin Wimmer (Tottenham) aktuell vier österreichische (Team)spieler engagiert. Letzterer würde die Kriterien aktuell nicht erfüllen. Das trifft auch für in der abgelaufenen Saison herausragende Fußballer wie N'Golo Kante (Leicester) oder Dimitri Payet (West Ham) zu. Beide sind zwar französische Internationale, zählten aber in der Vergangenheit nicht zu den Stammspielern der "Equipe Tricolore" - damit wäre eine Arbeitsgenehmigung außer Reichweite, berichtete die BBC.

  • Also müsste sich die Premier League auf einen Schlag rund 100 neue Spieler suchen?

Dies ist nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich. Das Innenministerium könnte beispielsweise die Bestimmungen für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen wieder senken. "Die Premier League ist einer der größten Exporteure der Vereinigten Königreichs und generiert eine signifikante Summe", sagte Sportökonom Babatunde Buraimo von der Universität Liverpool dem "Telegraph".

"Ich wäre überrascht, wenn es diesbezüglich nicht zu Änderungen kommen würde. Finanzkräftige Sport-Organisationen haben immer die Schlagkraft, die Regeln zu ihren Gunsten zu verändern", sagte Raymond Boyle, Professor der Universität Glasgow, der BBC.

Rechtsexperte Gregory Ioannidis von der Sheffield Universität rechnet zwar mit keinen Problemen für die Clubs, sieht aber Schwierigkeiten, Fußballprofis anders als normale Arbeitnehmer zu behandeln. Wie neue Regularien aussehen könnten und welche Folgen diese hätten, ist ebenfalls noch völlig unklar.

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang»
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