Wieder verpatzt! Gründe für die Arsenal-Krise

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Seit 2004 wartet Arsenal auf einen Meistertitel.

Heuer wären die Chancen so gut wie nie gestanden, die Träume der Fans endlich wahr zu machen.

Die Gunners starteten mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison. Die üblichen Verdächtigen, allen voran Titelverteidiger Chelsea, ließen schon zu Saisonbeginn Federn.

Alles war angerichtet für den Klub aus London. Lange Zeit hielt man sich auch an der Tabellenspitze, doch nach einer Negativ-Serie in den letzten Wochen fehlen mittlerweile sechs Punkte auf Überraschungs-Leader Leicester City. Das Team von Arsene Wenger droht es erneut zu vermasseln.

Am Samstag steht für Arsenal gegen Erzrivale Tottenham eine richtungsweisende Partie an. Mit einem Sieg könnte man mit den zweitplatzierten Spurs in der Tabelle gleichziehen. Bei einer Niederlage droht das Aus im Titelrennen.

Vor diesem Spiel analysiert LAOLA1 die aktuellen Probleme bei Arsenal:

  • Kopf-Problem

„Eier, wir brauchen Eier“, sagte einst Oliver Kahn. Ein Spruch, den sich Arsenal zu Herzen nehmen sollte. In den letzten Jahren hatten die Gunners immer zumindest eine Formkrise, die ihnen den Titel kostete. Letzte Saison fuhr das Wenger-Team nur zwei Siege in den ersten acht Spielen ein, die Spielzeit davor kam der Durchhänger im März. Heuer erlebt der Klub gerade jetzt diese Negativ-Serie. Nur zwei der vergangenen acht Liga-Spiele konnten gewonnen werden. Es scheint, als würde der Mannschaft eine mentale Blockade innewohnen. „Wir glauben nicht an den Titel“, sagt auch Alexis Sanchez.  „Uns fehlt der Hunger. Wir müssen so auf den Platz gehen, als würden wir bereits vor dem Anpfiff 1:0 vorne liegen.“

  • Taktik-Problem

Der „One Touch Football“, der Arsene Wenger und seine Mannschaft auszeichnete, hat sich gewandelt. Die Gunners versuchen mittlerweile auch einmal tiefer zu stehen und die Gegner im Konter zu überraschen. Bei Erfolgen wie dem 2:1 gegen Manchester City oder dem 2:0 gegen Bayern München funktionierte das recht gut. Andererseits wirkt das Offensiv-Spiel gegen schwächere Vereine oftmals uninspiriert und strukturlos. Der Spielaufbau bereitet der Mannschaft große Probleme. Anstatt im Kollektiv zu glänzen, hängt zu viel von Assist-König Mesut Özil ab. Dazu befindet sich mit Alexis Sanchez der einzige andere Offensiv-Akteur von Weltklasse-Format momentan nicht in Bestform. So wirken Arsenals Angriffsversuche momentan oft verkrampft anstatt in einem Fluss.

  • Verletzungs-Problem

Das Verletzungspech klebt Arsenal fast schon traditionell an den Beinen. Kaum ein anderer Spitzenklub musste sich in den letzten Jahren mit mehr medizinischen Problemen herumschlagen. Aktuellstes Opfer: Petr Cech. Der Torhüter, der den Gunners in dieser Saison schon so einige Punkte rettete, fällt mit einer Wadenverletzung mehrere Wochen aus. Auch Laurent Koscielny und Alex Oxlade-Chamberlain müssen seit kurzem pausieren. Jack Wilshere und Tomas Rosicky fehlen sowieso schon die gesamte Saison. Hoffnung macht die baldige Rückkehr von Santi Cazorla, der vor seiner Verletzung gemeinsam im zentralen Mittelfeld mit Francis Coquelin perfekt harmonierte. Diese Kombination könnte sich im Saisonfinish erneut als Erfolgsrezept herausstellen.

  • Geld-"Problem"

Kaum ein anderer Fußballklub auf dieser Welt hat so hohe Geldreserven angehäuft. Nicht weniger als 205 Millionen Euro haben die Londoner in der Hinterhand. Eine beträchtliche Summe. Viele Fans stellen sich jedoch die Frage, warum dieses Geld nicht in die sportliche Wettbewerbsfähigkeit investiert wird. Anders ausgedrückt: Wenn die Kohle da ist, warum werden keine Spieler gekauft? Einige Anhänger machen dafür Stan Kroenke verantwortlich. Dem US-amerikanischen Mehrheitseigentümer wird vorgeworfen, nur den wirtschaftlichen Profit im Auge zu haben. Solange Arsenal jedes Jahr in der Champions League spielt, ist dieser gewährleistet. Die Fans streben aber nach größeren Erfolgen, wie der Meisterschaft oder einem Europacup-Titel. Hohe Ziele, die nur mit wirtschaftlichen Investitionen erreicht werden können. Das Unverständnis der Anhänger hängt auch mit den hohen Ticketpreisen zusammen. Stadionkarten kosten bei kaum einem anderen Klub so viel Geld wie bei Arsenal. Die Einnahmen steigen mit jeder Saison, bei der Vereinsführung herrscht dennoch das Motto: „Geiz ist geil“.

  • Transfer-Problem

Der Markt gebe einfach keine besseren Spieler her, sagt Wenger immer wieder. Im Sommer war Arsenal der einzige Premier-League-Klub, der keinen Feld-Spieler verpflichtete. Der Franzose will kein Millionen für Durchschnittskicker ausgeben. In der Tat holte er in den vergangenen Jahren nur wenige, dafür aber hochklassige Neuverpflichtungen. Cech, Özil und Sanchez sind positive Beispiele. Gleichzeitig vermissen viele Fans jedoch den Mut, richtig tief in die Tasche zu greifen. Ein Weltklasse-Stürmer wie Karim Benzema oder Edinson Cavini würde den Londonern gut tun. Auch in der Innenverteidigung und im Mittelfeld bestünde Handlungsbedarf. Das nötige Kleingeld wäre vorhanden. Vielleicht entscheidet sich Wenger in diesem Sommer, einmal so richtig shoppen zu gehen - wenn es wieder nicht mit dem Titel klappt.

 

Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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