Steht Florian Kainz bereits am Abstellgleis?

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Der Fehlstart des deutschen Schlusslichts Werder Bremen ist gleichzeitig ein Fehlstart des österreichischen Neuzugangs Florian Kainz.

Beim Auftakt gegen die Bayern nur Ersatz flog der Steirer zuletzt gegen Augsburg ganz aus dem Kader.

Steht der Ex-Rapidler schon am Abstellgleis, bevor das Bundesliga-Abenteuer für ihn so richtig begonnen hat?

LAOLA1 hörte sich bei den Bremen-Insidern Alexander Kuhl (Sportchef Weser-Report) und Klaus Bellstedt (Head of Sports Yahoo Deutschland und Werder-Experte) um.


Die Begründungen der beiden Journalisten für die Probleme von Kainz gehen durchaus in verschiedene Richtungen. Während Kuhl stärker den Spieler selbst in die Pflicht nimmt, sieht Bellstedt - wie viele Werder-Fans - den viel kritisierten Trainer Viktor Skripnik als Hauptproblem.

"Kainz galt für viele als der Hoffnungsträger"

Einig sind sich beide Experten in der Tatsache, dass man sich an der Weser von der Verpflichtung des Flügelflitzers nach seinen 26 Scorer-Punkten für Rapid in der Vorsaison (7 Tore, 19 Assists) jede Menge erwartet hat.

"Als Kainz im Sommer für die für Werder-Verhältnisse üppige Ablöse von 3,5 Millionen Euro kam, staunten viele, dass so ein ambitionierter Spieler zu den krisengeschüttelten Bremern wechselt. Mit seinem Verzicht auf Urlaub und dem vorzeitigen Einstieg ins Training legte er damals einen guten Start hin. Nach den ersten Trainingseinheiten waren sich alle Beobachter einig: Das ist ein Guter. Der wird Stammspieler", erklärt Kuhl.

Auch Bellstedt berichtet von einer guten Vorbereitung, in der Kainz viel und überzeugend gespielt hätte: "Er galt für viele als der Hoffnungsträger, bevor Max Kruse und Serge Gnabry verpflichtet wurden."

So weit, so gut. Doch warum und wann riss der Faden?

Ein "typischer Skripnik"

"Dann kneift der Trainer, vertraut wieder Altbewährtem und haut seine Parolen raus wie 'braucht noch, Umgewöhnung, andere Liga'. Ich will nicht alles auf den Trainer schieben, aber die Verbannung auf die Tribüne gegen Augsburg hat nicht ein einziger Werder-Fan nachvollziehen können."

Klaus Bellstedt

Bellstedt: "Aus meiner Sicht mal wieder ein 'typischer Skipnik'. Der Trainer lässt den Neuen viel spielen, testet ihn - auch nach Variabilität. Das gelingt auch. Er überzeugt. Wenn es dann ernst wird, sortiert ihn Skripnik aus. Dann kneift der Trainer, vertraut wieder Altbewährtem und haut seine Parolen raus wie 'braucht noch, Umgewöhnung, andere Liga'. Ich will nicht alles auf den Trainer schieben, aber die Verbannung auf die Tribüne gegen Augsburg hat nicht ein einziger Werder-Fan nachvollziehen können."

Skripnik begründete seine Maßnahme damit, dass Kainz den Konkurrenzkampf mit Izet Hajrovic und Sambou Yatabaré verloren hätte und provozierte den 23-Jährigen: "Ich hoffe, dass Florian jetzt unzufrieden ist und eine Reaktion zeigt."

Dies dürfte gelungen sein. Im Vorfeld des samstäglichen Gastspiels bei Borussia Mönchengladbach frohlockte der Ukrainer: "Florian hat eine Reaktion gezeigt. Alle Karten liegen in seiner Hand."

Vor einer überragenden Saison 2015/16, in welcher der einfache ÖFB-Teamspieler zum besten Österreicher der Bundesliga avancierte, legte Kainz nach seinem umstrittenen Wechsel zu Rapid im Sommer 2014 auch nicht unbedingt einen Blitzstart hin, kam jedoch immerhin regelmäßig zum Einsatz. Zuvor bei Stammklub Sturm Graz schlitterte der Meister von 2011 neben starken Phasen auch immer wieder mal in hartnäckige Tiefs.

"Da sind andere Qualitäten gefragt, als Kainz sie zu bieten hat"

An der erfolgreichen Bewältigung des Spießrutenlaufs, den ihm die von seinem überstürzten Abgang enttäuschten Grazer Fans bereiteten (Stichwort: Sauschädl-Affäre), schien der Steirer jedoch gewachsen zu sein. Während seine Konstanz in Hütteldorf verbessert schien, gilt Kainz dennoch nicht unbedingt als lauter Profi, der die Ellbogen ausfährt - ein Bereich, in dem er sich im Ausland wohl weiter verbessern muss.

"Die Umstellung fiel ihm dann doch nicht so leicht. Kainz tauchte ab, verlor die Leichtigkeit in seinem Spiel und die Gunst von Skripnik."

Alexander Kuhl

"Die Umstellung fiel ihm dann doch nicht so leicht. Kainz tauchte ab, verlor die Leichtigkeit in seinem Spiel und die Gunst von Skripnik. Zu den Anpassungsproblemen kommt die Tatsache, dass der Konkurrenzkampf im auf 33 Profis aufgeblähten Werder-Kader gerade auf seiner Position extrem hoch ist", schildert Kuhl und konkretisiert:

"Mit Fin Bartels spielt einer der Lieblings-Profis von Skripnik auf der linken Außenbahn, mit Gnabry wurde auf den letzten Drücker noch ein weiterer Spieler für den Flügel geholt. Zusammen mit Hajrovic, Yatabaré und dem noch verletzten Justin Eilers herrscht ein Überangebot an Außenspielern."

Für Kuhl scheint es, als würde Kainz mehrere Spiele am Stück benötigen, um wirklich in der Bundesliga anzukommen: "Aber solch einen Luxus kann sich Werder in der derzeitigen Situation nicht erlauben. Nach dem verkorksten Saisonstart steht Werder als Tabellenletzter schon früh in der Saison extrem unter Druck. Da sind andere Qualitäten gefragt, als Kainz sie zu bieten hat."

"Kainz ist auch Opfer der derzeitigen Werder-Spielweise"

Der Insider ist überzeugt: "Damit Kainz sein Talent bei Werder zeigen kann, muss der Verein erst wieder in ruhigeres Fahrwasser und sichere Tabellenregionen gelangen. Denn er ist auch ein Opfer der derzeitigen Werder-Spielweise. Weil das Team so verunsichert ist, wartet es über weite Strecken ab und hofft nur auf Balleroberungssituationen. Florians große Stärke ist aber das Eins-gegen-Eins, das Tempodribbling. Gegen tiefer stehende und passivere Mannschaften wäre das sicher hilfreich - wenn Werder mal wieder dahin kommt, einen Gegner zu dominieren."

Was Kainz in einem auf Ballbesitz ausgelegten Fußball bewirken kann, demonstrierte er bei Rapid unter Ex-Trainer Zoran Barisic.

Bellstedt wiederum ist der Meinung, dass Bremen auch in der aktuellen Situation nur schwer auf einen Akteur mit den Vorzügen des ÖFB-Legionärs verzichten kann: "Werder bräuchte eigentlich dringend diesen Spieler, der abschließt, der vorbereitet, der ein bisschen Spielkultur hat, der schnell ist."

Seine Befürchtung: "Skripnik geht viel nach Nase, wie wir hier sagen. Möglich, dass Kainz auch mal seinen Mund aufgemacht hat - oder sein Berater. Dann ist man bei Skripnik für immer durch."

"Unter diesem Trainer wird Kainz nicht durchstarten können"

Der Experte geht fest davon aus, dass Kainz aufgrund der Verletzung von Bartels gegen Gladbach wieder im Spieltagsaufgebot stehen wird. "Wenn er jetzt nicht im Kader steht, weiß ich auch nicht mehr. Aber eines weiß ich: Unter diesem Trainer wird Kainz nicht durchstarten können. Und Werder auch nicht."

Düstere Aussichten, die sich für Kainz hoffentlich nicht bewahrheiten. Mit Zlatko Junuzovic wird einem weiteren ÖFB-Werderaner nicht unbedingt ein intaktes Verhältnis zum angezählten Coach nachgesagt. Genau wie Florian Grillitsch ist der Nationalteam-Schlüsselspieler in Bremen jedoch gesetzt.

Kuhl: "Junuzovic und Grillitsch sind zwar weiter von ihrer Bestform entfernt, besitzen aber das Vertrauen von Skripnik. Durch die Verletzungen von Max Kruse und Philipp Bargfrede sind beide zudem auf ihren Positionen derzeit ohne echte Konkurrenz."

Ganz im Gegensatz zu Kainz. Aber zumindest ein wenig gute Werder-Nachrichten aus rot-weiß-roter Sicht.

Peter Altmann


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